Schnyder sorgt für historischen Erfolg: Australian Open: Showdown um die Weltspitze
zuletzt aktualisiert: 28.01.2004 - 13:55Melbourne (rpo). Der Zauberer gegen den Arbeiter: Im Halbfinale der Australian Open erleben die Zuschauer einen Showdown um die Nummer 1 der Welt: Roger Federer will durch einen Sieg im großen Duell gegen Juan Carlos Ferrero (Spanien) als erster Schweizer den Tennisthron besteigen.
Wimbledonsieger Federer machte mit dem 7:5, 6:4, 5:7, 6:3 gegen den Argentinier David Nalbandian den vorletzten Schritt, um als erster Schweizer die vakante Spitze der Tennis-Weltrangliste zu erklimmen. Seine frisch verheiratete Landsfrau Patty Schnyder hatte zuvor erstmals das Halbfinale eines Grand-Slam-Turniers erreicht. Die Alpenrepublik ist damit erstmals in beiden Halbfinals bei einem der vier großen Tennisevents vertreten.
"Ich jage die Nummer 1, das ist ein wichtiger Moment in meiner Karriere, und natürlich wäre ich stolz, ganz oben zu stehen. Ich bin bereit für das große Duell gegen Ferrero," erklärte Federer, dessen Vorbild Boris Becker ist. Siegt er am Freitag im Halbfinale gegen den Spanier, wird er nach den Australian Open in jedem Fall die Nummer 1 von dem überraschend im Viertelfinale gescheiterten Andy Roddick (USA) übernehmen.
Verliert Federer sein nächstes Spiel, wird er nur im Falle einer Final-Pleite von Ferrero nach ganz oben aufsteigen. Verdient hat er die begehrte Topposition längst, denn auch gegen Nalbandian zeigte der Schweizer mit spielerischer Leichtigkeit Zaubertennis vom Volleystopp bis zum Lob und drehte im richtigen Moment auf.
Vier Asse in Folge
Beim Stand von 5:5 im ersten Satz antwortete er mit vier Assen in Folge auf die Breakchancen des Gegners, wenig später hatte er dem Grundlinienexperten Nalbandian den ersten Satz im ganzen Turnier abgenommen: "Das war der Schlüssel für den Erfolg." Nur im dritten Satz verlor er kurz die Konzentration, nach 2:41 Stunden stand Federers zweiter Sieg im siebten Duell fest und die bislang einzige Schweizer Grand-Slam-Siegerin Martina Hingis klatschte in der Spielerbox brav Beifall. Es begann erst in Strömen zu regnen, als der kaum verschwitzte Schweizer in den Kabinen verschwand.
Mit harter Arbeit hatte Ferrero zuvor Hicham Arazi mit 6:1, 7: 6 (8:6), 7:6 (7:5) bezwungen und dabei im Tiebreak des zweiten Durchgangs drei Satzbälle in Folge abgewehrt. Acht Wochen war der superkonstante Grundlinienspieler im Jahr 2003 nach den US Open schon einmal die Nummer 1, aber er will erneut nach ganz oben: "Ich bin sehr motiviert, wieder ganz nach oben zu kommen. Aber Roger hat sehr viel Talent, er kann einfach jeden Ball spielen. Das wird extrem schwer."
Patty Schnyder will trotzdem unbedingt aus dem Schatten ihres Landsmanns treten. "Ich kämpfe für das Frauentennis in der Schweiz und ich kämpfe für die Frauen in der Schweiz." 7:6 (7:2), 6:3 gewann die 25-Jährige gegen Williams-Bezwingerin Lisa Raymond (USA) und feierte den größten Erfolg ihrer Karriere. Liebe macht stark, erst im Dezember hatte Schnyder ihren einstigen Bodyguard geheiratet: "Ich bin sehr glücklich mit meinem Ehemann. Wir können einfach über alles sprechen und Tennis macht mir richtig Spaß."
Gegen Clijsters
Deshalb sieht sie ihre wundersame Siegesserie in Melbourne noch längst nicht als beendet an: "Wenn man unter den besten vier ist, dann will man auch das Turnier gewinnen." Im Halbfinale trifft sie auf Kim Clijsters, die Nummer zwei der Welt. Die Belgierin gewann ihr Viertelfinale gegen die Russin Anastasia Miskina 6:2, 7: 6 (11:9), aber nur nach Abwehr von vier Satzbällen und mit Schmerzen im erneut umgeknickten rechten Knöchel.
Als Verlobte von Lleyton Hewitt, der als letzter Spieler des Gastgebers ausgeschieden war, trägt sie die Hoffnungen auf einen "halben" Heimsieg für Australien: "Ich will Belgien und Australien mit meinem ersten Grand-Slam-Sieg glücklich machen."
Tennis, 92. Australian Open in Melbourne (11,4 Millionen Euro),
10. Spieltag:
Herreneinzel, Viertelfinale:
Roger Federer (Schweiz/Nr. 2) -
David Nalbandian (Argentinien/Nr. 8) 7:5, 6:4, 5:7, 6:3,
Juan Carlos Ferrero (Spanien/Nr. 3) -
Hicham Arazi (Marokko) 6:1, 7:6 (8: 6), 7:6 (7:5)
Marat Safin (Russland) -
Andy Roddick (USA/Nr. 1) 2:6, 6:3, 7:5, 6: 7 (0:7),6:4
Andre Agassi (USA/Nr. 4) -
Sebastien Grosjean (Frankreich) 6:2, 2:0 (Aufgabe Grosjean)
Damit im Halbfinale:
Andre Agassi (USA/Nr. 4/TV) -
Marat Safin (Russland)
Juan Carlos Ferrero (Spanien/Nr. 3) -
Roger Federer (Schweiz/Nr. 2)
Herrendoppel, Viertelfinale:
Bob Bryan/Mike Bryan (USA/Nr. 1) -
Andre Sa/Flavio Saretta (Brasilien) 6:2, 6:1
Dameneinzel, Viertelfinale:
Kim Clijsters (Belgien/Nr. 2) -
Anastasia Miskina (Russland/Nr. 6) 6:2, 7:6 (11:9),
Patty Schnyder (Schweiz/Nr. 22) -
Lisa Raymond (USA/Nr. 25) 7:6 (7:2), 6:3
Damit im Halbfinale:
Justine Henin-Hardenne (Belgien/Nr. 1) -
Fabiola Zuluaga (Kolumbien/Nr. 32),
Kim Clijsters (Belgien/Nr. 2) -
Patty Schnyder (Schweiz/Nr. 22)
Damendoppel, Halbfinale:
Virginia Ruano Pascual/Paola Suarez (Spanien/Argentinien/Nr. 1) -
Liezel Huber/Ai Sugiyama (Südafrika/Japan) 6:4, 7:6 (7:5),
Swetlana Kusnetsowa/Jelena Lichowtsewa (Russland/Nr. 4) -
Maret Ani/Libuse Prusova (Estland/Tschechien) 6:2, 6:4
Mixed, Viertelfinale:
Jonathan Erlich/Liezel Huber (Israel/Südafrika) -
Mark Knowles/Virginia Ruano Pascual (Bahamas/Spanien/Nr. 1) 6:7 (6:8), 6:3, 7:6 (10:5),
Leander Paes/Martina Navratilova (Indien/USA) -
Paul Hanley/Trudi Musgrave (Australien) 6:3, 3:6, 7:6 (10:7)
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