Wachablösung in Moskau möglich: Filderstadt: Mauresmo gibt verletzt auf
zuletzt aktualisiert: 10.10.2004 - 16:47Filderstadt (rpo). Der Kampf um die Spitze des Damentennis ist spannend geworden. Nachdem Lindsay Davenport beim WTA-Turnier in Filderstadt ihren Wagenpark um einen Porsche ergänzen konnte, weil die auf Platz eins gesetzte Amelie Mauresmo verletzt aufgeben musste, kann es nun bereits in dieser Woch zu einer Wachablösung in der Damen-Weltrangliste kommen.
Die 28-jährige Davenport profitierte im Endspiel gegen die vier Jahre jüngere Französin vom Verletzungspech ihrer Gegnerin, die nach dem 2:6 im ersten Satz wegen einer Adduktorenzerrung aufgab.
Im anschließenden Doppelfinale verloren die mit einer Wildcard ins Turnier gestarteten Julia Schruff (Stuttgart) und Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) gegen Cara Black/Rennae Stubbs (Simbabwe/Südafrika) mit 3:6, 2:6. Immerhin konnten die beiden Deutschen für sich in Anspruch nehmen, als erstes deutsches Doppel seit 20 Jahren das Finale von Filderstadt erreicht zu haben. 1984 verloren Bettina Bunge und Eva Pfaff gegen die Weltklasse-Paarung Claudia Kohde/Helena Sukova.
Damals war Amelie Mauresmo fünf Jahre alt, mittlerweile ist sie 25 und die Nummer eins der Welt - voraussichtlich aber nicht mehr lange. Sollte Mauresmo ihren Start beim WTA-Turnier in dieser Woche in Moskau absagen, würde Davenport schon die Viertelfinal-Teilnahme reichen, um erstmals seit Januar 2002 wieder die Führung in der Weltrangliste zu übernehmen.
"Es ist ein komisches Gefühl, so zu gewinnen", sagte die Siegerin nach den 38 Spielminuten: "Ich hätte es lieber anders gehabt." Ob Mauresmo jetzt tatsächlich pausieren muss, entscheidet sich nach einer ärztlichen Untersuchung am Montag.
Für Lindsay Davenport war es der siebte Turniersieg 2004 und der 55. ihrer Karriere, die sie eigentlich am Jahresende zugunsten der Familienplanung mit ihrem Ehemann Jon Leach beenden wollte. "Es wäre ja schon spektakulär, als Nummer eins zurückzutreten, aber mittlerweile glaube ich, dass ich das gar nicht mehr will", sagte Davenport nach ihrem zweiten Filderstadt-Sieg nach 2001. Erneut entschied sie sich gegen das Preisgeld und für die Luxuskarosse des Titelsponsors Porsche, einen Carrera 911 S im Wert von 85.200 Euro.
Im Halbfinale hatten Davenport und Mauresmo in ihrem ersten Turnier als Nummer eins der Welt die russische Revolution abgewehrt. Mauresmo besiegte die 19 Jahre alte US-Open-Siegerin Swetlana Kusnezowa mit 7:5, 6:4. Davenport wies French-Open-Champion Anastasia Myskina mit 6:2, 6:4 in die Schranken.
Ein Fiasko erlebten die beiden deutschen Vertreterinnen Anca Barna (Moers) und Anna-Lena Grönefeld, die jeweils mit einer Wildcard ins Hauptfeld gelangt waren und in der ersten Runde kläglich scheiterten. Zum dritten Mal in Folge stand keine Deutsche im Achtelfinale von Filderstadt, sieben deutsche Spielerinnen überstanden nicht einmal die Qualifikation.
Nach der Tenniswoche vor den Toren Stuttgarts, zu der insgesamt rund 26.000 Zuschauer kamen, übergab Turnierdirektor Udo Cervellini (59), der in die Geschäftsleitung der Porsche-Konzernfiliale in Leipzig wechselt, nach zwölf Jahren das Zepter an Markus Günthardt. Der 46-jährige Bruder von Steffi Grafs langjährigem Trainer Heinz Günthardt wird sich künftig gemeinsam mit der sportlichen Leiterin Anke Huber um den Porsche Grand Prix kümmern.
Tennis in Zahlen:
WTA-Turnier in Filderstadt (650.000 Dollar)
Halbfinale: Amelie Mauresmo (Frankreich/Nr. 1) - Swetlana Kusnetsowa (Russland/Nr. 4) 7:5, 6:4, Lindsay Davenport (USA/Nr. 2) - Anastasia Myskina (Russland/Nr. 3) 6:2, 6:4
Finale: Lindsay Davenport - Amelie Mauresmo 6:2-Aufgabe Mauresmo
Doppel, Finale: Cara Black/Rennae Stubbs (Simbabwe/Südafrika) - Julia Schruff/Anna-Lena Grönefeld (Stuttgart/Nordhorn) 6:3, 6:2
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