Dreisatzsieg gegen Franzosen: Australian Open: Kohlschreiber im Achtelfinale
zuletzt aktualisiert: 22.01.2005 - 11:00Melbourne (rpo). Tennisprofi Philipp Kohlschreiber hat den Australian Open in Melbourne den größten Erfolg seiner Karriere geschafft: Der 21-Jährige hat das Achtelfinale erreicht. Er schlug den Franzosen Lisnard in drei Sätzen.
Philipp Kohlschreiber reckte jubelnd die Arme in den australischen Himmel, verabschiedete sich mit ein paar Verbeugungen von Nebenplatz drei und blickte dann mit viel Selbstvertrauen seinem ersten Auftritt auf der ganz großen Tennisbühne entgegen. Mit einem 7:5, 6:3, 6:2-Erfolg über den Franzosen Jean-Rene Lisnard erreichte der 21 Jahre alte Bamberger das Achtelfinale bei den Australian Open und spielt nun am Montag gegen US-Star Andy Roddick. "Das wird ein offenes Match. Wir sind beide gute Spieler, und der Bessere wird gewinnen. Roddick ist absolut machbar", verkündete Kohlschreiber.
Der Melbourne-Traum der letzten deutschen Hoffnung geht also weiter, und der frühere Weltranglistenerste Roddick soll nicht die Endstation sein. Nur vor der Kulisse in der knapp 16.000 Zuschauer fassenden Rod Laver Arena, wo Publikumsliebling Roddick bisher immer auftrat und nun auch Kohlschreiber zu spielen hofft, hat er ein bisschen Respekt.
Lob von Kühnen
"Wenn ich kurz vor dem Match in den Fernseher schaue und die ganzen Menschen sehe, werde ich wahrscheinlich schon sagen: Wow. Aber nervös werde ich bestimmt nur am Anfang sein", meint er und betont noch einmal seine Möglichkeiten gegen den US-Open-Champion von 2003: "Wir sind beide im Achtelfinale. Da ist es klar, dass wir beide gute Leistungen gebracht haben. Ich muss mich nicht kleiner machen, als ich bin."
Der Meinung war auch Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen. "Philipp hat seine Chancen bisher bravourös genutzt. Er hat gemerkt, dass er nicht nur mitspielen kann. Da hat sich etwas für ihn aufgetan, und man weiß nie, was passiert", sagte der frühere Doppelspezialist und erinnerte an den deutschen Newcomer 2004: "Auch der Aufstieg von Florian Mayer hat hier im vergangenen Jahr begonnen."
Klug gespielt
Kohlschreiber ließ an seinem Sieg im ersten Duell mit Lisnard von Beginn an keine Zweifel. Der gebürtige Augsburger überzeugte mit klugem Grundlinienspiel und ließ den bissigen Franzosen, der bereits die Qualifikation sowie zwei Fünfsatz-Matches in den Beinen hatte, viel laufen. Beim Stand von 6:5 schaffte Kohlschreiber das erste Break. Sechs weitere Aufschlagspiele nahm er seinem Gegner, ab und nach insgesamt zweineinhalb stunden stand der verdiente Einzug in die Runde der letzten 16 fest.
"Ich bin sehr zufrieden, dass es so klar ausging. Da habe ich viele Kräfte geschont", sagte Kohlschreiber. Das bisher einzige Duell gegen Roddick verlor er 2003 auf Sand in St. Pölten 3:6, 4:6. "Da war ich das ganze Match über nervös, schließlich war es meine erste Partie gegen einen Top-Ten-Spieler. Aber jetzt habe ich keine Angst mehr vor großen Namen", erzählt Kohlschreiber.
Roddick hat den Bamberger als aggressiven Grundlinienspieler in Erinnerung. "Er ist nicht sehr groß, aber er hat tolle Schläge drauf. Und manchmal scheint er nicht ganz bei der Sache zu sein. Mein Ziel ist es, gut zu spielen", meinte der US-Amerikaner, der beim 6:2, 6:2, 7:5 gegen den Österreicher Jürgen Melzer in der dritten Runde ebenfalls keinen Kraftakt vollbringen musste. 2003 verlor Roddick im Halbfinale von Melbourne übrigens gegen einen deutschen Überraschungsmann: "Aber ich weiß nicht, was Kohlschreiber mit Rainer Schüttler zu tun hat - außer der Tatsache, dass sie beide aus Deutschland kommen."
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