Nach den Absagen von Rainer Schüttler und Nicolas Kiefer: Davis-Cup: Tommy Haas soll es richten
zuletzt aktualisiert: 22.09.2004 - 11:32Bratislava (rpo). Tommy Haas übt sich vor dem Aufstiegsspiel im Davis-Cup gegen die Slowakei im Tiefstapeln. "Es wird eine ziemlich schwere Kiste, in der wir zwar eindeutig die Underdogs, aber trotzdem nicht chancenlos sind", sagte der 26-Jährige, der den Wiederaufstieg der deutschen Davis-Cup-Mannschaft in die Weltgruppe am kommenden Wochenende in Bratislava praktisch im Alleingang perfekt machen soll.
Erstmals in seiner Daviscup-Laufbahn, die am 3. April 1998 genau an seinem 20. Geburtstag beim 5:0 gegen Südafrika in Bremen begann, muss Haas an allen drei Tagen auf den Platz. Er spielt zwei Einzel und gemeinsam mit Alexander Waske auch das Doppel.
Danach wird er wohl erstmal eine Pause einlegen, denn nach den guten Ergebnissen der vergangenen Monate spürt Tommy Haas im letzten Drittel der Saison eine gewisse Müdigkeit. "Im Großen und Ganzen ist alles okay, für Bratislava bin ich in jedem Fall bereit, aber es war schon ein ordentliches Programm in letzter Zeit", sagt er. Die hundertprozentige Gewissheit, dass die zweimal operierte rechte Schulter hält und der zweiten Karriere nach der 15-monatigen Verletzungspause nichts im Wege steht, beflügelt Haas aber auch dann, wenn der Körper eigentlich eine Auszeit braucht. "Ich bin so geil auf Tennis", sagt er: "Wenn ich manchmal nachts wach werde, möchte ich am liebsten aufstehen und auf den Platz gehen."
Florian Mayer mit großer Verantwortung
In Bratislava kann sich "Mr. Germany" nach Herzenslust austoben, denn auf seinen breiten Schultern ruhen mindestens 80 Prozent der deutschen Hoffnungen. Die restlichen 20 Prozent schiebt Haas seinem jungen Teamkollegen Florian Mayer zu, der nach den Ausfällen des erkrankten Rainer Schüttler und des verletzten Nicolas Kiefer bei seinem Davis-Cup-Debüt auf Anhieb eine große Verantwortung übernehmen muss. "Der Flo ist cool und hat einen guten Kopf", sagt Haas über Mayer: "Ich traue ihm durchaus eine Überraschung zu." Die Gegner sind hochkarätig: Dominik Hrbaty und Karol Beck standen bei den US Open im Achtelfinale, Karol Kucera zählt seit Jahren zur Weltelite.
Für Statistiken interessiert sich Haas nicht, ebenso wenig für die letzten Ergebnisse der Gegner oder seine persönliche Erfolgsbilanz gegen Hrbaty, den er in bisher sieben Matches sechsmal schlug. "Das hier ist eine ganz andere Nummer", sagt Haas und denkt dabei auch an die spezielle Davis-Cup-Atmosphäre mit täglich 4000 Zuschauern in einer ausverkauften Halle. Ihn selbst stört eine aufgeheizte Stimmung nicht, die Erfahrung aus mehr als sechs Davis-Cup-Jahren und 13 Siegen in 14 Matches für Deutschland zahlt sich in solchen Situationen aus. "Mit Druck kann ich umgehen, ich hoffe, dass ich auch unseren beiden Debütanten dabei eine Hilfe sein kann", sagt Haas über Mayer und den ebenfalls 20-jährigen Philipp Kohlschreiber: "Dass Kiwi und Rainer nicht dabei sind, ist ein bisschen unglücklich, aber trotzdem werden wir als starke Einheit auftreten."
Große Ziele von Haas
Teamkapitän Patrik Kühnen hat jedenfalls vollstes Vertrauen in seine Nummer eins: "Tommy wird die Erwartungen an seine Rolle erfüllen. Er hat gerade im Davis-Cup schon so oft bewiesen, dass auf ihn Verlass ist." Das soll auch im nächsten Jahr so bleiben, wenn nach dem geplanten Wiederaufstieg der Davis-Cupsieg das große Ziel der Deutschen ist. "Ich will, ich muss diesen Cup irgendwann mal in Händen halten", sagt Haas: "Ich spiele einfach so lange weiter, bis es klappt. Birgit Fischer ist schließlich 42 und macht mit dem Rest der Welt noch immer, was sie will." Vielleicht heißen ja die Teamkollegen des 42-jährigen Tommy Haas im Jahr 2020 Noah Becker und Luke Steeb ...
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