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Muhammad Ali feiert Geburtstag: Der Größte wird ganz still 65

VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 17.01.2007 - 10:41

Michigan (RP). Muhammad Ali ist wohl der beste und spektakulärste Schwergewichts-Boxer der Geschichte. Nach seiner turbulenten Karriere auf extrem schnellen Beinen ereilte ihn ein schweres Schicksal. Der einstige Prahlhans leidet seit einem Vierteljahrhundert an der Parkinson-Krankheit.

Er konnte sich inszenieren wie kein Zweiter. Der ganze Mann war eine Erscheinung, seine Auftritte waren weltweit beachtete Ereignisse. Milliarden lagen ihm zu Füßen - auch ein Großteil seiner Gegner. Heute vollendet Muhammad Ali sein 65.Lebensjahr in relativer Abgeschiedenheit, nur im engsten Familienkreis in Michigan - mit seiner vierten Frau Lonnie und einigen seiner neun Kinder.

Das Schicksal, das es einst so gut mit ihm meinte, hat ihm eine harte Prüfung auferlegt. Er leidet, im fortgeschrittenen Stadium, an der Parkinson-Krankheit. Der Größte, wie er sich in der ihm eigenen Bescheidenheit während seiner großen Zeit selbst bezeichnete, siecht förmlich dahin. Als ihm die Fans im November, während eines Kampfs seiner Tochter Leila Ali im New Yorker Madison Square Garden ergriffen huldigten, musste er gestützt werden und konnte nicht einmal mehr die Hand zum Gruß heben.

Welch erschütternder Niedergang eines vormals selbstverliebten Menschen, der den Narzissmus auf die Spitze trieb. Während er sich selbst erhöhte, begegnete er seinen Rivalen mitunter einschüchternd und respektlos, verhöhnte und verachtete sie. Es reichte ihm nicht, dass er die edle Kunst des Faustkampfs auf eine neue Ebene hob. Er trachtete danach, seine Gegner verbal zu demütigen. In seinen besten Tagen tat er dies sogar in Versform und trug die Schmähungen im Stil eines Rappers vor. Dass er der Größte sei, schrie er ohne Unterlass in die Welt hinaus. Einer seiner Lieblingssprüche lautete: „Ich schwebe wie ein Schmetterling und steche zu wie eine Biene.“

Damit beschrieb er ziemlich treffend seinen extraordinären Kampfstil. Ali, 193 cm groß und 95 kg schwer, war so schnell auf den Beinen wie ein Federgewichtler. Er pendelte die Schläge seiner Kontrahenten so gekonnt aus, dass er sie der Lächerlichkeit preisgab. Für seine flinken Schrittkombinationen im Ring kreierte er prahlerisch den Begriff „Ali Shuffle“.

Als Sohn eines Schildermalers und einer Köchin wurde er 1942 mit dem Namen Cassius Clay in Louisville/Kentucky geboren. Mit zwölf Jahren ging er erstmals zum Boxtraining. 1960 in Rom gewann er die olympische Goldmedaille - im Halbschwergewicht. Unmittelbar danach trat er ins Profilager über. Im Februar 1964 zermürbte er als krasser Außenseiter den als unbezwingbar geltenden Sonny Liston, der in der sechsten Runde aufgab, und holte sich erstmals den WM-Titel im Schwergewicht. Mit weit aufgerissenem Mund und stechendem Blick brüllte er in die Mikrofone: „Ich habe die Welt aufgerüttelt, ich bin der König der Welt.“

Da hieß er noch Cassius Marcellus Clay. Am Tag danach trat er zum Islam über und schloss sich einer radikalen Sekte an. Fortan hörte er auf den Namen Muhammad Ali. Im Rückkampf streckte er Liston bereits nach 105 Sekunden der ersten Runde nieder. Hasserfüllt schrie er Schmähungen auf sein Opfer hinab. „Steh auf, du Penner!“, forderte er Liston auf.

Dann der große Bruch in seiner Karriere. Am 28. April 1967 verweigerte Ali den Kriegsdienst mit dem Hinweis, dass er nichts gegen den Vietkong habe. Ihm wurden die Box-Lizenz und der Reisepass entzogen, der Titel wurde aberkannt. Eine fünfjährige Haftstrafe brauchte er nach Hinterlegung einer hohen Kaution nicht anzutreten.

1970 durfte Ali wieder in den Ring steigen. Es folgten die spektakulären „Kämpfe des Jahrhunderts“ - zunächst die beiden Niederlagen gegen Ken Norton, der ihm sogar einen Kieferbruch zufügte, dann der „Rumble in the Jungle“ (Donnergrollen im Dschungel) in Kinshasa, der Hauptstadt Zaires (heute Demokratische Republik Kongo). In der achten Runde ging der massige George Foreman zu Boden, und Ali hatte sich die Krone wieder aufgesetzt, die ihm sieben Jahre zuvor weggenommen worden war. Schließlich der „Thrilla in Manila“mit dem Abbruch in der 14. Runde, weil die Augen von Joe Frazier völlig zugeschwollen waren. Ein drittes Mal holte sich Ali 1978 den Titel gegen Leon Spinks, der ihn ein halbes Jahr zuvor entthront hatte.

Danach machten sich bereits erste Vorzeichen seiner schweren Krankheit bemerkbar. Nach dem Rücktritt 1981 hatte Ali noch einmal einen großen Auftritt. Bei den Spielen 1996 in Atlanta durfte er vor der Welt das Olympische Feuer entzünden. Die Nation hatte mit ihm, und er hatte mit der Nation seinen Frieden gemacht.

Quelle: RP

 
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