Nach Niederlage gegen Harris: Boxen: Urkal verabschiedet sich von WM-Träumen
zuletzt aktualisiert: 24.10.2004 - 11:58Berlin (rpo). "Der Kleine" hat sich nun endgültig von seinen WM-Träumen verabschiedet. Oktay Urkal taumelte nach der krachenden Rechte in der elften Runde seines dritten WM-Kampfs durch den Ring und sank letztendlich auf die Bretter. Weltmeister Vivian Harris war einfach eine Nummer zu groß für den "Ali aus Kreuzberg" und das gab Urkal nach dem Match auch vor den 4.000 Zuschauern zu.
"Das war mein letzter WM-Kampf", kündigte der 34 Jahre alte Routinier nach dem Fight mit blutverschmiertem Gesicht an und bewies in der Stunde der Niederlage Größe: "Was soll ich machen? Harris war der Bessere und hat verdient gewonnen." Endgültig will der zweifache Familienvater seine Karriere als Profi-Boxer jedoch noch nicht beenden: "Vielleicht mache ich noch einen Kampf um die Europameisterschaft."
Die WM-Krone ist jedoch für den sympathischen Berliner endgültig außer Reichweite. Auch im dritten Anlauf zog er den Kürzeren, nachdem er bereits im Juni 2003 Konstantin Tszyu und im April 2004 Harris jeweils nach Punkten unterlag. "Vielleicht werden wir mit ihm noch ein, zwei Kämpfe machen, damit er als Sieger abtreten kann. Auch die EM ist realistisch", sagte sein Promoter Wilfried Sauerland.
Besonders für seinen Trainer Ulli Wegner hätte Urkal gerne gewonnen. "Wir waren 1996 unter Tränen auseinander gegangen, jetzt wollte ich ihm unter Tränen den WM-Titel schenken", sagte der Halbweltergewichtler. Wenige Tage vor dem olympischen Finalkampf 1996 in Atlanta (USA) hatte der damalige Amateur-Boxer Urkal erfahren, dass sein Trainer Wegner ins Profilager wechseln würde. "Das hat uns beide damals Tränen gekostet und ihn vielleicht die Goldmedaille, weil er sehr irritiert war", erinnerte sich der Meistercoach.
Gute Vorbereitung half nicht
Auf ihren letzten, gemeinsamen Auftritt hatten sich Urkal und Wegner akribisch vorbereitet. Der Lokalmatador war gut eingestellt und konnte sich immer wieder aus brenzligen Situationen befreien. Letztendlich war die Schlagkraft des US-Boys aber zu gewaltig. In der dritten, sechsten und achten Runde sammelte der Berliner Pluspunkte, ansonsten war Harris Herr im Ring. Seine gewaltige Rechte traf den Herausforderer pro Runde mindestens einmal empfindlich am Kopf: "Oktay fehlte die Kraft, aber er ist ein großartiger Boxer", urteilte der ehemalige Mittelgewichts-Champion Felix Sturm (Leverkusen).
Lob und Anerkennung erhielt der deutsche Routinier auch aus der gegnerischen Ecke. "Urkal ist ein starker Boxer", machte Harris Mut. Sein Star-Trainer Emanuel Stewart war vom Stehvermögen des Herausforderes beeindruckt: "Obwohl er viele Treffer einstecken musste, ist er bis zur elften Runde immer wieder dagewesen." Harris selbst will noch in diesem Jahr seinen Titel verteidigen. Überschwänglicher Weise bedankte sich der 26-Jährige beim Berliner Publikum und kündigte an, seine Wohnungssuche in der deutschen Hauptstadt fortzusetzen.
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