All England Championships: Chinesin räumt ab, Debakel für Amerikaner
zuletzt aktualisiert: 03.07.2006 - 16:36London (rpo). Auch im Tennis gewinnen chinesische Sportler an Boden: Mit Na Li ist zog erstmals eine Chinesin in das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers ein. Die 24-Jährige aus Wuhan bezwang die an zehn gesetzte Tschechin Nicole Vaidisova mit 4:6, 6:1, 6:3. Die US-Amerikaner erlebten dagegen bei den 120. All England Championships ein seit rund 95 Jahren einmaliges Debakel.
Die 24-jährige Li Na aus Wuhan bezwang die an Nummer zehn gesetzte Tschechin Nicole Vaidisova 4:6, 6:1, 6:3 und ist damit als erste Spielerin aus dem bevölkerungsreichsten Land der Erde in das Viertelfinale eines Grand-Slam-Turniers eingezogen. Dagegen sind die USA erstmals seit 1911 an der Church Road im Einzel nicht mehr unter den letzten Acht bei Männern und Frauen dabei.
Auch Roger Federer scheint nicht aufzuhalten. Der Titelverteidiger schlug auf dem Weg ins Viertelfinale Tommy-Haas-Bezwinger Tomas Berdych 6:3, 6:3, 6:4. Sein nächster Gegner ist der Kroate Mario Ancic, der ihn 2002 als letzter Spieler in Wimbledon besiegte. "Das wird Schlagzeilen machen", sagte Federer: "Es wird ein sehr schweres Spiel."
In der unteren Hälfte der Auslosung marschiert auch der Weltranglistenzweite Rafael Nadal anscheinend unbeeindruckt von Doping-Vorwürfen in einer französischen Sonntagszeitung durch das Turnier. Der Spanier schlug Irakli Labadze aus Georgien 6:3, 7:6 (7: 4), 6:3 und spielt nun gegen den Finnen Jarkko Nieminen.
"Sehr stolz"
Nächster Gegner von Lleyton Hewitt (Australien) ist etwas überraschend Marcos Baghdatis (Zypern). Der Australian-Open-Finalist beendete die Hoffnungen der Briten, indem er den 19 Jahre alten Schotten Andy Murray 6:3, 6:4, 7:6 (7:2) besiegte, der noch am Samstag mit seinem Erfolg über Andy Roddick für Euphorie bei den Einheimischen gesorgt hatte. "Das war das beste Grasspiel meines Lebens", sagte der 21-jährige Baghdatis.
"Ich bin sehr stolz auf mich und für mein Land", meinte Li Na: "Dieser Erfolg zeigt, dass Tennis in China Stück für Stück besser wird." Sie setzte damit zum zweiten Mal einen Meilenstein, nachdem sie 2004 in Guangzhou als erste Chinesin ein WTA-Turnier gewonnen hatte. Der größte Erfolg für das chinesische Tennis bisher war der Doppel-Olympiasieg von Li Tiang/Sun Tian Tian 2004 in Athen.
Die Machtverhältnisse zwischen den erfolgreichsten Nationen der vergangenen Sommerspiele scheinen sich jetzt auch in dem einstigen Kapitalistensport Tennis anzugleichen. Vor Olympia 2008 in Peking geht der große, systematisch durchgesetzte chinesische Plan zum Vordringen in die Weltklasse offenbar auf.
Russlands Damen stark
Vor Li Na, in der aktuellen Weltrangliste auf Platz 30 notiert, war Jie Zheng die erfolgreichste Spielerin aus dem Reich der Mitte auf einem der vier Majors. Sie scheiterte 2004 in Roland Garros jedoch im Achtelfinale. Li Na spielt am Dienstag nun gegen die an Nummer zwei gesetzte Belgierin Kim Clijsters.
Als letzte Spielerin zog die Weltranglisten-Erste Amelie Mauresmo (Frankreich) in die Runde der letzten Acht am Dienstag ein. Sie spielt nun gegen die Russin Anastasia Myskina. Belgien ist mit zwei Spielerinnen im Viertelfinale vertreten. French-Open-Siegerin Justine Henin-Hardenne bezwang Daniela Hantuchova aus der Slowakei problemlos mit 6:3, 6:1. Die nächste Gegnerin der 24-Jährigen ist die Französin Severine Bremond. Die Qualifikantin setzte an der Church Road ihre überraschende Erfolgsserie mit einem 7:6 (13:11), 6:3 über die Japanerin Ai Sugiyama fort.
Russland stellt mit drei Spielerinnen den größten Anteil unter den Viertelfinalistinnen. Neben Myskina haben die Wimbledon-Siegerin von 2004, Maria Scharapowa, und Delena Dementjewa die Runde der letzten Acht erreicht und treffen dort aufeinander. Scharapowa bezwang die Italienerin Flavia Penetta mit Mühe 7:6 (7:5), 3:6, 6:3, Dementjewa dagegen problemlos Shenay Perry (USA) 6:2, 6:0.
STATISTIK:
120. All England Championships in Wimbledon
Herreneinzel, Achtelfinale:
Roger Federer (Schweiz/Nr. 1/TV) -
Tomas Berdych (Tschechien/Nr. 13) 6:3, 6:3, 6:4
Lleyton Hewitt (Australien/Nr. 6) -
David Ferrer (Spanien/Nr. 23) 6:4, 6:4, 4:6, 7: 5
Radek Stepanek (Tschechien/Nr. 14) -
Fernando Verdasco (Spanien/Nr. 28) 6:7 (4:7), 6:3, 4:6, 6:4, 6:2
Marcos Baghdatis (Zypern/Nr. 18) -
Andy Murray (Großbritannien) 6:3, 6:4, 7:6 (7:2)
Jonas Björkman (Schweden) -
Max Mirnji (Weißrussland) 6:3, 7:6 (8: 6), 4:6, 2:6, 6:3
Dameneinzel, Achtelfinale:
Amelie Mauresmo (Frankreich/Nr. 1) -
Ana Ivanovic (Serbien und Montenegro/Nr. 19) 6:3, 6:4
Kim Clijsters (Belgien/Nr. 2) -
Agnieszka Radwanska (Polen) 6:2, 6:2
Justine Henin-Hardenne (Belgien/Nr. 3) -
Daniela Hantuchova (Slowakei/Nr. 15) 6:3, 6:1
Maria Scharapowa (Russland/Nr. 4) -
Flavia Pennetta (Italien) 7:6 (7:5), 3:6, 6:3
Jelena Dementjewa (Russland/Nr. 7) -
Shenay Perry (USA) 6:2, 6:0
Anastasia Myskina (Russland/Nr. 9) -
Jelena Jankovic (Serbien und Montenegro/Nr. 26) 6:4, 7:6 (7:5)
Li Na (China/Nr. 27) -
Nicole Vaidisova (Tschechien/Nr. 10) 4:6, 6:1, 6:3
Severine Bremond (Frankreich) -
Ai Sugiyama (Japan/Nr. 18) 7:6 (11:9), 6:3
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