Schnelle Niederlage: Däne Kessler schlägt Beyer in Runde drei K.o.
zuletzt aktualisiert: 15.10.2006 - 12:07Kopenhagen (rpo). Nur drei Runden hat es gedauert, bis der deutsche WBC-Weltmeister Markus Beyer seinen Titel verloren hat. Gegen den weiterhin ungeschlagenen Dänen Mikkel Kessler kassierte der Wahl-Bremer eine schmerzhafte K.o.-Niederlage und musste seinen Gürtel abgeben. Für Beyer war es womöglich der letzte Kampf seiner Karriere.
Die Abschiedsstimmung aber war spürbar in den Räumen des Parken-Stadions. Der 35 Jahre alte Sachse ist nach zehn Jahren Profiboxen am Ende seines Weges angelangt. "Es ist wie ein Weltuntergang, heute habe ich die Schnauze voll", sagte Beyer.
Dreimal insgesamt war er seit 1999 WBC-Weltmeister, hielt den Titel zuletzt seit Oktober 2004. 34 Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden war Beyers Kampfbilanz, bevor er sich dem acht Jahre jüngeren und zehn Zentimeter größeren Kessler zum Vereinigungskampf um die Gürtel der WBC und WBA stellte. 1,2 Millionen Euro kassierte er für den Fight, die größte Börse seiner Karriere. Dafür musste er allerdings in der Fremde antreten. "Ich muss in meinem Alter auch sehen, wie ich über die Runden komme", sagte Beyer: "In Deutschland hätte ich weniger Geld gekriegt."
Es spricht für den Wahl-Bremer, dass er die sportliche Herausforderung gesucht und das Ende provoziert hat. Er weiß jetzt jedenfalls, wo er steht: Mit einem Mann wie Kessler kann er nicht (mehr) mithalten. Glücklich schien er mit seiner Situation ohnehin nicht mehr zu sein. Zunächst stand er auch als Weltmeister im Schatten von Sven Ottke, jetzt stehen Nikolaj Walujew und Arthur Abraham im Rampenlicht. "Man lässt mich intern spüren, dass ich nicht mehr wichtig bin", klagte der letzte gebürtige deutsche Weltmeister vor dem Fight.
Schaden auch für Sauerland
Natürlich hätte er auch weiterhin handverlesene Gegner boxen können, und die ARD hätte ein gewaltiges Spektakel daraus gemacht. Bis Ende 2007 steht er bei Wilfried Sauerland unter Vertrag, der nach dieser Niederlage nicht nur einen Weltmeister verloren hat, sondern vor allem einen Hauptkämpfer für seine TV-Verpflichtungen. "Über die Zukunft mache ich mir jetzt keine Gedanken", sagte der Promoter. "Für Sauerland ist das eine bittere Pille", meinte jedoch Wegener, der als Cheftrainer des "Stalls" nun für Ersatz sorgen muss: "Wir müssen jetzt hart daran arbeiten, dass keine Lücke entsteht."
Mit Tränen in den Augen analysierte er den Kampf. Auch Wegener wusste im Innersten, dass es Beyers sportliches Ende war. "Er hat eine große Chance gehabt, das Ende haben wir alle erlebt", sagte der Boxlehrer, der seinen Schützling seit dem sechsten Lebensjahr betreute. Wegener: "Es tut in der Seele weh, dass wir hier so eingehen. Nach dem Trainingslager hatte ich mir eine Chance ausgerechnet."
Wochenlang hatte sich Beyer geschunden und in Form gebracht, war am Strand der Insel Usedom und in Kienbaum gelaufen, hatte im Gym Gewicht gemacht, Sparringspartner verbraucht, eine ewige Qual, die einem 35-Jährigen noch viel schwerer fällt als einem Jungprofi. Alles für den spektakulären Vereinigungskampf, der die Krönung seiner Laufbahn sein sollte.
Und dann war nach 8:58 Minuten alles vorbei. Eine Rechte zum Kopf schickte Bayer zu Boden. Er hatte keine Chance mehr: 8, 9 - Aus!
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