Weltreiterspiele in Aachen: Festival der edlen Pferde
VON DIETER KODITEK, DIETER LUDWIG - zuletzt aktualisiert: 18.08.2006 - 17:37Aachen (RP). Bei den Weltreiterspielen in Aachen stehen rund 1000 Pferde in den Boxen – ein schier unschätzbares Kapital, das sich nach Millionen bemisst. Das Rheinland, eine der Reitsport-Hochburgen in Deutschland, hat einige heiße Eisen im Feuer.
Den Pferdefreunden ist in diesen Tagen kein Superlativ zu groß. Klaus Pavel, Präsident des Aachen- Laurensberger Rennvereins, preist die Weltreiterspiele in der alten Kaiserstadt als „das größte Ereignis seit Karl dem Großen“. Das ist doch eine Dimension. Andere sagen, diese Weltmeisterschaft, die am Sonntag eröffnet wird und bis zum 3. September dauert, sei das größte Sportereignis des Jahrzehnts hier zu Lande – nach dem großen Fußballfest im Sommer.
Das altehrwürdige Reiterstadion in der Soers, das mit einem Aufwand von fast 40 Millionen Euro für dieses Ereignis renoviert und modernisiert worden ist, gilt weltweit als Kathedrale der Reiterei, vergleichbar mit der Bedeutung Wimbledons für den Tennissport. Alljährlich findet hier das große internationale CHIO-Turnier statt, und jetzt wird alles noch einmal überhöht durch diese zweiwöchige Party. Es ist nach 1955, 1956, 1978 und 1986 die fünfte Weltmeisterschaft in Aachen – aber die erste in dieser Größenordnung. Denn 1990 wurden die Titelkämpfe vom Weltverband (FEI) zu Ehren des damaligen Präsidenten, Prinz Philip, umgewandelt in Weltreiterspiele mit nunmehr sieben verschiedenen Disziplinen.
Rheinland als Hochburg des Reitsports
Das Rheinland bot natürlich beste Voraussetzungen für ein Gedeihen dieses Sports: Es ist eine Hochburg der Reiterei. Knapp 70.000 Verbands- Mitglieder, dazu noch einmal 115.000 im angrenzenden Westfalen, belegen dieses Phänomen, dass nahezu ein Drittel aller bundesweit registrierten Pferdesportler in NRW beheimatet ist. Fast jedes Dorf hat hier seinen Reitverein.
So geschah es fast zwangsläufig, dass diese Region immer wieder große Pferdesportler hervorbrachte – Weltmeister, Europameister, Olympiasieger. Und auch jetzt hat dieses Bundesland wieder heiße Eisen im Feuer. Die Dressur- Asse Nadine Capellmann aus Aachen und Isabell Werth aus Rheinberg beispielsweise oder den Borkener Marcus Ehning und den Christian Ahlmann aus Marl im Springreiten.
Rund 1000 Vierbeiner werden in der Soers erwartet – ein schier unschätzbares Kapital, das sich nach Millionen bemisst. Den genauen Preis oder Marktwert eines Spitzenpferdes festzulegen, ist vergebliche Liebesmüh. Altmeister Alwin Schockemöhle (69), Einzel-Olympiasieger 1976 in Montreal, sagt: „Pferde sind das wert, was man gibt.“ Sie werden in der Tat gehandelt wie Antiquitäten, es gelten Liebhaberpreise. Marcus Ehning beispielsweise, der Weltranglisten- Erste, beteuert, er würde für den Kauf eines Pferdes niemals einen Bankkredit aufnehmen. Schließlich könnte es am nächsten Morgen schon tot in der Box liegen.
Der Krefelder Reitmeister Jean Bemelmans, Coach der Spanier und Russen, bringt es auf diesen Nenner: „Das Talent macht ein Pferd wertvoll, dazu kommt der Charakter.“ Gewiss gilt in diesem Geschäft eine gewisse Verschwiegenheit, dennoch gibt es Anhaltspunkte und Schätzungen, die der Wirklichkeit sehr nahe kommen.
Der zehnjährige Elvis von Nadine Capellmann etwa wird aufgrund seiner bisherigen Leistungen und seiner Jugend hinter vorgehaltener Hand auf nicht unter vier Millionen Euro taxiert. Da allerdings die Dressur- Europameisterin aus Aachen in der glücklichen Lage ist, auf derartige Summen nicht angewiesen zu sein, wird man wohl nie erfahren, was dieses „Bewegungswunder“ (Bemelmans) einem Liebhaber tatsächlich wert wäre. Spitzenpferde im Springsport und in der Dressur, so könnte die Faustregel lauten, sind zwischen zwei und vier Millionen Euro teuer.
In den übrigen Disziplinen – Viererzug-Fahren, Vielseitigkeit, Voltigieren, Distanzreiten und Reining (Westernreiten) – ist deutlich weniger Geld unterwegs.
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