Schwimm-EM: Biedermann siegt am Bosporus
zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 16:53Istanbul (RPO). Paul Biedermann grinste kurz und schüttelte seinen Widersachern die Hand: Ohne große Emotionen hat der Doppel-Weltmeister seine erfolgreiche Titelverteidigung im 400-m-Freistilrennen bei der Kurzbahn-EM in Istanbul als Pflichtsieg abgehakt. Der 23 Jahre alte Top-Favorit holte in 3:34, 55 Minuten Gold und blieb dabei deutlich über seinem vor einem Monat beim Weltcup in Berlin aufgestellten Weltrekord (3:32,77).
"Titel verteidigt, Gold gewonnen - das war das Ziel", lautete das knappe Fazit von Biedermann, der den Russen Nikita Lobinzew (3:35,75) und den Dänen Mads Glaesner (3:36,82) auf die Plätze verwies. Der Magdeburger Christian Kubusch (3:41,68) landete auf dem zehnten Platz. "Die Zeit ist okay. Ich wusste, dass ich hier keinen Weltrekord schwimmen kann", sagte Biedermann.
Im Sog des Hallensers fischten andere Athleten des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) am ersten Wettkampftag drei weitere Medaillen aus dem Becken. Die 50-m-Lagenstaffel der Männer überzeugte mit Silber sowie zwei deutschen Rekorden. ´
Das DSV-Quartett mit Thomas Rupprath (Würzburg), Hendrik Feldwehr (Essen), Johannes Dietrich (Wiesbaden) und Schlussschwimmer Stefan Herbst (Leipzig) schlug im Finale nach 1:32,02 Minuten an und war damit noch einmal um sieben Zehntelsekunden schneller als im Vorlauf.
Die siegreiche russische Staffel verbesserte bei ihrem Weltrekord in 1:31,80 Minuten ihre im Vorlauf aufgestellte Bestzeit (1:32,08) ein weiteres Mal. Als Startschwimmer entriss Stanislaw Donez in 22,86 Sekunden Rupprath den Europarekord über 50 m Rücken.
Franziska Hentke überraschte mit Bronze über 200 m Schmetterling in 2:04,88 Minuten. Im Vorlauf war die 20-Jährige aus Halle/Saale sogar um 27 Hundertstel schneller gewesen und hatte den neun Jahre alten Rekord von Annika Mehlhorn gebrochen. Den EM-Sieg sicherte sich die Französin Aurore Mongel (2:03,22).
Europarekordlerin Janne Schäfer holte über 50 m Brust in 29,92 beim Triumph der Niederländerin Moniek Nijhuis (29,68) ebenfalls Bronze. Dorothea Brandt aus Berlin wurde Sechste (30,19).
Für einen Weltrekord sorgte zudem die Ungarin Evelyn Verraszto bei ihrem Sieg über 200 m Lagen in 2:04,64 Minuten. Theresa Michalak (Halle/Saale) wurde in diesem Rennen Achte (2:08,20). Felix Wolf (Potsdam) belegte über 200 m Rücken den siebten Rang (1:51,59).
Europarekorde gelangen dem Ungar Daniel Gyurta im Vorlauf und im Halbfinale über 100 (56,72 und 56,89) und dem Österreicher Markus Rogan bei seinem Sieg über 200 m Lagen (1:51,72).
Die EM in Istanbul ist für viele Athleten die letzte Möglichkeit, sich mit High-Tech-Anzügen in die Rekordbücher zu schreiben. Der Weltverband FINA erlaubt ab dem 1. Januar 2010 nur noch Badehosen und Badeanzüge aus Textil, in denen die Schwimmer deutlich langsamer unterwegs sein werden.
Am Sonntag greift Biedermann, der bei der Wahl zum "Sportler des Jahres" am 20. Dezember in Baden-Baden beste Siegchancen hat, im Rennen über die halbe Distanz nach seinem zweiten Gold. Dort hält der Praktikant der Stadtwerke Halle ebenfalls den Weltrekord (1:39,37), hatte bei der EM im Vorjahr in Rijeka mit einem blamablen Vorlauf-Aus aber enttäuscht. "Da habe ich noch eine Rechnung offen", sagte der 1,92 m große Modellathlet.
Dass er über 400 m seinen vor einem Monat beim Weltcup in Berlin aufgestellten Weltrekord nicht knackte, lag auch an einer Grippe, die ihn vor zwei Wochen flach gelegt hatte. Deshalb hatte er seine Teilnahme an der DM in Essen absagen müssen.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







