Reitsport: Doping? – Pferd erlitt Schock bei Olympia
zuletzt aktualisiert: 04.05.2009 - 12:32Berlin (RP). Dem deutschen Reitsport droht gut acht Monate nach den Olympischen Spielen in der Außenstelle Hongkong eine weitere Doping-Affäre. Dem Hengst Cornet Obolensky des deutschen Reiters Marco Kutscher (Hörstel) wurde in Hongkong nach der ersten Runde im Nationenpreis eine Spritze mit den Präparaten Arnika und Lactanase verabreicht.
"Das stimmt. Mein Pferd wurde mit Arnika und Lactanase behandelt. Ob das angemeldet war, weiß ich nicht", sagte Kutscher. "Der Verband prüft den Fall", sagte Chef-Veterinär Michael Düe von der Deutschen Reiterlichen Vereinigung FN. Der "Spiegel" berichtete.
Inzwischen hat der langjährige Mannschaftstierarzt Dr. Björn Nolting (Weilerswist) wie folgt Stellung bezogen: "Nach der ersten Runde des Nationenpreises bei den Olympischen Spielen in Hongkong habe ich gemeinsam mit Marco Kutscher besprochen, sein Pferd Cornet Obolensky mit Lactanase und Arnika zwecks optimaler Regeneration der Muskulatur zu versorgen. Unglücklicherweise nahm die Pflegerin ohne Rücksprache und völlig voreilig die Behandlung vor, bevor ich die erforderliche Freigabe für eine Injektion einholen konnte. Mir wurde die Problematik erst in dem Moment bewusst, als ich zu dem Hengst gerufen wurde, der nach der Verabreichung einen kurzzeitigen Schwächeanfall gezeigt hatte. Aufgrund des dort herrschenden Trubels habe ich beschlossen - hierfür übernehme ich die Verantwortung - Stillschweigen zu bewahren."
Am Sonntag gab die FN bekannt, dass sie vorerst auf ein eigenes Ermittlungsverfahren verzichten würde. Die FN, die seit Wochen von dem Fall weiß, stützte sich bei ihrer Entscheidung auf den Bericht des unabhängigen Gutachters Rainer Martens, Mitglied des Obersten Sportgerichtshof CAS in Lausanne.
Die Behandlung mit den Substanzen zur Förderung des Stoffwechsels soll mit dem deutschen Tierarzt Björn Nolting abgesprochen gewesen sein. Sollte der Vorgang aber nicht offiziell angemeldet gewesen sein, droht Ärger. Für den Wettkampf im Reitsport gilt die Nulllösung. Dem Reiter droht ein nachträgliches Verfahren.
Kutscher betonte, dass das Pferd dabei allerdings nicht kollabierte oder gar fünf Minuten auf dem Boden lag. "Der Hengst hatte durch die Behandlung einen kurzfristigen Schock bekommen, geriet kurz ins Taumeln, war aber nach einigen Sekunden wieder okay", sagte Kutscher. Die deutsche Mannschaft belegte nur Platz fünf.
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