35. Ryder Cup in Bloomfield Hills: Europäer putten US Dream Team in Grund und Boden
zuletzt aktualisiert: 18.09.2004 - 10:34Bloomfield Hills (rpo). Beim Golfvergleich zwischen den USA und Europa hat das mit Topsportlern angetretene US-Team zum Auftakt eine historische Pleite erlebt. Kapitän Bernhard Langer bewies bei der Auswahl seiner Teams ein glückliches Händchen.
Tiger Woods suchte Trost bei seinem Ex-Caddie, Phil Mickelson erhielt auf dem Vorgrün Streicheleinheiten von Ehefrau Amy - das auf dem Papier übermächtige Dream Team der USA wurde beim 35. Ryder Cup in Bloomfield Hills/Michigan aus allen Träumen gerissen.
Im Prestigeduell gegen die von Kapitän Bernhard Langer geführte europäische Mannschaft erwies sich das Top-Duo des Gastgebers beim ersten gemeinsamen Auftritt als Niete und hatte mit zwei Niederlagen entscheidenden Anteil an der mit 6,5:1,5 historisch höchsten Führung von Titelverteidiger Europa nach dem ersten Tag. Zweimal (1989 und 1999) war zuvor ein 6:2 das komfortabelste Polster für Europa nach dem Auftakt.
Besser als erwünscht
"Wir wollten einen Blitzstart, das hätte nicht besser laufen können. Wir haben unglaublich gut geputtet, das war der Schlüssel zum Erfolg", sagte der Anhausener Langer, der bei der Auswahl seiner Zweierteams ein glückliches Händchen bewies. Er schickte die erfahrenen Colin Montgomerie und Padraig Harrington vor 40.000 erwartungsfrohen Zuschauern im Oakland Hills Country Club gegen Woods und Mickelson auf den extrem schweren Platz und wurde für sein Vertrauen belohnt.
Der Schotte Montgomerie, beim Ryder-Cup-Triumph 2002 in The Belfry/England vor Langer bereits bester europäischer Spieler, und German-Masters-Sieger Harrington aus Irland lagen im Bestball-Vierer (jeder Akteur spielt einen Ball) nie zurück und brachten die Partie vor dem letzten Loch mit 2 und 1 nach Hause.
Teamgeist gefragt
Beim klassischen Vierer (ein Team spielt einen Ball abwechselnd) am Nachmittag ließen sie Davis Love III und Fred Funk mit 4 und 2 noch weniger eine Chance. Entlang der Fairways wurde es mit zunehmender Spieldauer ruhiger, befürchtete Störaktionen gegen europäische Spieler wie 1999 bei der "Schlacht von Brookline" blieben aus.
Dass zwei Individualisten nicht automatisch ein Team sind, demonstrierten Woods und Mickelson auch gegen Darren Clarke/Lee Westwood (Nordirland/England). Nach vier Löchern lagen sie drei Lochgewinne vorn und klar auf Siegkurs, büßten ihren Vorsprung aber genauso schnell wieder ein.
Zum tragischen Helden wurde am 18. Loch US-Masterssieger Mickelson, der seinen Abschlag weit verzog und damit die Briten auf die Siegerstraße brachte (1 auf). "Wir haben nicht unser bestes Golf gespielt, aber es war so gut, dass es reichte", sagte Lee Westwood.
Langer taktiert richtig
Die einzige europäische Niederlage kassierten Miguel Angel Jimenez und der Franzose Thomas Levet, der am Vormittag pausiert hatte. Das Duo verlor gegen Oldie Jay Haas und Neuling Chris DiMarco 3 und 2.
Ansonsten hatte Langer ausnahmslos richtig taktiert. Der Schwabe brachte seinen per Wildcard ins Team geholten Engländer Luke Donald gleich zweimal. Der 26-Jährige dankte es ihm mit 1,5 Punkten an der Seite des Iren Paul McGinley und Sergio Garcia. Mit dem Spanier sorgte er mit einem 2 und 1-Erfolg gegen Stewart Cink und Kenny Perry für den Schlussstand am Freitag.
Langers US-Pendant Hal Sutton musste am Abend Seelenmassage betreiben, um nicht schon vor den abschließenden zwölf Einzeln am Sonntag praktisch als Verlierer dazustehen. "Die haben genügend Putts gemacht, um damit die Straße von Detroit nach Chicago zu pflastern. Sie wollen uns hier vernichtend schlagen", sagte der 46-Jährige, der wie Langer 2002 noch als Spieler dabei war.
Am Samstag stehen wie schon zum Auftakt jeweils vier Vierer auf dem Programm. Europa benötigt nach den insgesamt 28 Begegnungen 14 Punkte, um den Pokal mit auf den Alten Kontinent zu nehmen, die US-Amerikaner brauchen 14,5 Zähler zum Titelgewinn.
STATISTIK
Golf, 35. Ryder Cup in Bloomfield Hills im US-Bundesstaat Michigan, 1. Tag
Stand nach dem Bestball (Fourball) und dem Klassischen Vierer (Foursome): Europa - USA 6,5:1,5
Einzelergebnisse:
Bestball (3,5:0,5):
Colin Montgomerie/Padraig Harrington (Schottland/Irland) -
Tiger Woods/Phil Mickelson 2 und 1
Darren Clarke/Miguel Angel Jimenez (Nordirland/Spanien) -
Davis Love III/Chad Campbell 5 und 4
Paul McGinley/Luke Donald (Irland/England) -
Chris Riley/Stewart Cink remis
Sergio Garcia/Lee Westwood (Spanien/England) -
David Toms/Jim Furyk 5 und 3
Klassischer Vierer (3:1):
Jay Haas/Chris DiMarco -
Thomas Levet (Frankreich)/Jimenez 3 und 2
Montgomerie/Harrington -
Love III/Fred Funk 4 und 2
Clarke/Westwood -
Woods/Mickelson 1 auf
Garcia/Donald -
Cink/Kenny Perry 2 und 1
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum







