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"Vielleicht ist das im nächsten Jahr möglich": Annika Becker peilt Weltrekord an

zuletzt aktualisiert: 26.08.2003 - 11:59

Paris (rpo). Auf der Leiter hat sie Höhenangst. Trotzdem träumt Annika Becker von einem Fünf-Meter-Sprung. Nach dem Gewinn der Silbermedaille in Paris peilt die 21-jährige Erfurterin jetzt den Weltrekord von 4,82 Meter an.

Während die 21-jährige Erfurterin furchtlos nach ihrem WM-Coup zunächst den Weltrekord anpeilt, hat sie großen Bammel, zu Hause auf eine Küchenleiter zu steigen. "Da muss ich mich immer festhalten."

Couragiert trumpfte sie dagegen am Montagabend im Stade de France auf und ließ zumindest von der Platzierung her Weltrekordlerin Jelena Isinbajewa (Russland) mit 4,70 m hinter sich. Allein gegen deren Landsfrau Swetlana Feofanowa (4,75) hatte Annika Becker, die für die erste deutsche Medaille sorgte, keine Chance. "Ich hatte keine Rechnung aufgemacht und musste mir deshalb nichts ausrechnen", sagte die Studentin der Erziehungswissenschaften, "es war für mich sehr wahrscheinlich, dass die Russinnen die Nase vorn haben würden."

"Nichts ausgemacht"

Belastet hat sie auch nicht, dass die deutsche Mannschaft bis dato mit leeren Händen dastand. "Das hat mir nichts ausgemacht", meinte Annika Becker, die einen Tag vor dem Wettkampf noch an einer starken Erkältung ("Ich bekam kaum Luft") laborierte. Außerdem galt nach kräftigen Sprüchen vor der WM ("Ein Platz auf dem Podium wäre angemessen") eher die Stuttgarterin Yvonne Buschbaum (23) als Medaillenkandidatin. "Ich bin schon beim Einspringen nicht reingekommen, es war kein Flugwetter für mich", kommentierte die EM- Dritte enttäuscht Platz sechs. Allerdings plagten sie Beschwerden an beiden Achillessehnen und eine Schleimbeutelentzündung.

Für Annika Becker ist der Silber-Gewinn der erste große Höhepunkt ihrer jungen Karriere, in der es auch schon Rückschläge gab. Beim WM- Debüt 2001 in Edmonton flog sie als 13. in der Qualifikation raus. Im vergangenen Jahr war sie nach ihrem Europarekord von 4,77 m bei der EM in München auf eine Medaille fixiert und am Ende über den 5. Rang frustriert.

Orientieren muss sich die rothaarige Athletin zukünftig an der früheren Gymnastin Swetlana Feofanowa, nachdem sich die Ära der Doppel-Weltmeisterin und 17-maligen Weltrekordlerin Stacy Dragila (USA/4. Platz) dem Ende zuneigt. "Ich habe sie beim Weltcup besiegt. Das zeigt, dass sie nicht unschlagbar ist", sagte Annika Becker.

Von Männern lernen

Um dem Himmel noch näher zu kommen, schaut sie sich vorzugsweise Videos vom Männer-Stabhochsprung an. "Da kann man viel mehr lernen." TV-Studien von ihrer Rivalin Feofanowa interessieren sie nicht. "Sie springt einfach nicht schön", urteilte Annika Becker, die mit 13 Jahren erstmals Stabhochsprung probierte und im ersten Wettkampf 2,50 m übersprang.

Ihre heimliche Leidenschaft gilt dem Weitsprung. Im vergangenen Jahr wurde sie sogar deutsche Junioren-Vizemeisterin und kann eine Bestweite von 6,07 m vorweisen. "Ich würde gern noch einen Weitsprung-Wettkampf machen", hofft sie. Priorität hat aber der Start beim Weltfinale der Leichtathleten am 13./14. September in Monaco, wo ein weiterer großer Zahltag bevorstehen könnte. Für ihre Weltcup- und WM-Siege konnte Annika Becker je 30 000 Dollar kassieren.


 
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