Israels Spieler unter Bewachung: Daviscup im Hochsicherheitstrakt Alsdorf
zuletzt aktualisiert: 07.04.2004 - 11:10Alsdorf (rpo). Daviscup-Partien hat es in Deutschland schon so einige gegeben. Die an diesem Wochenende gegen Israel jedoch hebt sich schon im Vorfeld durch einen Punkt ganz deutlich von allen bisherigen ab: Die Anlage in Alsdorf gleicht einem Hochsicherheitstrakt, es wurden die umfangreichsten Sicherheitsvorkehrungen, die es jemals bei einer Daviscup-Begegnung hierzulande gegeben hat.
Harel Levy zuckt mit den Schultern, sein Gesicht wirkt teilnahmslos, seine Stimme gibt keine Emotionen preis. "Es ist wie es ist, ich nehme es fast gar nicht mehr zur Kenntnis", sagt Israels bester Tennisprofi, der mit seinen Teamkollegen am Osterwochenende in Alsdorf zur Daviscup-Partie gegen Deutschland antritt. Was Levy offenbar zu ignorieren gelernt hat, sind in diesem Fall die Sicherheitsvorkehrungen.
Das Sportforum in Alsdorf gleicht schon in den Tagen vor dem ersten Aufschlag am Freitag (14.00 Uhr/live bei Tele 5) einem Hochsicherheitstrakt. Einsatzfahrzeuge stehen an jeder Ecke rund um den Gebäudekomplex, im Inneren der Anlage sind die uniformierten Beamten eindeutig in der Überzahl.
Hinzu kommen ganze Legionen von Sicherheitskräften und Personenschützern in Zivil, die die Israelis auf Schritt und Tritt begleiten. Mit Beginn der Spiele werden die Zuschauer durch Personenscanner einzeln in die Halle geschleust, zusätzlich werden feine Hundenasen zur Lokalisierung von Sprengstoff eingesetzt. "Alsdorf ist an diesem Wochenende wahrscheinlich einer der sichersten Orte der Welt", sagt Veranstalter Jacques Kloppert.
Über die speziellen Maßnahmen zur Vorbeugung von Gewalt und Terror spricht Kloppert nicht, Sicherheitsvorkehrungen greifen nur, wenn sie nicht öffentlich durchschaubar sind. Die israelischen Spieler sind es gewohnt, sie stehen auf der Tennistour rund um den Erdball ständig unter besonderer Bewachung.
"Was daheim passiert, ist so schrecklich, dass man darüber eigentlich gar nicht sprechen kann", sagt Levy. Jeden Tag telefoniert er mindestens zweimal mit den Eltern, die in einem Vorort von Tel Aviv leben, und jedes Mal ist da die furchtbare Angst vor einer weiteren Schreckensnachricht: "So viele meiner Freunde haben schon Angehörige verloren."
Als sich der heute 25-jährige Levy mit sieben Jahren wie so viele seiner Altersgenossen zwischen Fußball und Tennis entschied, sah die Welt noch anders aus. Seine Eltern meldeten ihn damals im Israel Tennis Centre (ITC) in Ramat Hasharon an, dessen Gründer Ian Froman 1976 vor allem die Idee der grenzübergreifenden Integration antrieb.
Im ITC waren Kinder aus allen sozialen, kulturellen und religiösen Gruppen vertreten. Juden und Araber, Moslems und Christen waren friedlich vereint in dem Gedanken, es in ihrem Sport so weit wie möglich zu bringen. "Damals", erinnert sich Levy, "waren auch viele palästinensische Kinder dabei." Das ist heute nicht mehr der Fall, was Levy schrecklich findet: "Es gibt immer gute und böse Menschen, aber dabei spielt doch die Nationalität keine Rolle."
Ein Tennisprofi denkt global, und davon lässt sich Levy trotz des fast alltäglichen Grauens in seiner Heimat nicht abbringen. Er will sich nicht verstecken, sondern weiterhin offen und ohne Vorurteile jedem Menschen gegenübertreten. Manchmal, das gibt er zu, muss er dabei allerdings Ängste überwinden, die früher nicht da waren: "Seitdem Kinder zu lebenden Bomben geworden sind, kann man selbst den Kleinsten nicht mehr unbeschwert begegnen. Das ist fast das Allerschlimmste daran."
Israels Teamkapitän Amos Mansdorf mag es nicht so gerne, wenn seine Spieler allzu viel über Politik reden: "Wir sind Athleten, wir spielen hier Daviscup, und wir wollen versuchen, unser Land so gut wie möglich sportlich zu repräsentieren." Der 38-Jährige, der in seiner Zeit als Tourprofi unter anderem sechs Turniere gewann, will die trüben Gedanken an Tod und Terror weitgehend von seinen Spielern fern halten: "Wenn man sich nicht ständig damit beschäftigt, verliert das Grauen ein bisschen sein Gesicht." Vermutlich ist das leichter gesagt als getan.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







