French Open: Der Höhenflug des Nikolaj Dawydenko
zuletzt aktualisiert: 02.06.2005 - 12:28Paris (rpo). Er kann es sich selber kaum erklären. Nikolaj Dawydenko steht bei den French Open überraschend im Halbfinale. Der Russe, der auf den Argentinier Mariano Puerta trifft, wohnt übrigens nicht in seinem Heimatland. Wenn Nikolaj Dawydenko nicht auf der Tennistour unterwegs ist, entspannt er bei seinem Bruder Eduard in Salmtal bei Trier.
Dort hat sich der Russe mit der bewegten Lebensgeschichte wohl auch die Kraft für die bisher beste Saison seines Lebens geholt, denn am Mittwoch erreichte er einen Tag vor seinem 24. Geburtstag am 2. Juni mit einem 3:6, 6:1, 6:2, 4:6, 6:4-Sieg über den Spanier das Halbfinale der French Open. Nicht wenige trauen ihm noch mehr zu, wenn er am Freitag auf den Argentinier Mariano Puerta trifft, den zweiten Überraschungsmann in Paris.
"Aber jetzt will ich erstmal Paris genießen"
Bereits mit dem Halbfinaleinzug in Roland Garros hat keine Erklärung für seinen Höhenflug, mit dem er es erstmals unter die ersten Zehn in der Entry List geschafft hat. In Euphorie bricht der Mann mit dem schon etwas schütteren blonden Haar deshalb aber nicht aus: "Vielleicht spiele ich ja noch drei Wochen gut, und dann läuft es nicht mehr. Aber jetzt will ich erstmal Paris genießen."
Sein Weg in die französische Hauptstadt und auf die ganz große Tennisbühne war alles andere als unkompliziert. Der schüchterne Dawydenko beschreibt ihn so: "Ich wurde in der Ukraine geboren, aber es war nicht immer die Ukraine. Es war Sewerodonezk. Danach bin ich nach Russland, nach Wolgograd gegangen. Aber ich hatte nicht die russische Staatsbürgerschaft. Auch die ukrainische nicht. Ich hatte zwar einen Pass, aber darin stand einfach nur: Kein russischer Staatsbürger. Das wurde ich dann erst mit 16 oder 17."
Zwei Jahre zuvor war er mit seinem elf Jahre älteren Bruder Eduard, der bis heute auch sein Trainer ist, nach Deutschland gekommen. "Die Trainingsmöglichkeiten waren nicht so gut in Russland. Ich hätte immer zwischen Wolgograd und Moskau hin- und herpendeln müssen. Von Deutschland aus ist alles viel einfacher. Es ist sehr schön dort", erzählt Dawydenko, der in der dritten Runde von Paris dem deutschen Mannschafts-Weltmeister Tommy Haas beim 7: 5, 6:0, 6:0 eine Lehrstunde erteilte.
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