Schwimm-WM: Annika Lurz sichert erste deutsche Medaille
zuletzt aktualisiert: 28.03.2007 - 11:48Melbourne (RPO). Annika Lurz hat für die deutschen Schwimmer am vierten Tag der WM in Melbourne die erste Medaille gesichert. Über 200 Meter Freistil wurde die Würzburgerin in 1:55,68 Minuten nur von der Französin Laure Manaudou geschlagen, die in 1:55,52 den nur einen Tag alten Weltrekord von Federica Pellegrini weiter verbesserte. Pellegrini sicherte sich in 1:56,97 Bronze.
Die US-Amerikanerin Leila Vaziri hat derweil Europameisterin Janine Pietsch aus Ingolstadt den Weltrekord über 50 m Rücken weggeschnappt. Im Halbfinale schwamm Vaziri 28,16 Sekunden und unterbot die alte Bestmarke damit um drei Hundertstel. Pietsch kam als Halbfinalfünfte in den Endlauf am Donnerstag, Antje Buschschulte aus Magdeburg scheiterte als Halbfinalzwölfte. Insgesamt war es der fünfte Weltrekord in der Rod Laver Arena.
Der weltbeste Rückenschwimmer Aaron Peirsol aus den USA hat in Weltrekordzeit den ersten Schritt zum erneuten Double geschafft. Über 100 m Rücken sicherte sich Peirsol in 52,98 Sekunden den Titel und unterbot seinen eigenen Weltrekord um 19 Hundertstel, zudem blieb er als erster Schwimmer auf dieser Distanz unter 53 Sekunden.
Silber ging an Peirsols Landsmann Ryan Lochte in 53,50, Bronze sicherte sich der Brite Liam Tancock in 53,61. Peirsol hatte bei der WM 2003 und 2005 ebenso wie bei den Olympischen Spielen in Athen 2004 jeweils über 100 und 200 m Rücken triumphiert.
Erst verdrückte Annika Lurz ein paar Freudentränen, dann gab es als Belohnung einen Kuss von Ehemann und Trainer Stefan und ihre WM-Medaille widmete sie ihrem Stiefvater zum Geburtstag. In einem Fabelrennen für die Schwimm-Geschichtsbücher holte Lurz Silber über 200 m Freistil und musste sich beim ersten Edelmetall für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) im 50-m-Becken von Melbourne um 26 Zentimeter nur der "verflixten" Französin und neuen Weltrekordlerin Laure Manaudou geschlagen geben.
"Ich hätte nie geglaubt, dass das so bravourös endet. Ich bin super glücklich", erklärte die 27 Jahre alte Würzburgerin völlig aufgelöst und blickte immer wieder verschmitzt auf ihre erste WM-Medaille: "Diese Zeit hätte ich nie für möglich gehalten." 1:55, 68 Minuten zeigte die Anzeigetafel - 96 Zehntel schneller als die alte Bestmarke von Franziska van Almsick, 81 Hundertstel schneller als der Weltrekord der Italienerin Federica Pellegrini vom Vortag im Halbfinale, aber eben doch 14 Hundertsel langsamer als Manaudou.
"Wichtig ist mir, dass meine Zeit gestimmt hat. Wenn jemand bei so einem Rennen am Ende schneller ist, kann man nichts machen", erkannte Lurz die grandiose Leistung von Manaudou an, und blickte dann schon wieder voraus: "Ich hoffe, dass dieses Rennen der ganzen Mannschaft Schwung verleiht." Bereits am Donnerstag hat Lurz mit der Weltrekordstaffel zusammen mit Britta Steffen über 4x200 m Freistil den nächsten Streich geplant.
DSV-Sportdirektor Örjan Madsen atmete spürbar auf. "Es geht doch", sagte der Norweger und zollte Lurz ein Sonderlob: "Ihre Leistung war grandios." Nebenbei gab Madsen bekannt, künftig auch auf die Hilfe von Mentaltrainer zurückzugreifen. "Vieles ist Kopfsache, das haben wir hier wieder festgestellt", sagte Madsen.
Während der gescheiterte Titelverteidiger Mark Warnecke am Tag nach seinem Aus über 50 m Brust gegen den DSV wetterte, hatte Janine Pietsch ihre Nerven diesmal im Griff. Die 24-Jährige aus Ingolstadt zog über 50 m Rücken in 28,72 Sekunden als Fünfte ins Finale ein und rehabilitierte sich für die Vorlauf-Schmach über die doppelte Distanz.
Allerdings verlor sie ihren Weltrekord an die US-Amerikanerin Leila Vaziri, die in 28,16 drei Hundertstel unter der alten Marke von Pietsch blieb. Die Magdeburgerin Antje Buschschulte, bei der WM 2005 in Montreal noch Dritte, verpasste als Zwölfte in 29,00 erneut den Endlauf und klagte über Schulterprobleme.
Weiter in einer anderen Liga schwimmt Michael Phelps. Der US-Superstar holte über 200 m Schmetterling mit seinem zweiten Weltrekord in Melbourne sein drittes Gold. In 1:52,09 Minuten pulverisierte der 21-Jährige seine eigene Bestmarke gleich um 1,71 Sekunden.
Für die deutschen Wasserballer ist der Traum von der ersten WM-Medaille seit 25 Jahren hingegen im Viertelfinale geplatzt. Die Mannschaft von Bundestrainer Hagen Stamm verlor mit 6:13 (2:4, 0:1, 2:4, 2:4) gegen Olympiasieger Ungarn. Heiko Nossek vom griechischen Meister Olympiakos Piräus mit drei Toren, Marc Politze vom deutschen Rekordchampion Spandau Berlin mit einem "Doppelpack" und Florian Naroska (Esslingen) erzielten die Treffer.
"Kein Vorwurf an meine Mannschaft. Ungarn ist nunmal nur zu schlagen, wenn alles passt", meinte Stamm, der 1982 bei der WM in Ecuador noch als Weltklasse-Center im Wasser maßgeblich an Bronze beteiligt war. In der Runde um die Plätze fünf bis acht kommt es am Freitag zur Revanche gegen Italien. Gegen die Südeuropäer hatte die DSV-Auswahl in der Gruppenphase mit 3:8 verloren.
Schwimmen, WM in Melbourne, Finals im 50-m-Becken, 4. Tag
Männer
800 m Freistil
Gold: Oussama Mellouli (Tunesien) 7:46,95 Minuten
Silber: Przemyslaw Stanczyk (Polen) 7:47,91
Bronze: Craig Stevens (Australien) 7:48,67
4. Federico Colbertaldo (Italien) 7:49,98, 5. Sebastien Rouault (Frankreich) 7:52,04, 6. Sergij Fesenko (Ukraine) 7:53,43, 7. Grant Hackett (Australien) 7:55,39, 8. Ryan Cochrane (Kanada) 7:56,56. - im Vorlauf ausgeschieden: 17. Christian Hein (Mainz) 8:00,14
50 m Brust
Gold: Oleg Lisogor (Ukraine) 27,66 Sekunden
Silber: Brendan Hansen (USA) 27,69
Bronze: Cameron van der Burgh (Südafrika) 27,88
4. Alessandro Terrin (Italien) 28,09, 5. Kosuke Kitajima (Japan) 28, 10, 6. Michael Malul (Israel) 28,19, 7. Brenton Rickard (Australien) 28,24, 8. Walerij Dymo (Ukraine) 28,27. - im Vorlauf ausgeschieden: 17. Mark Warnecke (Essen) 28,28, ... 23. Johannes Neumann (Riesa) 28,50
200 m Schmetterling
Gold: Michael Phelps (USA) 1:52,09 Minuten (WR)
Silber: Wu Peng (China) 1:55,13
Bronze: Nikolaj Skworzow (Russland) 1:55,22
4. Moss Burmester (Neuseeland) 1:55,35, 5. Ryuichi Shibata (Japan) 1:55,81, 6. Pawel Korzeniowski (Polen) 1:55,87, 7. Ioannis Drymonakos (Griechenland) 1:56,48, 8. Chen Yin (China). - im Vorlauf ausgeschieden: 28. Benjamin Starke (Cottbus) 2:01,01
Frauen
200 m Freistil
Gold: Laure Manaudou (Frankreich) 1:55,52 Minuten (WR)
Silber: Annika Lurz (Würzburg) 1:55,68
Bronze: Federica Pellegrini (Italien) 1:56,97
4. Katie Hoff (USA) 1:57,09, 5. Josefin Lillhage (Schweden) 1:57, 90, 6. Dana Vollmer (USA) 1:58,30, 7. Caitlin McClatchey (Großbritannien) 1:59,28, 8. Otylia Jedrzejczak (Polen) 2:01,53. - im Halbfinale ausgeschieden: Meike Freitag (Frankfurt/Main) 1:59,60
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