Nummer eins eine Klasse für sich: Federer und Hewitt im Hamburger Halbfinale
zuletzt aktualisiert: 14.05.2004 - 15:40Hamburg (rpo). Roger Federer und Lleyton Hewitt bestreiten am Samstag eines der beiden Halbfinalspiele beim ATP-Turnier am Hamburger Rothenbaum. Federer schaltete Carlos Moya aus, Hewitt den Österreicher Jürgen Melzer.
Die Nummer eins der Weltrangliste ist eine Klasse für sich. Es war eine beeindruckende Demonstration der Stärke, mit der Roger Federer ins Halbfinale am Rothenbaum eingezogen ist. 6:4, 6:3 gegen Carlos Moya, in der Jahreswertung zweitbester Spieler der Welt, gerade Sieger von Rom und zuvor in 10 Matches auf Sand ungeschlagen. Das vorgezogene Endspiel sollte die Partie sein, aber Federer machte bei endlich mildem Wetter einen Frühlingsspaziergang daraus und bestätigte seine schon zuvor gemachte Ansage: "Ich habe das Spiel, hier alle zu schlagen."
Spätestens seit dem Freitagnachmittag ist der topgesetzte Schweizer der absolute Favorit auf den Titelgewinn beim fünften Masters-Turnier des Jahres. Im Halbfinale trifft Federer auf den Australier Lleyton Hewitt, der Melzer 6:4, 6:3 bezwang. "Roger ist im Moment der beste Spieler der Welt und auch hier in Topform, das wird verdammt schwer", meinte Hewitt. Vorjahressieger Guillermo Coria (Argentinien), der gegen den Spanier David Ferrer antreten musste, und Ivan Ljubicic (Kroatien) gegen Michail Juschni (Russland) komplettierten das Viertelfinale.
"Ich bin sehr happy über mein Spiel"
"Ich bin sehr happy über mein Spiel", sagte Federer: "Wenn man Moya schlagen will, dann muss man sehr gut spielen. Ich habe nicht erwartet, dass es so leicht werden würde." Mit guten Aufschlägen und seiner großartigen Rückhand dominierte er Partie. Im ersten Satz schaffte er das entscheidende Break zum 6:4.
Im zweiten Durchgang ging Federer schnell 3:0 in Führung und brachte den Sieg danach sicher nach Hause. "Roger spielt sehr gut, aber unbezwingbar ist er nicht", sagte Moya: "Der größte Unterschied war, dass ich nach den vielen Matches in letzter Zeit sehr müde war."
Als der 20-jährige Federer vor 2 Jahren in Hamburg sein erstes großes Turnier gewann, feierte er nach der Abschlusspressekonferenz mit Sekt aus Pappbechern. "Seit dem mag ich Hamburg, für mich war der Erfolg 2002 unheimlich wichtig", sagte der Mann aus dem Landkreis Basel, der in Oberwil, nur fünf Kilometer von der deutschen Grenze entfernt wohnt.
Wimbledon und die Australian Open hat er seitdem gewonnen, das Masters-Finale in Houston 2003 und das Masters in Indian Wells und ist seit Januar die Nummer eins. "Das war eigentlich mein Ziel für 2004, dass es so schnell ging, war eine große Überraschung", sagte er.
Ein Spieler mit unglaublichem Talent, der auf allen Belegen zurecht kommt, und ein Mensch, der immer "auf dem Boden" geblieben ist. "Er ist immer noch demütig", sagte Boris Becker: "Er sieht sich nicht als alleiniger Tenniskönig."
Bemerkenswert, dass sich Federer ausgerechnet nach dem Triumph beim Masters-Finale in Houston von seinem langjährigen Trainer Peter Lundgren trennte. "Ohne Coach habe ich mich besser kennen gelernt, ich muss jetzt mehr auf mich selber hören und bekomme nicht alles gesagt."
In der Heimat ein Topstar
In der Heimat ist Federer ein Topstar, wurde er zum Schweizer des Jahres gewählt. Eine eigene Duftkollektion steht im Alpenland in den Parfümerien. Beim Laureus-Award, dem Sport-Oscar, war er in der Kategorie der besten Athleten nominiert, konnte an der Verleihung wegen des Rothenbaum-Turniers aber nicht teilnehmen. "Also muss ich auch in dieser Saison so gut spielen, dass ich wieder benannt werde", meinte Federer.
Die Titelverteidigung in Wimbledon, eine Olympia-Medaille in Athen und die Nummer eins zu verteidigen, sind die Ziele für dieses Jahr. Und er hätte auch nichts dagegen, im Land von Boris Becker zum allgemein anerkannten Idol zu werden. Federer: "Mein Ziel ist es, auch in Deutschland wieder für etwas mehr Tennis-Euphorie zu sorgen."
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