Fünfsatz-Niederlage im Doppel: Daviscup-Team gescheitert
zuletzt aktualisiert: 08.02.2003 - 21:26Buenos Aires (rpo). Der viel geschworene Teamgeist hat dem deutschen Daviscup-Team nicht geholfen. Gegen Argentinien ist schon nach dem Doppel alles verloren. Jetzt muss die Mannschaft in der Relegation um den Klassenerhalt in der Weltgruppe kämpfen.
In Buenos Aires kassierten Rainer Schüttler/Michael Kohlmann mit dem 1:6, 6:0, 6:4, 1:6, 2:6 in einem spannenden Doppel gegen David Nalbandian und Lucas Arnold das 0:3 gegen Argentinien, das den erneuten Gang in die Relegation besiegelte. Die Südamerikaner haben im Viertelfinale gegen Titelverteidiger Russland oder Tschechien erneut ein Heimspiel.
Am Freitag hatten der völlig indisponierte Rainer Schüttler beim 2:6, 3:6, 0:6 gegen Gaston Gaudio und Daviscup-Debütant Lars Burgsmüller beim 1:6, 6:7 (4:7), 5:7 gegen Wimbledonfinalist Nalbandian ihre Auftakteinzel verloren. Die beiden abschließenden Matches am Sonntag (ab 15.00 Uhr MEZ) werden als so genannte "dead rubber" über jeweils zwei Gewinnsätze gespielt und haben nur noch statistischen Wert.
Deutschlands Teamchef Patrik Kühnen hatte sich erst am späten Samstagabend entschieden, Schüttler anstelle von David Prinosil für das Doppel zu nominieren. Im ersten Satz enttäuschten die beiden auf der ganzen Linie. Schüttler traf kaum einen Ball und schlug unzählige Returns ins Netz, Kohlmann kassierte in seinen beiden Aufschlagspielen jeweils ein Break, und bei den druckvollen Angriffsbällen der Argentinier liefen die beiden Deutschen wie aufgescheuchte Hühner über den Platz. Hinzu kam, dass der Stuhlschiedsrichter einige recht zweifelhafte Entscheidungen zugunsten der Gastgeber traf.
"Edel-Fan" Haas fieberte mit
Doch auf einmal wachte Schüttler auf. Bei Temperaturen, die sich der 40-Grad-Grenze näherten, kam der 26-Jährige auf dem knochenharten Platz mehr und mehr in Fahrt. Plötzlich war Schüttler überall, er spielte brillante Volleys, hetzte von Ecke zu Ecke, schlug präzise Longline-Bälle und kaschierte damit die Tatsache, dass Michael Kohlmann nicht seinen besten Tag erwischt hatte. 6:0 hieß es am Ende des zweiten Satzes für Deutschland, und endlich kam auch in der kleinen deutschen Fangruppe die typische Daviscup-Stimmung auf. Vor allem Tommy Haas hielt es nicht auf seinem Stuhl, immer wieder sprang der "Edel-Fan" hoch und feuerte seine Kollegen lautstark an.
Die Atmosphäre in dem mit 8000 Zuschauern restlos gefüllten Stadion vibrierte ebenso wie die brütend heiße Luft. Südamerikanische Emotionen brachen sich nicht immer sportlich-fair ihre Bahn, als Schüttler im dritten Satz scheinbar noch einen Gang zulegte und das Doppel phasenweise im Alleingang bestritt. Die Argentinier zeigten Nerven, der anfangs überragende Lucas Arnold und "Einpeitscher" David Nalbandian wackelten gegen den eiskalten Rainer Schüttler, der mit stoischer Miene Punkt um Punkt vorbereitete und meistens auch selber machte. Und wenn Schüttler dann doch mal zu spät kam, stand Kohlmann parat und machte wichtige Punkte am Netz.
Kohlmanns Verletzung der Anfang vom Ende
Als "Kohle" anfangs des vierten Satzes mit dem linken Knöchel umknickte und von Physiotherapeut Klaus Eder einen Tapeverband verpasst bekam, leitete das die Wende zugunsten der Argentinier ein. Schüttler konnte gleich im ersten Spiel des vierten Satzes vier Breakchancen gegen Nalbandian nicht nutzen und verlor in der Folge seinen Aufschlag zum 0:2. Nichts ging in diesem vierten Durchgang, am Ende gelang Argentinien mit einem 6:1 der 2: 2-Satzausgleich.
Der Hexenkessel kochte über, als Arnold und Nalbandian im fünften und entscheidenden Satz das Break zum 2:1 gegen den zusehends schwächer werdenden Michael Kohlmann gelang. Wie elektrisiert dirigierte Nalbandian die tobenden Massen, die Schlachtgesänge der Fans wollten überhaupt nicht mehr aufhören. Nichts ging mehr bei den Deutschen, die nach 3:13 Stunden den zweiten Matchball der Argentinier kassierten und zum zweiten Mal hintereinander in die Relegation müssen.
ERGEBNISÜBERSICHT
Argentinien - Deutschland 3:0
Gaston Gaudio - Rainer Schüttler 6:2, 6:3, 6:0 David Nalbandian - Lars Burgsmüller 6:1, 7:6 (7:4), 7:5 David Nalbandian/Lucas Arnold - Rainer Schüttler/Michael Kohlmann 6:1, 0:6, 4:6, 6:1, 6:2
Australien - Großbritannien 3:0
Lleyton Hewitt - Alex Bogdanovic 7:5, 6:1, 6:2 Mark Philippoussis - Alan Mackin 6:3, 6:3, 6:3 Lleyton Hewitt/Todd Woodbridge - Arvind Parmar/Miles MacLagan 6:1, 6:3, 4:6, 6:2
Rumänien - Frankreich 0:3
Adrian Voinea - Sebastien Grosjean 2:6, 3:6, 6:7 (10:12) Andrej Pavel - Nicolas Escude 6:7 (2:7), 2:6, 6:7 (5:7) Andrej Pavel/Gabriel Trifu - Fabrice Santoro/Michaael Llodra 4:6, 3:6, 6:7 (4:7)
Niederlande - Schweiz 2:1
Sjeng Schalken - Michel Kratochvil 6:3, 7:5, 1:6, 4:6, 6:4 Raemon Sluiter - Roger Federer 2:6, 1:6, 3:6 Paul Haarhuis/Martin Verkerk - Roger Federer/George Bastl 3:6, 6:3, 6:4, 7:5
Schweden - Brasilien 1:2
Andreas Vinciguerra - Gustavo Kuerten 1:6, 4:6, 4:6 Jonas Björkmann - Andre Sá 6:4, 5:7, 6:2, 4:6, 6:1 Jonas Björkmann/Magnus Larsson - Gustavo Kuerten/Andre Sá 4:6, 6:2, 7:5, 2:6, 2:6
Kroatien - USA 2:1
Ivan Ljubicic - Mardy Fish 7:5, 6:3, 6:4 Mario Ancic - James Blake 1:6, 2:6, 6:7 (5:7) Goran Ivanisevic/Ivan Ljubicic - James Blake/Mardy Fish 3:6, 4:6, 7:6 (7:4), 6:4, 6:4
Spanien - Belgien 3:0
Juan Carlos Ferrero - Christophe Rochus 6:3, 6:2, 7:5 Carlos Moya - Xavier Maliesse 7:6 (7:2), 6:1, 7:6 (7:5) Albert Costa/Alex Corretja - Olivier Rochus/Kristof Vliegen 6:4, 4:6, 6:3, 3:6, 8:6
Tschechien - Russland 1:2
Jiri Novak - Nikolai Dawidenko 6:4, 4:6, 6:1, 6:1 Radek Stepanek - Michail Juschni 6:3, 6:7 (8:10), 7:6 (8:6), 2:6, 3:6Martin Damm/Cyril Suk - Jewgeni Kafelnikow/Michail Juschni 6:7 (1:7), 6:4, 3:6, 3:6
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