Drei "Gauchos" und ein Brite im Halbfinale: Argentinisches Festival in Paris
zuletzt aktualisiert: 02.06.2004 - 20:21Paris (rpo). Viva Argentina! Gleich drei "Gauchos" sind bei den French Open ins Halbfinale eingezogen, nur ein einsamer Brite namens Tim Henman stemmt sich noch gegen die übermächtige Phalanx aus Südamerika.
Einen Tag nach dem Turnierfavoriten Guillermo Coria zogen auch David Nalbandian und der ungesetzte Gaston Gaudio überraschend ins Halbfinale der French Open ein. Den Schlusspunkt an einem grauen und windigen Mittwoch setzte der an Nummer acht gesetzte Nalbandian. Der Wimbledon-Finalist von 2002 stürzte den brasilianischen Publikumsliebling Gustavo Kuerten nach hartem Kampf mit 6:2, 3:6, 6:4, 7:6 (8:6). Nach 3:07 Stunden musste sich der dreimalige Paris-Sieger (1997, 2000, 2001) auf dem Court Central geschlagen geben. Dennoch verabschiedete sich Kuerten, der sich seit seiner Hüftoperation Anfang 2002 mit Verletzungsproblemen herumschlägt, mit einem Lächeln: "Ich bin hier viel weiter gekommen, als ich jemals dachte. Wäre es nicht Paris gewesen, hätte ich wegen der Hüftprobleme gar nicht gespielt."
Zuvor erreichte der ungesetzte Gaudio zum ersten Mal in seiner Karriere das Halbfinale eines großen Turniers. Der 25-Jährige, der bei einem Grand Slam noch nie über die Runde der letzten 16 hinausgekommen war, bezwang den an Nummer zwölf gesetzten Australier Lleyton Hewitt überraschend leicht in 1:56 Stunden mit 6:3, 6:2, 6:2 und machte damit das Märchen in hellblau-weiß-hellblau komplett: Noch nie waren drei Argentinier bei einem Grand Slam in der Runde der letzten Vier vertreten.
Henman verblüffte alle Experten
Gaudio spielt am Freitag gegen Nalbandian, im zweiten Halbfinale trifft "Sand-König" Coria überraschend auf "Rasen-Mann" Henman, dessen Siegeszug auf der roten Asche von Roland Garros alle Experten verblüffte. Der 29-jährige Brite, der schon viermal im Wimbledon-Halbfinale stand, bezwang den hoch eingeschätzten Argentinier Juan Ignacio Chela ohne Mühe mit 6:2, 6:4, 6:4 und schrieb damit ein Stück Tennis-Geschichte: Als erster Engländer seit Mike Sangster 1963 steht "Gentlemen Tim" im Halbfinale von Paris.
Gegen den Franzosen Michael Llodra musste Henman im Achtelfinale bei 4:5 im fünften Satz sogar einen Matchball abwehren, ehe er gerade noch 6:7, 4:6, 6:4, 6:3, 9:7 gewann, gegen den anerkannten Sand-Spezialisten Chela aber machte er alles richtig. Nach nur 110 Minuten verwandelte er den ersten Matchball auf dem rutschigen Court Suzanne Lenglen, die Siegesfeier fiel typisch britisch aus. Kein Jubel, kein Schrei - mehr als ein schelmisches Grinsen in Richtung seines Trainers Paul Annacone ließ sich Henman nicht entlocken.
Gegen Coria steht Henman allerdings vor einem Problem. Der 22-jährige Argentinier verlor in diesem Jahr auf Sand nur eines von 22 Spielen: Gegen den Schweizer Roger Federer im Finale von Hamburg. Zudem ließ Coria im Viertelfinale auch dem Spanier Carlos Moya, immerhin an Nummer fünf gesetzt und Paris-Sieger von 1998, nicht den Hauch einer Chance: 7:5, 7:6, 6:3 stand es nach 2:25 Stunden.
Dennoch machte sich Henman am Tag danach Mut. "Ich muss gegen ihn meine Stärken ausspielen, guter Aufschlag, guter Volley, dann ist auch er zu schlagen", sagte der 29-Jährige aus Oxford, der in Paris noch nie über die dritte Runde hinausgekommen war. Die Statistik allerdings spricht gegen den Briten. Nur das erste von bisher drei Spielen gegen Coria konnte Henman gewinnen.
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