Minimalziel des Korbachers erreicht: Becker: Schüttler kann Wimbledon gewinnen
zuletzt aktualisiert: 29.06.2003 - 11:46London (rpo). Rainer Schüttler rückt in den Status eines Geheimfavoriten für den Wimbledonsieg 2003 auf. Zumindest nach Auffassung von Tennis-Legende Boris Becker, der mit dieser Meinung allerdings nicht allein dasteht.
Rainer Schüttler und Alexander Popp haben "das deutsche Herren-Tennis wach geküsst". Das jedenfalls glaubt Boris Becker. "Die All England Championships könnten zum Jungbrunnen werden", sagte der 35-Jährige am Sonntag der dpa und dachte dabei so optimistisch wie lange nicht mehr an die zweite Turnierwoche, die erstmals seit 2000 wieder zwei deutsche Profis erleben. Damals schafften Popp und David Prinosil den Einzug in die vierte Runde des noch immer bedeutendsten Tennis-Turniers der Welt.
Für Australian-Open-Finalist Schüttler ist es das erste Mal. "Mein Minimalziel habe ich erreicht", sagte der Korbacher, der an diesem Montag (ca. 15.00 Uhr MESZ) auf Sjeng Schalken treffen wird. "Das ist eine schwere Aufgabe", sagt der 27-Jährige. Zumal der Niederländer im Vorfeld von Wimbledon in s'Hertogenbosch gewonnen hat. Aber Schüttler weiß auch: "Man wächst an seinen Aufgaben."
Schüttler will mehr
"Es gibt keinen Spieler mehr im Feld, der Rainer vom Platz fegen kann", sagte Becker nach dem hart erkämpften Fünfsatzsieg gegen Todd Martin aus den USA. Für Schalken gilt das auch, was der Hesse im Vorjahr auf dem Hartplatz in Scottsdale bewiesen hat, nachdem er 2000 im Daviscup gegen den Niederländer noch glatt den Kürzeren gezogen hatte. Zum ersten Mal steht er im Achtelfinale an der Church Road, und nun will er noch viel mehr, was ihm Becker auch zutraut.
"Wenn er sich in jedem Match steigert, kann er Wimbledon sogar gewinnen", sagte die Tennis-Ikone, die 1985, 1986 und 1989 siegte. "Ich sehe hier keine unmöglichen Gegner mehr. Außer vielleicht einen Andre Agassi in Topform." Aber auf den kann Schüttler wie in Melbourne frühestens im Finale treffen.
Auch für Popp wird der Auftakt zur zweiten Wimbledon-Woche nicht leicht. "Phasenweise habe ich perfekt gespielt, so kann es weiter gehen", sagte der 2,01 Meter große Mannheimer am Samstag nach seinem in 94 Minuten errungenen 6:3, 6:4, 7:6 (7:3)-Erfolg gegen den an Nummer elf gesetzten Tschechen Jiri Novak. Nun geht es am Montag (13.00 Uhr MESZ) gegen den 36 Zentimeter kleineren Belgier Olivier Rochus. "Er wird häufig unterschätzt, weil er so klein ist."
Popp rückte nach neun Monaten Verletzungspause urplötzlich wieder ins Rampenlicht. "Kapitän Patrik Kühnen muss ihn jetzt sofort für den Daviscup nominieren, damit er nicht für England spielen kann", forderte Becker. Popps Mutter Jennifer stammt aus Großbritannien. "Aber ich werde nie für England spielen", sagte der 26-Jährige, der wie Schüttler schon 58 360 Euro Preisgeld sicher hat. Sein Hotelzimmer, das nur bis Sonntag gebucht war, verlängerte Popp mit Vergnügen.
Agassi und Roddick topgesetzt
Als Topfavoriten der 117. All England Championships gelten die beiden Deutschen freilich nicht. Die heißen nach dem Aus von Titelverteidiger Lleyton Hewitt in Runde eins: Andre Agassi, der es am Montag mit dem Australier Mark Philippoussis zu tun bekommt, und Andy Roddick (beide USA). Roger Federer aus der Schweiz trifft auf den Spanier Feliciano Lopez, der im Vorjahr Schüttler ausschaltete. Außerdem Tim Henman. Der Lokalmatador, der seit Jahren vergeblich versucht, erster britischer Wimbledonsieger seit Fred Perry 1936 zu werden, bekommt es mit Vorjahres-Finalist David Nalbandian aus Argentinien zu tun.
Im Feld der besten 16 Spielerinnen, das auch French-Open-Siegerin Justine Henin-Hardenne und ihre Finalgegnerin Kim Clijsters (beide Belgien) erreichten, stehen fünf Russinnen. Für den Sieg kommen sie nach Meinung von Nick Bollettieri aber nicht in Frage. "Ich erwarte Venus und Serena Williams im Endspiel", meinte der Tennis-Guru und tippte: "Für mich wird Venus gewinnen." Und dann ihre Karriere beenden - wenn es nach dem Willen ihres Vaters Richard geht, der dem Boulevardblatt "Sun" anvertraute: "Das werde ich ihr raten."
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