Scharfe Sicherheitsvorkehrungen beim Spiel gegen Israel: Davis Cup: Kühnen hat die Qual der Wahl
zuletzt aktualisiert: 05.04.2004 - 15:32Alsdorf (rpo). Das Sicherheitsaufgebot beim Davis-Cup-Auftritt der deutschen Mannschaft am kommenden Wochenende gegen Israel dürfte jenseits der Dimensionen liegen, die das beschauliche Alsdorf bei Aachen jemals gesehen hat. Beim Kampf um einen Platz in der Playoff-Runde im September ist zumindest die Polizei auf alle Eventualitäten vorbereitet.
Teamkapitän Patrik Kühnen plagen noch ganz andere Sorgen, denn er hat vor dem ersten Auftritt einer deutschen Mannschaft in der Zweitklassigkeit seit mehr als 20 Jahren die Qual der Wahl. "Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht damit rechne, im Einzel eingesetzt zu werden", sagt Nicolas Kiefer. Der 26-jährige Niedersachse, bisweilen als bockig, stur, eigenwillig verrufen, hat den unerträglichen Teufelskreis aus Misserfolgen und Verletzungen endlich durchbrochen. Zwei Finals in Memphis und Scottsdale, dazu das Viertelfinale beim Masters in Miami - da hat man sich eigentlich einen Einsatz im Einzel mehr als verdient.
Auch Tommy Haas scheint wieder da. Wie zu seinen besten Zeiten drischt er auf den Ball, kraftvoll, präzise, ohne Anzeichen einer Schwäche in der zweimal operierten rechten Schulter - aber mit eindeutig läuferischen Defiziten. "Mr. Germany" haben sie ihn nach seinen grandiosen Auftritten im Daviscup getauft, bei 12:1 steht seine beeindruckende Bilanz im Einzel."Wenn Patrik auf mich setzt, bin ich ready", sagt er. Wenn Tommy Haas spricht, schnell und immer ein bisschen monoton, dann wimmelt es nur so von Anglizismen. Nicht ganz so schlimm bei einem, der seit 15 Jahren unter der Sonne Floridas lebt und trainiert.
Schüttler als Wackelkandidat
Als Kiefer und Haas mit ihrer Trainingseinheit durch sind, kommen Rainer Schüttler und Alexander Waske in die Halle. Wenn es immer noch so ist, dass die beiden potenziellen Einzelspieler miteinander trainieren, dann wird Schüttler im Alsdorf allenfalls im Doppel aufschlagen. Im September in Sundern noch der große Hoffnungsträger, der es gegen Weißrussland im Alleingang richten sollte und dabei wenig Unterstützung hatte, nun nach einer Serie von unglücklichen Niederlagen in diesem Jahr vielleicht nicht mehr erste Wahl - die Gesetzmäßigkeiten des Sports sind nicht immer fair.
Aber Patrik Kühnen hat sich noch nicht festgelegt, und noch sind ein paar Tage Zeit. Rainer Schüttler ist auch bestens gelaunt, vor allem ist der sympathische Hesse keiner, der seine eigenen Interessen über die der Mannschaft stellen würde. Das Tennis spielen hat er natürlich auch nicht verlernt, manchmal sind es eben nur Kleinigkeiten, die über Sieg und Niederlage entscheiden. "Mal ein verschlagener Volley, mal ein Return knapp neben der Linie - letztes Jahr waren diese Bälle drin, dieses Jahr sind sie draußen", sagt er: "So ist der Sport."
Alexander Waske, der vierte Mann im Team, wird nach Lage der Dinge wohl kaum auf einen Einsatz hoffen dürfen. Auch die Variante, dass er mit Rainer Schüttler am Samstag gegen Jonathan Erlich und Andy Ram im Doppel antritt, ist eher unwahrscheinlich. Aber das muss Kühnen entscheiden, er hat die Qual der Wahl. "Ist doch gut", sagt Haas: "Solche Probleme tun dem deutschen Tennis gut, wenn drei auf hohem Niveau gleich stark sind." Das hat es im deutschen Tennis in der Tat lange nicht gegeben.
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