Schweizer ist auch neue Nummer eins der Weltrangliste: Australian Open: "Zauberer" Federer im Finale
zuletzt aktualisiert: 30.01.2004 - 13:53Melbourne (rpo). Die Tenniswelt hat eine neue Nummer eins: Nach seinem Einzug ins Finale bei den Australian Open in Melbourne hat der Schweizer Roger Federer den Tennisthron erklommen. Im Endspiel am Sonntag trifft der Wimbledonsieger auf den Russen Marat Safin.
"Zauberer" Federer fiel fast demütig auf die Knie, als er ganz oben in der Tenniswelt angekommen war. 15.000 Zuschauer in der Rod-Laver-Arena von Melbourne bejubelten stehend die neue Nummer 1 der Welt, die den Showdown um die Top-Position leicht und locker mit 6:4, 6:1, 6:4 gegen den Spanier Juan Carlos Ferrero gewonnen hatte.
Im Finale der Australian Open am Sonntag wird der Wimbledonsieger vom Russen Marat Safin herausgefordert, der nach den Erfolgen gegen den bisherigen Weltranglistenersten Andy Roddick und Titelverteidiger Andre Agassi (beide USA) den nächsten Champion entthronen will.
"Du wirst nur einmal im Leben das erste Mal Nummer 1, ich bin unglaublich stolz und befriedigt. Ich liebe es", sagte Federer, der als erster Schweizer das Ranking anführt: "Der Wimbledonsieg war für mich eine Sensation, aber durch diese neue Position fühle ich mich richtig stark."
In einem der wichtigsten Spiele seiner Karriere musste der 22-Jährige nur zu Beginn einmal zittern, als er beim Stand von 3:3 vier Breakbälle der ehemaligen Nummer 1 souverän abwehrte. Danach erhöhte Federer mühelos das Tempo, rückte häufiger ans Netz vor und jagte den mit einer Leistenzerrung angeschlagenen Grundlinienarbeiter Ferrero von einer Ecke in die andere.
Als der Spanier ("Ich hatte die ganze Zeit Schmerzen") nach 89 Minuten den zweiten Matchball von Federer ins Aus spielte, hielt der wieder mal kaum verschwitzte Mann mit dem Zopf einen Moment inne, ehe er jubelnd die Arme nach oben riss: "Ich habe ein Pokerface, aber am Ende war ich unglaublich nervös. In der Schweiz beginnen sie jetzt, richtig wild zu werden. Erst Alinghi, dann Fußball, und jetzt bin ich die Nummer 1."
Sein Vorbild Boris Becker hatte 1991 auch in Australien den Thron bestiegen. Als 23. Spieler der Tennisgeschichte steht der Schweizer ab Montag ganz oben, aber die Tenniswelt ist sich einig, dass es noch keinen wie Roger Federer gegeben hat. Seine einhändige Rückhand, die Leichtigkeit des Spiel und das Ballgefühl sind wohl einmalig.
"Er ist das größte Talent, das ich jemals gesehen habe. Er kann einfach jeden Ball spielen und das Tennis Jahre dominieren", erklärt kein Geringerer als der große John McEnroe. Auch Martina Hingis, die es einst als erste Schweizerin zur Nummer 1 brachte, outete sich auf der Tribüne von Melbourne als bekennender Federer-Fan. Nicht mal einen Trainer hat der zum Spieler des Jahres 2003 gewählte Mann aus Oberwil seit der Trennung von Peter Lundgren. Auch die Geschäfte des Multi-Millionärs werden nicht von einer großen Firma, sondern Freundin Mirka gemanagt.
Nach seinem Aufstieg geht Federer ganz locker in das zweite Grand-Slam-Finale seiner Karriere um 720.000 Euro Siegprämie. Gegen den ehemaligen Weltranglistenersten Safin hat er drei der bislang vier Duelle gewonnen, aber das letzte verloren: "Großer Typ, großes Spiel, großer Spieler. Aber ich bin jetzt die Nummer 1, jetzt will ich mir den nächsten Traum erfüllen."
Safin bezeichnet den Schweizer auch als "großes Talent", der US-Open-Sieger von 2000 und Melbourne-Finalist von 2002 hat aber keinerlei Angst vor Federer: "Ich bin ein anderer Mensch geworden und hierhergekommen, um dieses Turnier zu gewinnen. Das eine Spiel schaffe ich auch noch." 19 Stunden hat er für seine sechs Siege benötigt, Federer nur elf. Dafür nutzte der Russe seinen zusätzlichen Ruhetag nach dem spektakulären Fünfsatzsieg gegen Agassi zum Schlafen.
Die Argentinierin Paola Suarez und Virginia Ruano Pascual aus Spanien haben derweil ihren fünften Grand-Slam-Titel im Doppel schon gewonnen. Die topgesetzten Finalisten des Vorjahres siegten im ersten Finale von Melbourne 6:4, 6:2 gegen die Russinnen Swetlana Kusnetzowa/Elena Lichowtsewa. Als Preisgeld strichen die Siegerinnen zusammen etwa 270.000 Euro ein.
Statistik:
92. Australian Open in Melbourne (11,4 Millionen Euro), 12. Spieltag:
Herreneinzel, Halbfinale: Roger Federer (Schweiz/Nr. 2) - Juan Carlos Ferrero (Spanien/Nr. 3) 6:4, 6:1, 6:4
Damit im Finale: Roger Federer - Marat Safin (Russland)
Damendoppel, Finale: Virginia Ruano Pascual - Paola Suarez (Spanien/Argentinien/Nr. 1) - Swetlana Kusnetsowa/Jelena Lichowtsewa (Russland/Nr. 4) 6:4, 6:3
Mixed, Halbfinale: Leander Paes/Martina Navratilova (Indien/USA/Nr. 4) - Jonathan Erlich/Liezel Hober (Israel/Südafrika) 6:4, 6:4, Nenad Zimonjic/Jelena Bowina (Serbien und Montenegro/Russland) - Martin Rodriguez/Rita Grande (Argentinien/Italien) 6:3, 7:6 (8:6)
Damit im Finale: Leander Paes/Martina Navratilova - Nenad Zimonjic/Jelena Bowina
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