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Tennis / US Open: B. Becker schickt weinenden Agassi in Rente

zuletzt aktualisiert: 04.09.2006 - 12:06

New York (rpo). Benjamin Becker hat das Achtelfinale der US Open erreicht und trotzdem kam selbst in Deutschland nur gedämpfte Freude über den Erfolg des Saarländers auf. Der Tennis-Nobody schickte den von seinen Gefühlen überwältigten Andre Agassi nach einem packenden Vier-Satz-Krimi in Rente.

Die Tränen liefen Agassi nur so über das Gesicht und als dieser den 23.000 Zuschauern im größten Tennisstadion der Welt ein letzes Mal "Goodbye" sagen wollte, versagte ihm die Stimme. Völlig überwältigt vom Moment und dem nicht enden wollenden Applaus brachte er zunächst nur ein "Danke" hervor. Erst als er sich nochmal gesammelt hatte, konnte sich der Superstar mit bewegenden Worten vom Publikum bei seinen 21. und letzten US Open verabschieden.

"Auf der Anzeigetafel steht, dass ich heute verloren habe. Aber sie sagt nicht, was ich gefunden habe", meinte Agassi: "Ihr habt mir eine Schulter geboten, an die ich mich anlehnen konnte, um meine Träume zu verwirklichen. Ihr ward eine Inspiration." Er werde die Erinnerung an all seine Fans für den Rest seines Lebens in sich tragen, fuhr Agassi fort - und schon wieder brach Jubel aus.

Auch Becker kämpft mit Tränen

Wenige Meter weiter stand sein Bezwinger Benjamin Becker, der Agassis Karriere mit einem 7:5, 6:7 (4:7), 6:4, 7:5 und einem Ass um 14.29 Uhr Ortszeit besiegelt hatte, klatschte Beifall und hatte ebenfalls Tränen in den Augen. "Ich wünsche Dir das Beste für die Zukunft. Danke, Andre," rief er seinem Jugendidol zu.

Schon am Montag durfte Becker, der gar nicht so recht wusste, ob er sich über den großen Coup eigentlich richtig freuen sollte, gegen Ex-Champion Andy Roddick (USA) wieder auf den Platz. Ob der achtmalige Grand-Slam-Sieger Agassi dann noch in New York sein würde, konnte er wenige Minuten nach dem Match noch nicht sagen.

Mit geröteten Augen saß er in der Pressekonferenz, und die Journalisten und Fotografen drängelten sich in den Katakomben des Arthur-Ashe-Stadiums. "Ich weiß nicht, was ich als erstes mache. Aber interessiert das noch jemanden?" fragte er mit einem Lächeln.

Seit 1986 keine US Open verpasst

Er freue sich darauf, jetzt Dinge tun zu können, ohne dabei ständig nur an seine Tenniskarriere denken zu müssen. Auch seine chronischen Rückenschmerzen spielten erstmal keine Rolle mehr für Agassi, der seit seinem ersten Grand-Slam-Auftritt überhaupt 1986 in New York kein einziges Mal die US Open verpasst hat.

2006 konnte er bis zu seinem Lieblingsgturnier aber wegen der Rückenbeschwerden nur 15 Matches spielen, auch gegen Becker waren ihm die Schmerzen deutlich anzusehen. "Nach meinem Zweitrundesieg hier ging es mir so schlecht wie nie. Es war ein Kampf von Tag zu Tag - und ein Zeichen. Aber das spielt jetzt alles keine Rolle mehr", meinte der Olympiasieger von 1996.

Eine sehr gewichtige Rolle wird auch in Zukunft seine Stiftung spielen. Längst ist aus dem einstigen Paradiesvogel, der sich um nichts als sich selber kümmerte, ein Familienmensch geworden, der sich seiner Verantwortung bewusst ist. Die "Andre Agassi Charitable Foundation" sammelte allein im vergangenen Jahr 10 Millionen Dollar ein, die hauptsächlich unterprivilegierten Kindern zugute kommen.

Der neue Star am Tennis-Himmel: Das ist Benjamin Becker

Als Agassi am Sonntag nach seinem letzten Match in die Umkleidekabine kam, standen sogar die anderen Spieler auf und applaudierten. "Das war noch einmal das ultimative Kompliment für mich", meinte Agassi. Auch Branchenprimus Roger Federer lobte Agassi: "Er hat viele Spieler der heutigen Generation inspiriert. Und nicht nur mit seinen Erfolgen, auch das Engagement in seiner Stiftung ist eine Inspiration."

Was er kurz nach dem Match mit Ehefrau Steffi Graf besprochen hatte, mochte Agassi nicht verraten. Allerdings hatte der zweifache Vater noch ein anderes ernstes Gespräch vor sich. Er müsse jetzt erstmals seinem Sohn Jaden Gil erklären, warum sein Dad so sehr geweint habe, sagte Agassi.

Doch wer genau ist eigentlich der Agassi-Bezwinger, der im Achtelfinale auf den US-Amerikaner Andy Roddick trifft? Wir stellen Ihnen den Saarländer in unserer Fotostrecke "Der neue Star am Tennis-Himmel: Das ist Benjamin Becker" genauer vor.


Ergebnisse:

Tennis, 126. US Open in New York (18,5 Millionen Dollar):

Herren, 2. Runde:
Marat Safin (Russland) - David Nalbandian (Argentinien/Nr. 4) 6:3, 7:5, 2:6, 3:6, 7:6 (8:6)
Olivier Rochus (Belgien) - Ryan Sweeting (USA) 6:2, 3:6, 4:6, 6:4, 6:0

3. Runde:
Benjamin Becker (Orscholz) - Andre Agassi (USA) 7:5, 6:7 (4:7), 6:4, 7:5
Tommy Robredo (Spanien/Nr. 6) - Stanislas Wawrinka (Schweiz) 6:3, 6:4, 6:2
Michail Juschni (Russland) - David Ferrer (Spanien/Nr. 11) 4:6, 6:4, 7:5, 6:4
Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 15) - Novak Djokovic (Serbien/Nr. 20) 6:3, 6:1

Quelle: sid

 
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