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2:3-Niederlage gegen Weißrussland: Daviscup: Desaster für Deutschland

zuletzt aktualisiert: 22.09.2003 - 10:02

Sundern (rpo). Deutschlands Tennis-Nationalmannschaft ist nach der Niederlage gegen Weißrussland nur noch zweite Wahl. Als der frustrierte Schüttler nach der Niederlage in der Kabine mit den Tränen kämpfte, saß Kiefer in der entgegengesetzten Ecke und spielte mit seinem Handy.

In der Playoff-Runde gegen Weißrussland in Sundern kassierte Rainer Schüttler mit dem 3:6, 5:7, 3:6 gegen Max Mirnji am Sonntag die dritte und entscheidende deutsche Niederlage. Damit geht das deutsche Tennis sportlich und wirtschaftlich schweren Zeiten entgegen.

Tomas Behrend hatte am Freitag sein Auftaktmatch gegen Mirnji trotz zweier Matchbälle in fünf Sätzen verloren, Schüttler anschließend ebenfalls in fünf Sätzen gegen Wladimir Woltschkow für den Ausgleich gesorgt. Am Samstag geriet Deutschland durch die Doppel-Niederlage von Schüttler und Nicolas Kiefer gegen Mirnji und Woltschkow erneut in Rückstand, und dieses Mal konnte Schüttler es nicht mehr richten.

Statistischer Wert

Der abschließende Zweisatzsieg von Lars Burgsmüller gegen den 17-jährigen Aliaksandr Skripko hatte nur noch statistischen Wert, unter dem Strich standen ein 2:3 und der Absturz in die Zweitklassigkeit. Damit spielt Deutschland 2004 in der Euro/Afrika-Zone und muss sich dort in maximal zwei Ausscheidungsspielen erst wieder für die Relegationsrunde qualifizieren.

In der Stunde der großen Enttäuschung machten alle Beteiligten aus ihrem großen Frust keinen Hehl. "Es war immer mein Traum, einmal den Daviscup zu gewinnen. Dass ich jetzt in die zweite Liga muss, ist nicht das, was ich mir unter einer großen Daviscup-Karriere vorstelle", sagte Rainer Schüttler, der aber im gleichen Atemzug einen Treueschwur für die Zukunft leistete: "Wir haben uns geschworen, dass wir zusammenbleiben, und ich will nicht hoffen, dass sich irgendeiner von den Jungs das jetzt anders überlegt."

"Herber Rückschlag"

Das hofft auch Patrik Kühnen, der fortan mit dem Makel leben muss, als erster Daviscup-Teamchef seit 20 Jahren den Klassenerhalt verpasst zu haben. "Natürlich ist das auch für mich persönlich ein herber Rückschlag", gab Kühnen zu: "Ich hatte Ziele mit dieser Mannschaft, und die haben wir nicht erreicht." Für ihn und seine Spieler ist in Sundern "eine Situation entstanden, die wir alle nicht kennen, aber wir müssen vorwärts schauen und perspektivisch an der Zukunft arbeiten".

Vielleicht fällt der Blick in die Zukunft leichter, wenn die Beteiligten zunächst die unmittelbare Vergangenheit analysieren und ihre Schlüsse daraus ziehen. "Möglicherweise hätte man ein, zwei Dinge anders machen sollen", mutmaßte Rekonvaleszent Tommy Haas, wollte sich aber nicht näher erklären: "Das bringt doch alles nichts mehr, wir sind abgestiegen und Schluss."

Boris Becker, der am Samstag einen Besuch beim Bundesliga-Spitzenspiel im Münchner Olympiastadion dem Überlebenskampf des deutschen Tennis in Sundern vorzog, war da schon etwas deutlicher geworden: "Patrik und die Spieler haben sich für Sand entschieden, weil das angeblich Max Mirnjis schwächster Belag ist. Es ist eine typisch deutsche Eigenschaft, immer nur auf die Schwächen des Gegners statt auf die eigenen Stärken zu setzen." Hinzu kam die Beschaffenheit der Bälle, die laut Rainer Schüttler "wie die Kanonenkugeln geflogen sind" und damit dem aufschlagstarken Max Mirnji wie gerufen kamen.

Schwachstelle Doppel

Eine weitere Schwachstelle in Sundern war die Besetzung des Doppels, die Verlegenheitspaarung Rainer Schüttler/Nicolas Kiefer konnte dem eingespielten Weltklasse-Duo Max Mirnji und Wladimir Woltschkow wie erwartet nichts entgegensetzen. Deutschlands bester Doppelspieler Michael Kohlmann saß derweil tatenlos auf der Tribüne, weil Kühnen ihn nicht nominiert hatte. "Das Doppel ist im Daviscup das wichtigste Match, und Deutschland hat kein Doppel", kritisierte Beckers einstiger Trainer Günter Bosch.

Nicolas Kiefer ist ebenfalls ein großes Fragezeichen in der Mannschaft, die laut Kühnen nur mit "einem gesunden Tommy Haas, einem starken Rainer Schüttler und einem aufsteigenden Nicolas Kiefer eine Chance haben wird, jemals den Daviscup zu gewinnen". Kiefer ist kein Mannschaftsspieler, und bei seiner eigenwilligen Persönlichkeitsstruktur wird er es vermutlich auch nicht mehr werden. Bockig reagierte er, als klar war, dass nicht er, sondern Tomas Behrend das zweite Einzel bestreiten würde: "Patrik Kühnen wird schon seine Gründe haben, wenn wir gewinnen, hat er ja auch alles richtig gemacht."

Als der schwer frustrierte Schüttler nach seiner Niederlage gegen Mirnji in der Kabine hockte und mit den Tränen kämpfte, saß Kiefer in der entgegengesetzten Ecke des Raumes und spielte scheinbar ungerührt mit seinem Handy.

Für den ohnehin wirtschaftlich schwer angeschlagenen Deutschen Tennis Bund (DTB) bedeutet der Abstieg weitere Einnahmeverluste und fehlende TV-Präsenz der Öffentlich-Rechtlichen, doch DTB-Präsident Georg von Waldenfels versuchte sich tapfer in Durchhalteparolen. "Eine Niederlage im Sport ist doch keine Katastrophe, davon geht auch die Tenniswelt nicht unter", sagte der umstrittene DTB-Chef.

Daviscup, 3. Spieltag:

Weltgruppe, Halbfinals:

In Melbourne: Australien - Schweiz 3:2. - Lleyton Hewitt - Michel Kratochvil 6:4, 6:4, 6:1, Mark Philippoussis - Roger Federer 3:6, 4:6, 6:7 (3:7), Wayne Arthurs/Todd Woodbridge - Roger Federer/Marc Rosset 4:6, 7:6 (7:5), 5:7, 6:4, 6:4, Lleyton Hewitt - Roger Federer 5:7, 2:6, 7:6 (7:4), 7:5, 6:1, Todd Woodbridge - Michel Kratochvil 4:6-Aufgabe Woodbridge

In Malaga: Spanien - Argentinien 2:2. - Juan Carlos Ferrero - Gaston Gaudio 6:4, 6:0, 6:0, Carlos Moya - Mariano Zabaleta 5:7, 2: 6, 6:2, 6:0, 6:1, Alex Corretja/Albert Costa - Lucas Arnold/Agustin Calleri 3:6, 6:1, 4:6, 2:6, Juan Carlos Ferrero - Agustin Calleri 4: 6, 5:7, 1:6

Relegationsrunde:

In Sundern: Deutschland - Weissrussland 2:3. - Tomas Behrend (Sundern) - Max Mirnyi 7:5, 6:2, 6:7 (6:8), 2:6, 4:6, Rainer Schüttler (Korbach) - Wladimir Woltschkow 6:3, 3:6, 6:7 (3:7), 6:4, 6:4, Rainer Schüttler/Nicolas Kiefer (Korbach/Hannover) - Max Mirnji/Wladimir Woltschkow 3:6, 6:3, 5:7, 5:7, Rainer Schüttler - Max Mirnji 3:6, 5:7, 3:6, Lars Burgsmüller (Sundern) - Aliaksandr Skripko 6:2, 6:0

In Bratislava: Slowakei - USA 1:3. - Dominik Hrbaty - Andy Roddick 3:6, 6:3, 6:4, 6:4, Karol Kucera - Mardy Fish 6:4, 5:7, 5: 7, 1:6, Dominik Hrbaty/Karol Beck - Bob Bryan/Mike Bryan 1:6, 4:6, 6:7 (5:7), Karol Beck - Andy Roddick 3:6, 4:6, 4:6

In Pörtschach: Österreich - Belgien 3:1. - Stefan Koubek - Christophe Rochus 6:2, 6:4, 6:1, Jürgen Melzer - Olivier Rochus 6: 1, 7:6 (7:4), 5:7, 2:6, 6:1, Julian Knowle/Alexander Peya - Olivier Rochus/Kristof Vliegen 6:4, 1:6, 4:6, 2:6, Stefan Koubek - Olivier Rochus 6:7 (4:7), 6:2, 7:5, 4:6, 6:3

In Bangkok: Thailand - Tschechien 1:4. - Danai Udomchoke - Jiri Novak 2:6, 2:6, 6:7 (1:7), Paradorn Srichaphan - Bohdan Ulihrach 7:6 (7:2), 6:2, 7:6 (7:4), Paradorn Srichaphan/Danai Udomchoke - Tomas Berdych/Jiri Novak 3:6, 6:7 (3:7), 4:6, Paradorn Srichaphan - Jiri Novak 4:6, 4:6, 4:6, Danai Udomchoke - Tomas Berdych 6:7 (2:7), 3:6

In Zwolle: Niederlande - Indien 5:0. - Martin Verkerk - Rohan Bopanna 5:7, 6:3, 5:7, 7:6 (9:7), 12:10, Sjeng Schalken - Prakash Amritraj 6:3, 6:1, 6:1, Martin Verkerk/John van Lottum - Rohan Bopanna/Mahesh Bhupathi 4:6, 7:5, 7:5, 6:4, Raemon Sluiter - Prakash Amritraj 6:3, 6:1, Sjeng Schalken - Harsh Mankad 6:3, 6:1

In Casablanca: Marokko - Grossbritannien 2:1. - Hicham Arazi - Tim Henman 6:4, 6:4, 7:6 (7:4), Younes El Aynaoui - Gerg Rusedski 3: 6, 6:3, 6:4, 3:6, 6:1, Hicham Arazi/Mounir El Aarej - Tim Henman/Greg Rusedski 6:7 (3:7), 2:6, 4:6

In Calgary: Kanada - Brasilien 2:1. - Frederic Niemeyer - Flavio Saretta 4:6, 6:7 (5:7), 7:6 (7:4), 4:6, Daniel Nestor - Gustavo Kuerten 6:7 (7:9), 7:6 (7:0), 6:3, 6:7 (7:9), 7:5, Daniel Nestor/Frederic Niemeyer - Gustavo Kuerten/Andre Sa 6:3, 6:2, 1:6, 6:2

In Quito: Ekuador - Rumänien 1:2. - Giovanni Lapentti - Victor Hanescu 6:7 (3:7), 7:6 (7:5), 6:7 (5:7), 7:6 (7:1), 4:6, Nicolas Lapentti - Razvan Sabau 6:2, 6:4, 3:6, 4:6, 6:3, Nicolas und Giovanni Lapentti - Florin Mergea/Horia Tecau 6:7 (2:7), 6:1, 3:6, 6:3, 11:13


 
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