Mauresmo gewinnt Finale von Rom gegen Capriati: ATP Hamburg: Federer entthront Coria
zuletzt aktualisiert: 16.05.2004 - 19:10Hamburg (rpo). Der Schweizer Roger Federer hat zum zweiten Mal das ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum gewonnen. Im Finale entthronte er den Vorjahressieger Guillermo Coria aus Argentinien.
An der Stätte seines internationalen Durchbruchs hat Roger Federer damit seine Stellung als bester Tennisspieler der Welt eindrucksvoll bestätigt. 2002 feierte der Schweizer am Hamburger Rothenbaum mit dem Sieg beim Masters-Turnier seinen ersten großen Triumph, zwei Grand-Slam-Titel später und als Nummer eins der Welt unterstrich er nun seine derzeitige Ausnahmestellung mit dem 4:6, 6: 4, 6:2, 6:3-Erfolg über Titelverteidiger Guillermo Coria aus Argentinien. Federer schwingt sich damit zum Topfavoriten für die French Open ab übernächster Woche in Paris auf.
Stolz
"Das ist ein Wahnsinn, wie ich im Moment spiele. Ich bin unheimlich stolz", sagte Federer bei der Siegerehrung: "Als ich vor vier Jahren das erste Mal nach Hamburg kam, habe ich gedacht, das wird nie was, jetzt habe ich hier schon zweimal gewonnen." Es war der dritte Masters-Titel der Karriere, bereits im März hatte er das Turnier in Indian Wells für sich entschieden. Dennoch wies der Australian-Open-Champion Gedanken an einen Erfolg in Paris oder gar einen möglichen Grand-Slam-Triumph in dieser Saison weit von sich: "Dafür ist es jetzt viel zu früh, ich denke nur von Turnier zu Turnier."
Bereits im Halbfinale hatte Federer bei seinem 6:0, 6:4-Erfolg über den Australier Lleyton Hewitt seine großartige Form bewiesen. Coria hatte sich mit mehr Mühe mit 3:6, 6:1, 6:4 gegen den Kroaten Ivan Ljubicic durchgesetzt. Federer kassierte für seinen vierten Turniersieg in diesem Jahr ein Preisgeld von 396.000 Euro. Coria musste sich mit 198.000 Euro zufrieden geben. Das Turnier war insgesamt mit 2.425.500 Euro dotiert.
Federer ungewohnt unsicher
Federer fand bei strahlendem Sonnenschein zunächst nur schwer in das Spiel. Dem 22 Jahre alten Schweizer unterliefen im ersten Satz zahlreiche Fehler. Coria war dagegen sofort im Match und nutzte sein Break gleich im ersten Spiel zum Satzgewinn. "Ich musste mich erst darauf einstellen, wie er spielt, hatte noch keinen Rhythmus", sagte der Champion zum ersten Satz: "Er hat nur auf meine Fehler gewartet, und die habe ich dann ja auch gemacht." Einmal erst, 1998 als Junioren, standen sich beide gegenüber, auch damals triumphierte der Schweizer, allerdings auf Hartplatz.
31 Spiele in Folge war Coria auf Sand ungeschlagen und wollte diese Serie fortsetzen. "Die Stimmung hier nimmt mir etwas die Traurigkeit", sagte der entthronte Champion bei der Siegerehrung, "aber Roger war zu gut, ich gratuliere ihm herzlich." Dabei sah der 22-Jährige auch im zweiten Satz lange Zeit besser aus. Selbst als Federer seinen ersten Breakball überhaupt im Match zur 2:0-Führung nutzte, konterte der Titelverteidiger sofort mit einem Rebreak. Dennoch wurde der Schweizer mit zunehmender Spieldauer immer sicherer und gewann den zweiten Durchgang 6:4.
Ab dem zweiten Satz souverän
Das Publikum, das mehrheitlich den Australian-Open-Champion unterstützte, bejubelte den Satzausgleich. Federer war nun richtig im Match und spielte ähnlich souverän wie in den Runden zuvor. Coria musste sich nach dem verlorenen zweiten Durchgang außerdem wegen einer schmerzhaften Blase an der Schlaghand behandeln lassen. Der zähe Südamerikaner, der vor vier Wochen im Endspiel von Monte Carlo Rainer Schüttler bezwungen hatte, kämpfte zwar auch im vierten Satz, hatte aber gegen den nun fast fehlerfrei spielenden Federer keine Chance mehr. Nach 2:22 Stunden nutzte er den ersten Matchball.
Mauresmo triumphiert in Rom
Eine Woche nach ihrem kampflosen Triumph bei den German Open in Berlin hat die Französin Amelie Mauresmo auch das WTA-Turnier in Rom gewonnen. Die an Nummer zwei gesetzt Mauresmo besiegte am Sonntag Barcelona-Olympiasiegerin Jennifer Capriati aus den USA in einem hart umkämpften Match 3:6, 6:3, 7:6 (8:6) und holte damit bei ihrem vierten Rom-Finale seit 2000 erstmals den Titel. Insgesamt feierte Mauresmo ihren zwölften Turniersieg.
Auch in Berlin hatte die Französin gegen Capriati im Halbfinale gewonnen. Den Titel erhielt sie danach aber kampflos, nachdem die frühere Wimbledonsiegerin Venus Williams aus den USA wegen einer Verletzung zum Endspiel nicht angetreten war. Gegen deren Schwester Serena war Capriati in der italienischen Hauptstadt ins Finale eingezogen, Mauresmo hatte sich im Halbfinale gegen die Russin Wera Swonarewa durchgesetzt.
Ob er seinen Titel allerdings 2005 noch verteidigen kann, ist offen. Rund 500.000 Euro beträgt das Minus in diesem Jahr, weil immer noch kein Hauptsponsor zu finden war. Bis Mitte Juni muss der Deutsche Tennis Bund (DTB) rund eine Million auftreiben, um der ATP eine Garantie für 2005 zu geben. Gespräche mit dem Senat der Stadt und möglichen Sponsoren laufen. Die Abstimmung der Hamburger war jedenfalls eindeutig: 106.000 Zuschauer strömten auf die Anlage. "Wir müssen dieses Turnier retten", sagte auch "Chairman" Boris Becker.
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