Tennis: Fed-Cup: Rittner formuliert neue Ziele
zuletzt aktualisiert: 11.07.2005 - 12:32Bol/Neuss (rpo). Für Teamchefin Barbara Rittner ist der Aufstieg der deutschen Fed-Cup-Mannschaft nicht mehr als ein erstes Etappenziel. "Natürlich freue ich mich, dass wir es geschafft haben, aber die Arbeit geht jetzt erst richtig los", sagte die 32-Jährige nach dem überzeugenden und in dieser Deutlichkeit nicht erwarteten 4:1-Sieg ihrer jungen Truppe in Kroatien.
Nicht auf den Lorbeeren ausruhen, sondern weiter mit aller Kraft an der Zukunft des deutschen Damentennis zu basteln, das wird in den neun Monaten bis zur nächsten Fed-Cup-Partie im April 2006 die Hauptaufgabe der einstigen Weltklassespielerin sein.
Dabei kann Barbara Rittner auch mit dem Erreichten schon mehr als zufrieden sein. Ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt am 1. Januar 2005 trägt das deutsche Damentennis ganz klar ihre Handschrift. Sie hat der in Deutschland zum Randereignis verkommenen Sportart neues Leben eingehaucht und mit frischem Wind alte Strukturen weggefegt. Die Chefin schlichtete Eifersüchteleien in der Mannschaft, baute Konfliktpotenzial geschickt ab, förderte und forderte ein für den Erfolg unentbehrliches Wir-Gefühl - ein simples, aber effektives Erfolgsrezept.
Und sie baute in kürzester Zeit Anna-Lena Grönefeld zur unumstrittenen Nummer eins der jungen Mannschaft auf. Die 20-jährige Nordhornerin, die mit ihrem Coach Rafael Font de Mora in Phoenix/Arizona den harten Weg geht, diente in Bol als bestes Beispiel dafür, was sich mit Fleiß, Ehrgeiz und knüppelharter Arbeit erreichen lässt. Nach dem 6:1, 7:6 in ihrem ersten Einzel gegen Jelena Kostanic musste Grönefeld auf Anweisung ihres Trainers noch fast zwei Stunden auf dem Platz ackern, um an den im Match gezeigten Schwächen zu arbeiten. "So funktioniert es, wenn man nach oben will", sagt Barbara Rittner: "Das war erstklassiger Anschauungsunterricht für die anderen."
Vor allem für die 17-jährige Kielerin Angelique Kerber, die zum ersten Mal im Fed Cup dabei war und alle Eindrücke begierig aufnahm. "Sie hat in den Besprechungen fast andächtig zugehört", erzählte Rittner, die auch in Zukunft ein besonderes Auge auf Kerber und die beiden gleichaltrigen Andrea Petkovic und Tatjana Malek haben wird. Zudem will sie sich in den nächsten Wochen und Monaten intensiv um die 15-jährige Dominice Ripoll aus Ludwigshafen kümmern, die seit einiger Zeit von Steffi Graf gefördert wird und als eines der größten Talente der letzten Jahre gilt.
Daneben will Barbara Rittner sich aktiv in die Planungen eines zentralen Stützpunktes für das deutsche Damentennis einbringen. Im Leistungszentrum des württembergischen Verbandes in Stuttgart-Stammheim soll unter der Leitung der früheren Fed-Cup-Spielerin Christina Singer möglicherweise schon bald eine solche Einrichtung ins Leben gerufen werden. "In dieser Richtung muss endlich was passieren", sagte Rittner: "Es kann nicht sein, dass die Spielerinnen trainieren, wo und wann es ihnen gerade passt. Vor allem die jungen Mädchen müssen eine zentrale Anlaufstelle haben, wo sie gezielt ausgebildet werden."
Es sieht also gar nicht so schlecht aus für das deutsche Damentennis, das sich 2006 wieder in der Weltgruppe 1 mit den acht besten Teams messen darf. "Der Fed Cup ist keine geschlossene Gesellschaft, die Tür ist jederzeit für jeden offen", sagt Rittner. Anna-Lena Grönefeld ist als Führungsspielerin unumstritten, die weitere Hierarchie ist aber keinesfalls fest gefügt. Beim 4:1 im April in Essen war die derzeit etwas instabile Augsburgerin Julia Schruff ein fester Bestandteil der Mannschaft, ihren Part übernahm in Bol die Münchnerin Sandra Klösel, die das entscheidende Einzel gegen Kostanic souverän gewann. "Bis auf Anna-Lena bin ich nicht festgelegt", sagt Rittner: "Wir haben viele Möglichkeiten." Seit sie im Amt ist, werden diese endlich auch genutzt.
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