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WTC: Argentinien im Finale: Ein simples Rezept

VON DIETER KODITEK - zuletzt aktualisiert: 20.05.2005 - 11:53

Düsseldorf (RP). Nach dem Sieg gegen Chile sind die Tennis-Profis aus Argentinien schon „Südamerika-Meister“. Nun wollen sie am Samstag auch den WM-Titel, möglichst in einem Finale gegen Gastgeber Deutschland.

Die Chilenen sind entthront, einige bemerkenswerte Serien haben ein Ende gefunden. Für die begeisterungsfähigen Fans aus dem Andenstaat war das kein Grund, Trübsal zu blasen. Sie feierten ihre Tennis-Helden, die zweimal hintereinander den Arag World Team Cup gewonnen hatten und gestern im Prestige-Duell gegen den Nachbarn Argentinien schon nach den Einzeln besiegt waren, ausgelassen und lautstark.

Nur einen halben Satz lang sah es so aus, als stünde den Chilenen auch die dritte Endspiel-Teilnahme offen. Fernando Gonzalez startete furios und ging gegen Gaston Gaudio mit 4:1 in Führung. Aber dann hatte er sein Pulver verschossen. Der Sieger der French Open 2004 übernahm das Kommando und ließ bis zum Matchball nur noch zwei Spielverluste zu. „Ich habe einfach angefangen, die Bälle ein bisschen härter zu schlagen. Danach hat es sich ein wenig verändert“, schilderte Gaudio nach dem 6:4, 6:2-Erfolg sein simples Rezept.

Erste Niederlage nach 15 Siegen

Damit endete die stolze Serie von Gonzalez, der 15 Spiele hintereinander bei dieser Weltmeisterschaft gewonnen hatte. Irgendwie war er auch ein wenig erleichtert. „Jetzt ist es zu Ende“, sagte er, „aber es macht mich wirklich stolz, dass ich diesen Rekord aufgestellt habe.“ Auf seine Ankündigung in einer heimischen Zeitung wollte er lieber nicht mehr angesprochen werden. Da hatte er nämlich vollmundig erklärt: „Ich will in Düsseldorf meinen dritten Titel holen, und daran werden mich auch meine argentinischen Freunde nicht hindern.“

Die Argentinier blieben ihrem zuvor vereinbarten System treu, wonach jeder der drei potenziellen Einzelspieler in den Gruppenspielen je einmal pausieren sollte. Gestern war der quirlige Guillermo Coria an der Reihe. Folglich war es der in der Weltrangliste nur einen Platz hinter ihm angesiedelte Guillermo Canas, dem die Chance zufiel, im Duell mit dem zweifachen Olympiasieger Nicolas Massu schon vorzeitig die heiß ersehnte Teilnahme am Endspiel sicherzustellen.

Die Partie wurde zu einem Wechselbad der Gefühle, voll beladen mit Emotionen. Canas dominierte fast nach Belieben im ersten Durchgang, verlor dann völlig den Faden im zweiten Satz, und schaffte den Befreiungsschlag mit einem Aufschlagdurchbruch Mitte des entscheidenden Satzes. Danach standen die beiden Kontrahenten noch eine Weile am Netz zusammen und diskutierten über einige Meinungsverschiedenheiten, die es während der Auseinandersetzung auf dem Center Court auch mit dem Schiedsrichter gegeben hatte.

Die Argentinier stehen morgen zum vierten Mal im Endspiel. Zweimal haben sie den Titel gewonnen - 1980 mit den alten, daheim noch heute hoch verehrten Recken Guillermo Vilas und Jose-Luis Clerc - und 2002. Vor drei Jahren war war aus dem jetzigen Team nur Canas dabei. Seine Mitstreiter hießen Jose Acasuso, Lucas Arnold und Gaston Etlis.

1989 hat es schon einmal ein Finale gegeben, das auch morgen möglich ist: Deutschland gegen Argentinien. Boris Becker, Charly Steeb und Erik Jelen setzten sich durch. Für das Finale 2005, dessen zweiter Teilnehmer heute zwischen Deutschland und Spanien ermittelt wird, würde Gaston Gaudio, wenn er die Wahl hätte, die Deutschen als Gegner vorziehen. Aber nicht aus Geringschätzung, wie er betont, sondern wegen des tollen Gefühls, auf dem voll besetzten Center Court auch gegen dieses wunderbare Publikum antreten zu dürfen.

Quelle: alfa

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