Grönefeld holt dritten Punkt: Deutsche Tennis-Damen für Aufstiegsrunde qualifiziert
zuletzt aktualisiert: 24.04.2005 - 21:59Essen (rpo). Nach der Pflicht folgt nun die Kür: Die deutsche Fed-Cup-Mannschaft um die neue Teamchefin Barbara Rittner hat das Ticket für die Play-off-Runde um den Aufstieg in die Weltgruppe 1 gelöst. In der Partie gegen Indonesien in Essen holte die Nordhornerin Anna-Lena Grönefeld mit dem 6:0, 6:2 gegen Wynne Prakusya am Sonntag den entscheidenden dritten Punkt.
Am Samstag hatten Grönefeld mit dem 6:3, 6:1 gegen Abu Fani Damayantin und Julia Schruff (Stuttgart) mit dem 6:1, 6:0 gegen Prakusya bereits die Weichen auf Sieg gestellt.
Frischen Wind hat die umtriebige Barbara Rittner in das Team gebracht, sie hat alte Gräben zugeschüttet und eine neue Vertrautheit in einer lange Jahre zerstrittenen Mannschaft eingeführt. Doch trotz des sportlichen Erfolges, den Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) mit zwei Siegen gegen Abu Fani Damayanti (6:3, 6:1) und Wynne Prakusya (6:0, 6:2) sowie Julia Schruff (Stuttgart) mit dem 6:1, 6:0 gegen Prakusya vorzeitig besiegelten, plagen den DTB nach wie vor die alten Sorgen. Insgesamt kamen an den beiden Tagen lediglich 1.400 Zuschauer an den Baldeneysee, was ein hohes fünfstelliges Defizit zur Folge hatte. "Die Einnahmeseite ist uns ziemlich weggebrochen", stellte von Waldenfels fest.
Nächstes Heimspiel im Düsseldorfer Rochusclub?
Doch während DTB-Sportdirektor Klaus Eberhard sich bei einem weiteren Heimspiel im Juli vehement für einen kleinen Austragungsort einsetzt ("In kleinen Gemeinden sind die Spielerinnen kleine Stars, da ist dann auch die Hütte voll"), will von Waldenfels nach Möglichkeit am Ambiente einer Großstadt und eines großen Vereins festhalten. Der Düsseldorfer Rochusclub, seit 28 Jahren Schauplatz der Mannschafts-Weltmeisterschaft, ist dabei eine der ersten Optionen des Präsidenten: "Eine traumhafte Anlage und absolute Profis in der Organisation." Dietloff von Arnim, Turnierdirektor des Arag World Team Cups, hat Gesprächsbereitschaft signalisiert: "Wenn eine offizielle Anfrage des DTB kommt, wären wir sehr offen."
Die sportlichen Voraussetzungen jedenfalls hat die Mannschaft in Essen geschaffen. Wenn Anna-Lena Grönefeld, mit ihren 19 Jahren Deutschlands neue Nummer eins, sich und ihr Spiel konsequent weiter entwickelt, wird sie schon sehr bald eine souveräne Leitfigur werden. Noch ist die 1,80 m große Blondine ein wenig schüchtern, noch ist ihr Spiel auf dem Platz ein wenig zu statisch und durchschaubar. Bei Trainer Rafael Font de Mora in Arizona will sie fern der Heimat zur Weltklassespielerin heranreifen, sich dabei allerdings jederzeit in den Dienst der Fed-Cup-Mannschaft stellen: "Wenn Barbara mich ruft, werde ich immer kommen. Ich bin stolz darauf, für Deutschland zu spielen."
Als Nummer zwei zeigte Julia Schruff in Essen eine hervorragende Leistung. Die zierliche Schwäbin, für die eine Karriereplanung a la Grönefeld undenkbar wäre ("Ich würde nie von daheim weggehen"), fertigte Wynne Prakusya souverän ab und begeisterte die Zuschauer vor allem mit ihren sehenswerten Stops, die sie aus fast jeder Situation heraus spielen kann. Als Einzelspielerin steht außerdem noch Rückkehrerin Anca Barna (Nürnberg) zur Verfügung, die sich nach einem von Barbara Rittner vermittelten Gespräch mit Georg von Waldenfels in Essen mit dem Deutschen Tennis Bund aussöhnte. Zudem stehen die 17-jährigen Andrea Petkovic, Angelique Kerber, Tatjana Malek und Laura Siegemund als aussichtsreiche Nachwuchskräfte zur Verfügung.
"Wir müssen im Moment kleinere Brötchen backen"
Klaus Hofsäss, der langjährige Damen-Bundestrainer, der mit Steffi Graf 1987 und 1992 den Fed Cup gewann, mag deshalb auch nicht von einer Misere des deutschen Damentennis sprechen. "Wir müssen halt im Moment etwas kleinere Brötchen backen, aber man darf auch nicht vergessen, dass 1.400 Zuschauer bei einem vergleichsweise unattraktiven Gegner wie Indonesien nicht schlecht sind", sagte Hofsäss, der Barbara Rittner jegliche Unterstützung zugesagt hat: "Sie muss in dieser Situation vieles alleine machen, darf sich dabei aber nicht verzetteln."
In ihrer Rolle als Teamchefin müsse sie sich ausschließlich um den A- und den Anschlusskader kümmern, nicht aber um jüngere Altersklassen. "Barbaras Bestreben muss es sein, die aktuellen Spielerinnen weiter nach oben zu führen", sagte Hofsäss: "Wenn die erste wieder Top-20 spielt, dann haben wir es geschafft, dann läuft vieles wieder von selbst." Auch Hofsäss will den Fed-Cup nicht aufs Land abschieben: "Das Motto muss sein: erster Klasse in die erste Klasse."
Deutschland spielt in der Play-off-Runde, die am 3. Mai ausgelost und am 9./10. Juli gespielt wird, um den Aufstieg in die Weltgruppe 1 2006. Mögliche Gegner sind unter anderem Argentinien, Belgien, Italien, Österreich und Titelverteidiger Russland.
Russland, Frankreich und Spanien im Halbfinale
Titelverteidiger Russland, Vorjahresfinalist Frankreich und Spanien stehen im Halbfinale des Fed-Cups. Die Französinnen setzten sich in Pörtschach 4:1 gegen Gastgeber Österreich durch, die Russinnen gewannen in Brindisi gegen Italien. Spanien schlug in Jerez Argentinien mit 3:2. Im Halbfinale kommt es nun zum Nachbarschaftsduell zwischen Frankreich und Spanien. Russlands Vorschlussrunden-Gegner ist die USA, die nach drei Einzeln in Delray Beach uneinholbar mit 3:0 gegen Belgien führte.
Nachdem am Samstag Frankreich und Österreich je ein Einzel gewonnen hatten, holten am Sonntag Virginie Razzano durch ein 6:3, 7:6 (7:2) gegen Yvonne Meusburger und Nathalie Dechy durch ein 7:6 (7:5), 6:2 gegen Tamira Paszek schon vor dem abschließenden Doppel die entscheidenden Punkte für Frankreich.
Die Entscheidung zugunsten Russlands schaffte die Weltranglistenfünfte Jelena Bowina, die Maria-Elena Camerin 6:3, 3: 6, 6:2 besiegte. Im ersten Einzel des Tages hatte Jelena Dementjewa Francesca Schiavone 4:6, 7:6 (7:2), 6:0 besiegte und ihr Team damit auf die Siegerstraße gebracht.
Am Samstag hatte Dinara Safina ihr erstes Fed-Cup-Match für Russland mit 5:7, 3:6 gegen Schiavone verloren. Anschließend gelang Bowina mit einem 6:3, 6:3-Erfolg gegen Tathiana Garbin der Ausgleich für Russland, das auf seine Grand-Slam-Siegerinnen Maria Scharapowa, Anastasia Myskina und Swetlana Kusnezowa verzichten musste.
Einen schon sicher geglaubten Sieg gaben die Spanierinnen beinahe noch aus der Hand. Mit einer 2:0-Führung waren sie in den Sonntag gestartet, verloren dann jedoch ihre beiden Einzel, so dass die Entscheidung im Doppel zwischen Nuria Llagostera Vives/Anabel Medina Garrigues und Gisela Dulko/Maria Emilia Salerni fallen musste. 6:4, 6:4 entschieden es die Gastgeberinnen für sich.
Den Erfolg der USA machte am Sonntag die Australian-Open-Finalistin Lindsay Davenport perfekt, als sie gegen die Belgierin Els Callens miz 6:4, 6:0 gewann und ihr Team mit 3:0 in Führung brachte.
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