Frauen-Halbfinale der French Open: Doppelte Bauchlandung der Williams-Sisters
zuletzt aktualisiert: 02.06.2004 - 12:48Paris (rpo). Die Frech Open 2004 werden den berühmten Williams-Sisters in unguter Erinnerung bleiben. Nach der doppelten Bauchlandung verging ihnen das Lachen. Auf der Pressekonferenz gaben sie sich ungewöhnlich kleinlaut.
Gründlich bedient saß Serena im großen Interviewsaal des Stade Roland Garros und gab Auskunft über sich und die Gründe der bitteren Niederlage gegen die Landsfrau Jennifer Capriati (3:6, 6: 2, 3:6). "Ich habe es mir in diesem Jahr selbst schwer gemacht", klagte die 22 Jahre alte Amerikanerin: "Ich habe eine Menge Fehler gemacht, den Ball nicht im Spiel gehalten und bin nie aufgerückt ans Netz." Kurzum: "Ich habe gespielt wie ein Amateur."
Unprofessionell, amateurhaft - schlimmer kann man eine Serena Williams nicht beleidigen. Schwester Venus gab sich nach der noch überraschenderen Niederlage gegen die Russin Anastasia Myskina (3: 6, 4:6) wie gewohnt etwas moderater. "Es ist schade, weil ich nach meiner Köchelverletzung von Berlin noch nicht bei 100 Prozent war. Trotzdem war es eine gute Sandplatz-Saison für mich. Jetzt fliegen wir heim und bereiten uns auf das nächste Ereignis vor. Wir werden uns nicht zurücklehnen nach dieser Vorstellung, die weit unter unseren Erwartungen war. Eines kann ich versprechen: Für Wimbledon werden wir bereit sein."
Zwei Jahre ist es her, dass sich die Williams-Sisters im Finale der French Open gegenüberstanden. Nach einem erbärmlichen Match gewann die ein Jahr jüngere Serena den Sister Act I. - und regierte fortan das Damen-Tennis. Sie gewann vier der nächsten fünf Grand Slam-Turniere, nur in Paris 2003 scheiterte sie schon im Halbfinale an der späteren Siegerin Justin Henin-Hardenne (Belgien). Im August 2003 unterzog sich Serena Williams einer Knieoperation und musste acht Monate pausieren. Seitdem ist nichts mehr wie es einmal war.
Verkehrte Welt im verregneten Paris
Verkehrte Welt im verregneten Paris, anscheinend steht dem Damen-Tennis eine Zeitenwende bevor. Die nach einer Virusinfektion angeschlagene Titelverteidigerin Henin-Hardenne flog schon in Runde zwei raus, Vorjahres-Finalistin Kim Clijsters sagte verletzt ab - und dennoch sind die Williams-Sisters nicht mehr dabei. Kaum zu glauben, aber wahr.
Stattdessen stehen im Halbfinale am Donnerstag eine Amerikanerin, zwei Russinnen und eine Argentinierin: Die an Nummer sechs gesetzte Anastasia Myskina fordert Jennifer Capriati (Nr. 7), Parissiegerin von 2001. Und die an Nummer neun gesetzte Elena Dementiewa, die im Viertelfinale zum Entsetzen der Franzosen Amelie Mauresmo in zwei Sätzen (6:4, 6:3) aus dem Turnier warf, spielt gegen die an Nummer 14 gesetzte Paola Suarez. Wer vor Turnierbeginn darauf gesetzt hätte, hätte viel Geld bekommen.
Als Favoritin auf den silbernen "Coupe Suzanne Lenglen" gilt nun Jennifer Capriati. Seit drei Wochen arbeitet die 28-jährige Amerikanerin mit dem Schweizer Heinz Günthardt zusammen und seitdem geht es steil bergauf. Schon in Rom besiegte die Weltranglisten-6. ihre Angstgegnerin Serena Williams im Halbfinale, zuvor hatte sie achtmal in Folge gegen ihre Landsfrau verloren.
Capriati: Mit einem Plan auf den Plaz gehen
Was der langjährige Coach von Steffi Graf anders macht als Stefano Capriati, der sich bislang um seine Tochter kümmerte? "Wenn man so lange wie ich mit einem Trainer zusammenarbeitet, werden viele Dinge selbstverständlich", schilderte Jennifer Capriati den kleinen, aber feinen Unterschied. "Wenn ein neuer Coach auf der Bildfläche erscheint, öffnest du die Ohren und hörst ein bisschen genauer hin. Mit Heinz rede ich vor dem Match, was ich zu tun habe und gehe raus auf den Platz mit einem Plan. Das hilft."
Auch gegen Myskina, die zum ersten Mal überhaupt das Halbfinale eines Grand Slam-Turniers erreichte, wird Capriati attackieren. Viel Risiko mit der Vorhand, volle Kraft voraus. Schon als sie 2001 zum ersten Mal in Paris gewann, hatte sie zuvor im Viertelfinale Serena Williams besiegt. "Das sagt zwar nichts, aber manchmal wiederholt sich Geschichte", sagte Jennifer Capriati und lächelt. Ihr Optimismus hat einen guten Grund: Von bisher sechs Spielen gegen Myskina verlor sie nur eines.
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