Damen- und Herren-Finale stehen fest: Australian Open: Agassi stürzt vom Thron
zuletzt aktualisiert: 29.01.2004 - 15:02Melbourne (rpo). Seine Frau Steffi Graf hatte feuchte Augen, Andre Agassi ging mit einem gequälten Lächeln zum Netz: Gerade hatte er gegen Marat Safin knapp den Einzug ins Australian Open-Finale verpasst. Bei den Damen vielen die Entscheidungen fürs Finale dagegen etwas weniger mühevoll.
Agassi gratulierte seinem erschöpften Bezwinger Marat Safin und verabschiedete sich mit Handküssen von Melbourne - vielleicht für immer. Ehefrau Steffi Graf hatte auf der Tribüne feuchte Augen, als ihr Gatte nach 26 Siegen in Folge bei den Australian Open vom Thron gestürzt wurde. Nur zwei Tage nach seinem Fünfsatzerfolg gegen den Weltranglistenersten Andy Roddick (USA) kämpfte der wiedererstarkte Russe Safin als Nummer 86 der Welt auch den Titelverteidiger 7:6 (8: 6), 7:6 (8:6), 5:7, 1:6, 6:3 nieder. Bei den Frauen kommt es am Samstag zum dritten belgischen Grand-Slam-Finale zwischen Justine Henin-Hardenne und Kim Clijsters.
"Das Publikum war grandios zu mir über die Jahre, und man weiß nie, wann es das letzte Mal ist. Also willst du dich vernünftig verabschieden", sagte Andre Agassi und winkte den 15.000 jubelnden Zuschauern in der Rod-Laver-Arena zu. Das klang fast schon wie eine kleine Abschiedserklärung, auch wenn der 33 Jahre alte US-Amerikaner betonte, dass er trotz aller Gerüchte derzeit keine Pläne für einen Rücktritt habe: "Aber ein Jahr ist sehr lang." Viermal hatte er den Titel bei den Australian Open gewonnen, seit der Pleite 1999 gegen Vince Spadea in fünf Jahren kein einziges Spiel dort verloren, ehe einer kam, der ihn in einem schier unglaublichen Tennisspiel auf höchstem Niveau nach 3:42 Stunden bezwang.
"Marat hat unglaublich gespielt"
"Marat hat unglaublich gespielt. Ich hatte meine Chance, aber er hat bei den wichtigen Punkten alles richtig gemacht", erklärte Agassi. Einen 0:2-Satzrückstand holte der Routinier gegen den US-Open-Sieger von 2000 auf, obwohl er in beiden Durchgängen jeweils Satzbälle vergeben hatte. Doch Safin rannte wie um sein Leben, schlug 33 Asse, schaffte im fünften Satz das vorentscheidende Break zum 3:1 und verwandelte mit einer krachenden Rückhand seinen ersten Matchball.
"Ich wundere mich, dass ich überhaupt noch stehen kann. Das war definitiv eines der besten Spiele meines Lebens, aber jetzt mache ich erstmal einen Tag komplett frei. Vielleicht gehe ich in den Zoo", erklärte Safin und erschien zur Pressekonferenz mit einem T-Shirt mit der Aufschrift Da ("Ja").
Safin trifft im Finale auf Thomas Johansson
In seinem zweiten Melbourne-Finale nach 2002 - damals verlor er gegen den Schweden Thomas Johansson - trifft Safin auf den Sieger des Duells zwischen Wimbledonsieger Roger Federer (Schweiz) und French-Open-Gewinner Juan Carlos Ferrero (Spanien). Beide spielten am Freitagnacht (MEZ) in ihrem Halbfinale auch die vakante Nummer 1 der Welt aus. Safin: "Egal, gegen wen ich spiele, ich will dieses Turnier gewinnen."
Wegen einer Handgelenksverletzung hatte er 2003 bei den Australian Open gegen den späteren Finalisten Rainer Schüttler aufgeben müssen und danach kein weiteres Grand-Slam-Turnier bestreiten können. Stattdessen campte er im Yosemite-Nationalpark, ging fischen, dachte über den Sinn des Lebens nach und begann das Tennis zu vermissen. Der launische Mann mit einer Vorliebe für schöne Frauen kehrte so stark zurück wie noch nie.
Justin Henin-Hardenne trifft im Finale auf Kim Clijsters
Mit wesentlich weniger Aufwand als Safin hatten sich zuvor die im Turnier ohne Satzverlust gebliebenen Powerfrauen in das dritte rein belgische Grand-Slam-Finale gespielt. Die topgesetzte Justine Henin-Hardenne stoppte den Siegeszug der Kolumbianerin Fabiola Zuluaga mit 6:2, 6:2. Kim Clijsters, Nummer 2 der Welt, hatte anschließend gegen die in ihrem ersten Grand-Slam-Halbfinale gescheiterte Schweizerin Patty Schnyder beim 6:2, 7:6 (7.2) etwas mehr Mühe. Im zweiten Satz holte Clijsters einen 3:5-Rückstand auf und das trotz schlimmer Schmerzen in ihrem wegen einer Knochenabsplitterung lädierten Knöchel.
"Ich habe gesagt: Denke nicht an die Schmerzen, denke an den Ball. Die Ärzte haben mir erzählt, dass es nicht schlimmer werden kann", meinte Clijsters. Nach dem Turnier muss sie vielleicht operiert werden, zuvor will sie in ihrem vierten großen Finale endlich den ersten Grand-Slam-Titel gewinnen. Und dabei wird wahrscheinlich eine ganze Nation hinter ihr stehen, weil sie mit Local Hero Lleyton Hewitt verlobt ist: "Aller guten Dinge sind drei. Ich habe aus den Niederlagen gelernt."
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