Pressestimmen zum Biedermann-Triumph: "Der junge Hulk schlägt den Kannibalen"
zuletzt aktualisiert: 29.07.2009 - 17:48Düsseldorf (RPO). Schwimm-König Paul Biedermann schlug am Tag eins seiner Regentschaft die Zeitung auf und schaute als erstes in sein eigenes Gesicht. "Gold, Paul, Gold", stand in großen Lettern in der Gazzetto dello Sport über einer einseitigen Anzeige seines Ausrüsters. "Ganz schön groß", meinte Biedermann trocken.
Im Wasser, seinem Element, hatte Biedermann den unschlagbar scheinenden Michael Phelps über 200 Meter Freistil mit einem Fabel-Weltrekord entthront, die Medien überfluteten den Doppel-Weltmeister nach dem Sieg im Gigantenduell mit Lobeshymnen - doch Biedermann selbst war der Hype um seine Person eher unangenehm.
"Ich will so bleiben, wie ich bin. Ich hoffe, dass sich nicht allzu viel in meinem Leben ändert", sagte Biedermann: "Vielleicht werden mich jetzt einige Leute mehr auf der Straße erkennen."
Auf seinen zweiten Coup im Foro Italico hatte Biedermann am Abend noch mit einem Glas Sekt an der Poolbar des Mannschaftshotels angestoßen. "Die Weltrekorde von Ian Thorpe und Michael Phelps waren ja nicht irgendwelche Zeiten. Das ist schon ein großartiges Gefühl", sagte der 22-Jährige aus Halle/Saale.
Biedermann strebt auch ein gutes Verhältnis zum gestürzten Phelps an. "Ich hoffe, dass wir irgendwann mal die Zeit haben, in Ruhe miteinander zu reden. Ich hoffe, dass wir einen vernünftigen Kontakt haben können", sagte der 22-Jährige aus Halle/Saale.
Doch gleichzeitig richtete Biedermann eine weitere Kampfansage an den Rekord-Olympiasieger. "Ich finde es sogar gut, wenn es ab dem nächsten Jahr wieder in Badehose ins Wasser geht und die Bedingungen für alle gleich sind. Ich bin jetzt der Gejagte und nicht mehr der Jäger. Aber ich bin auf jeden Fall noch nicht am Ende meiner Entwicklung."
Während Biedermann seinen Sieg in aller Ruhe genoss und sich von den Strapazen erholte, sucht Phelps Trost beim Papst. Mit seiner Mutter Debbie und tausend weiteren Schwimmern wird der deklassierte und gedemütigte US-Star am Samstag an einer Audienz von Papst Benedikt XVI. in der Sommerresidenz Castell Gandolfo teilnehmen.
Phelps-Trainer Bob Bowman erwies sich als schlechter Verlierer und ging in der Diskussion um die ab Januar verbotenen High-Tech-Anzüge auf den Weltverband FINA los. "Es wird Zeit, dass dieser Wahnsinn ein Ende hat. Das Verbot sollte von der FINA auf jeden Fall ab Januar 2010 umgesetzt werden", sagte Bowman und drohte mit einer Auszeit für Phelps: "Ich möchte Michael nicht nochmal in so einer Situation sehen wie gegen Biedermann. Es ist auch meine Aufgabe als Coach, Michael zu schützen."
Die Medien in Italien huldigten Biedermann. "Der Deutsche ist eine Rakete, er fliegt im Wasser", schrieb La Repubblica und fügte mit Blick auf Phelps hinzu: "Der Unbesiegbare ist wieder normal. Der Gott des Wassers ist wieder ein Mensch. Stark, aber nicht unbesiegbar. Der Pfeil, der Phelps getroffen hat, ist Paul Biedermann."
Die Corriere dello Sport befand: "Phelps muss vor dem unbremsbaren Paul Biedermann kapitulieren." Für die Gazzetta dello Sport ist "ein Mythos zusammengebrochen".
Biedermann faltete nach Ende der Lektüre mit einem Lächeln die Zeitung zusammen. "Ich werde jetzt noch ein paar Bahnen im Wasser ziehen und dann am Abend die Finalläufe verfolgen", sagte der neue Schwimm-Held. Zudem wollte er auch noch den Wunsch seiner Freundin Jule "nach ein paar Stunden für uns" nachkommen.
Danach konzentriert sich Biedermann schon wieder auf den Start mit der Staffel. Zum Anschauen der Sehenswürdigkeiten bleibt keine Zeit. Zumindest das Kolosseum wird der "Gladiator" aber zu Gesicht bekommen. Dort sollen die zwei Goldmedaillen bei einem Medientermin am Donnerstag vor passender Kulisse zur Schau gestellt werden.
"Am Montag fliege ich zurück. Dann werde ich drei Wochen Pause machen", sagte Biedermann: "Und dann freue ich mich auf das nächste Jahr. Ich bin gespannt, wie es dann in Badehose weiter geht. Ich bin auf jeden Fall hoch motiviert und möchte 2010 meinen EM-Titel verteidigen."
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