Kühnen erstmals mit dem stärksten Team: Daviscup: "Gegen Südafrika muss ein Sieg her"
zuletzt aktualisiert: 01.03.2005 - 10:54Johannesburg (rpo). Die goldene Generation des Deutschen Tennis Bundes (DTB) kämpf in der Stadt des Goldes um ihre letzte Daviscup-Chance: "Ein Sieg muss her, alles andere wäre ein sportlicher Super-GAU", sagt Tommy Haas vor der Partie gegen Südafrika im 1700 m hoch gelegenen Johannesburg.
Johannesburg, das Anfang des vorigen Jahrhunderts aus einem Goldgräber-Camp entstand und von den Einheimischen "Egoli", die Stadt des Goldes, genannt wird, ist Schauplatz des Duells zwischen Südafrika und Deutschland. Nur der Sieger kämpft im September in den Playoffs um einen Platz in der Weltgruppe 2006, der Verlierer dümpelt bis mindestens 2007 in der Zweitklassigkeit herum.
Zu lange für Rainer Schüttler (28), Nicolas Kiefer (27), Tommy Haas (26) und Alexander Waske (29), deshalb will und muss das stärkste deutsche Aufgebot in Johannesburg unbedingt gewinnen. Die Zeichen stehen eigentlich nicht schlecht, immerhin kann Teamchef Patrik Kühnen erstmals in seiner Amtszeit, die im September 2002 mit dem Playoff-Sieg gegen Venezuela in Karlsruhe begann, mit der nominell besten Mannschaft antreten. "Die Stimmung ist sehr, sehr gut, die Jungs sind fit und bester Dinge", berichtete Kühnen am Dienstag: "Zwar zieht jeden Tag pünktlich zwischen 14.00 und 15.00 Uhr ein Gewitter auf, aber das ist rein wettertechnisch zu verstehen."
Seit dem Wochenende sind der Teamchef und seine Spieler in Johannesburg, um sich auf die Bedingungen vor Ort einzustellen. "Der Platz ist langsamer als ich erwartet hatte", meinte Kühnen: "Ein ganz normaler Hartplatz, vergleichbar mit denen in Indian Wells und Miami." Die Bälle fliegen in der Höhe natürlich weiter und springen höher ab: "Da braucht man schon ein bisschen Zeit, um sich darauf einzustellen." Auch für die Spieler ist die dünne Höhenluft eine ungewohnte Belastung, der Kühnen Rechnung trägt: "Wir lassen es langsam angehen, bei jeder Trainingseinheit wird ein bisschen draufgelegt."
Schauplatz der Partie ist die knapp 4500 Zuschauer fassende Ellis Park Arena, eine 35 Jahre alte Halle, die - wie Kühnen findet - "im Gegensatz zu diesen ganzen neuen Multifunktions-Kolossen Atmosphäre und Charakter hat". Gespielt wird am Freitag (14 Uhr MEZ), Samstag (11 Uhr MEZ) und Sonntag (11 Uhr MEZ).
Die Auslosung erfolgt am Mittwoch (16.30 Uhr MEZ), wer Einzel und Doppel spielt, ist derzeit noch nicht sicher. Tommy Haas, den "ab und zu ein bisschen der Rücken zwickt", Nicolas Kiefer, im Doppel-Halbfinale von Dubai "blöderweise umgeknickt", und Rainer Schüttler, "spielerisch bei 50, körperlich bei 100 Prozent", kommen für die Einzel in Frage, Alex Waske wird mit Sicherheit im Doppel eingesetzt. Beim Gegner erwartet Kühnen Rückkehrer Wayne Ferreira und Wesley Moodie in den Einzeln und vielleicht sogar gemeinsam im Doppel: "Wayne ist ein guter Doppelspieler, dass er eigentlich schon zurückgetreten ist, spielt keine Rolle. Im Daviscup ist sowieso alles anders."
Zum achten Mal stehen sich Daviscup-Teams aus Deutschland und Südafrika gegenüber, die Bilanz spricht mit 4:3 zugunsten der Deutschen, die bisher stets Gastgeber waren: 1927, 1953 und 1962 in Berlin, 1931 und 1968 in Düsseldorf, 1966 in München und 1998 in Bremen. Der letzte südafrikanische Sieg liegt bereits 43 Jahre zurück: 1962 verloren Ingo Buding, Wilhelm Bungert und Christian Kuhnke in Berlin gegen die von Cliff Drysdale geführten Gäste 2:3. Zuletzt spielten Deutschland und Südafrika 1998 in Bremen beim Debüt des Teamchefs Boris Becker und der Spieler Tommy Haas und Nicolas Kiefer gegeneinander, die Gastgeber gewannen 5:0. Ganz so glänzend wird es in der Stadt des Goldes möglicherweise nicht laufen.
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