Deutsche Damen liefern desolates Ergebnis: Burgsmüller und Weingärtner in Wimbledon ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 26.06.2003 - 18:10London (rpo). Erwartungsgemäß ist Tennisprofi Lars Burgsmüller bei den offenen Tennismeisterschaften in Wimbledon am haushohen Favoriten Andre Agassi aus den USA gescheitert. Nach einer peinlichen Vorstellung ist auch Marlene Weingärtner als letzte deutsche Spielerin ausgeschieden.
Wimbledon-Nobody Lars Burgsmüller hat sein "Karriere-Highlight" zum sportlichen Höhepunkt gemacht und Andre Agassi mächtig geärgert. Auch wenn es trotz des couragierten Auftritts zur Sensation gegen den haushohen Favoriten am Donnerstag in London nicht gereicht hat, überzeugte der 27-Jährige aus Essen beim 3:6, 6:7 (4:7), 3:6 gegen den Amerikaner mit einem beherzten, konzentrierten und spielstarken Auftritt. Boris Becker geriet am Mikrofon der BBC sogar ins Schwärmen: "Burgsmüller hält gut mit. Es ist ein äußerst unterhaltsames Match."
Von Nervosität war bei dem Hordorff-Schützling nichts zu spüren. "Ich habe doch nichts zu verlieren", sagte er. "Verlieren kann man auch gegen andere. Aber wenn es gegen Agassi ist, reißt einem keiner den Kopf ab." Burgsmüller weiß, wovon er spricht. Bislang hatte der bescheidene Tennisprofi, der von seinem Trainer Dirk Hordorff, Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen und seiner Freundin angefeuert wurde, noch nie die erste Runde in Wimbledon überstanden. Erst im fünften Versuch gelang es ihm diesmal bei den 117. All England Championships.
Alexander Popp in Runde drei
Alexander Popp blieb mit Mühe auf dem Weg, der ihn im Jahr 2000 an der Church Road bis ins Viertelfinale geführt hatte. Der Mannheimer machte es sich bei seiner ungleich leichteren Aufgabe gegen den Niederländer Raemon Sluiter selbst schwer und musste beim 7:6 (7:4), 4:6, 6:3, 6:7 (5:7), 6:2 unnötig lange kämpfen. Als einziger Deutscher neben Rainer Schüttler steht der 26-Jährige in Runde drei, in der er am Samstag auf den Tschechen Jiri Novak trifft.
Marlene Weingärtner schied nach einer peinlichen Vorstellung als letzte der vier gestarteten deutschen Tennisspielerinnen in Runde zwei aus. Nur 46 Minuten benötigte die Amerikanerin Lisa Raymond, um der Heidelbergerin eine 6:3, 6:0-Lehrstunde zu erteilen. Und so wurde der "Heilige Rasen" für die 23-Jährige an diesem sonnigen Mittag zur Tennis-Hölle. "Sie wusste keinen Rat, deshalb sah es so aus, als schenke sie das Spiel ab", sagte Bundestrainer Klaus Eberhard.
Jüngere Spielerinnen gefragt
Saft- und kraftlos spielend verlor die zierliche gebürtige Rumänin und komplettierte das desolate Abschneiden der DTB-Damen. "Unsere Besten rangieren zwischen Platz 50 und 100 in der Weltrangliste. Und die Zahlen lügen nicht", sagte Eberhard. "Wir müssen mehr auf jüngere Spielerinnen setzen." Im Fedcup-Abstiegsspiel am 19./20. Juli in Indonesien vertraut er neben Bianka Lamade aber wieder auf die "Alten": Barbara Rittner, Anca Barna und Marlene Weingärtner.
Die seinem Freund Rainer Schüttler versprochene "Rache" für die 2:6, 2:6, 1:6-Finalniederlage in Melbourne Anfang des Jahres gelang Burgsmüller freilich nicht. Auch die Tipps des Korbachers, der in Runde drei an diesem Freitag auf Agassis Landsmann Todd Martin trifft, fruchteten nicht. "Flach spielen und hoch gewinnen", hatte Schüttler in Fußballer-Manier geraten. Aber letztlich bewahrheitete sich, was Becker schon im Tiebreak des zweiten Satz vermutete: "Burgsmüller ist klasse, aber Agassi spielt in einer anderen Liga."
Burgsmüller hielt gut mit
Ganz so deutlich offenbarte sich der Klassenunterschied auf Court 1 nicht. Burgsmüller hielt über weite Strecken mit. Doch in den entscheidenden Momenten fehlte ihm der Mut, etwas zu riskieren. So verpufften die Breakchancen im 2. und 6. Spiel des ersten Satzes und auch im Tiebreak des zweiten blieb Agassi dank seiner Routine, Schnelligkeit und Cleverness der Sieger.
Einen glatten Erfolg wie Agassi feierte auch Lokalmatador Tim Henman. Der Brite fertigte den Franzosen Michael Llodra mit 6:4, 6:4, 6:3 ab und trifft jetzt auf den Schweden Robin Soderling, der Kiefer-Bezwinger Gilles Elseneer (Belgien) ausschaltete. Leicht und locker weiter sind auch Vorjahresfinalist David Nalbandian (Argentinien) sowie die 94er Siegerin Conchita Martinez (Spanien) und Jennifer Capriati (USA), die vor zwei Jahren im Halbfinale stand. (Achtung: Zusammenfassung nach Popp - Sluiter - ca. 55 Zeilen)
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







