Schwimmen: Die Wachablösung hat begonnen
VON STEFANIE SANDMEIER - zuletzt aktualisiert: 23.04.2008 - 20:12Düsseldorf (RP). Der Generationenwechsel bei den Schwimmern ist schon vor Olympia in vollem Gange. Helge Meeuw und Paul Biedermann sollen die männlichen Hauptdarsteller in Peking werden. Bei den Frauen ruhen die Hoffnungen auf Britta Steffen und Annika Lurz.
Seit Helge Meeuw richtig laufen kann, schwimmt er besser. Das sagt er selbst. „Früher habe ich schon nach zehn Minuten mit Seitenstechen erschöpft am Baum gehangen“, erklärt der 23-Jährige. Jetzt hat er seinen Laufstil im Training geändert und legt größeren Wert auf Kondition.
Und das macht sich im Becken bemerkbar. Bei den Deutschen Meisterschaften in Berlin - gleichzeitig einzige Olympiaqualifikation - besiegte er über 100 Meter Rücken nicht nur den Dauerrivalen und acht Jahre älteren Thomas Rupprath, sondern verbesserte in 53,10 Sekunden auch seinen eigenen Europarekord um fast vier Zehntelsekunden.
Schneller waren bislang nur die Amerikaner Michael Phelps und Aaron Peirsol. Dennoch ist der Sohn der Spitzenschwimmer Jutta Weber und Folkert Meeuw nicht zufrieden: „Seit Sommer habe ich die Olympianorm vierzehn-, fünfzehnmal unterboten, aber ich bin noch nicht da, wo ich hinwill.“
Auch Paul Biedermann gleitet derzeit auf einer Erfolgswelle. Er bestätigte in Berlin, dass sein EM-Titel über 200 Meter Freistil keine Eintagsfliege war, und auch er unterbot seinen eigenen Rekord. Das macht Mut für Peking. Und schafft Hoffnung auf eine olympische Medaille für die ansonsten wenig aussichtsreichen deutschen Schwimmer. Denn die Titel von Berlin sind trügerisch.
14 Schwimmer haben das Ticket für China zwar gelöst - drei sogar in Europarekordzeit. Doch im weltweiten Vergleich reichen die meisten Bestmarken nicht aus, um gegen Nationen wie die USA oder Australien bestehen zu können.
An den 39 in diesem Jahr aufgestellten Weltrekorden waren Deutsche nicht beteiligt. Derzeit deutet alles darauf hin, dass allenfalls noch Britta Steffen - sie hat sich über 100 Meter Freistil mit Europarekord qualifiziert - und Annika Lurz Aussichten auf eine Einzel-Medaille haben.
Steffen fehlen auf ihrer Paradestrecke 0,32 Sekunden auf Weltrekordlerin Lisbeth Trickett aus Australien. Lurz schwimmt über 200 Meter mehr als zwei Sekunden langsamer als Weltrekordlerin Laure Manaudou aus Frankreich. Doch die hat ihren Olympiastart über diese Strecke ebenso abgesagt wie Britta Steffen.
Meeuw, Biedermann, Steffen und Lurz - das sind die Schwimmer der Stunde. Athleten wie Thomas Rupprath oder Antje Buschschulte, die sich im Einzel nicht qualifiziert hat, und die nach Olympia ihre Karriere beenden wollen, schwimmen schon jetzt gegen einen Strom, der sie ins Abseits zieht.
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