Schwimm-EM in Budapest: Frauen-Staffel stiehlt Biedermann die Show
zuletzt aktualisiert: 09.08.2010 - 20:07Budapest (RPO). Für Doppel-Weltmeister Paul Biedermann ist der Traum vom erneuten Double mit Silber über 400 m Freistil gleich zum Auftakt der Schwimm-EM geplatzt. Dafür sorgten die neuen Golden Girls der 4x100-m-Freistilstaffel auch ohne Britta Steffen für den ersten Titel im Becken von Budapest. Die Männerstaffel belegte mit Biedermann Platz fünf.
Die "fantastischen Vier" waren außer Rand und Band. "Das ist fantastisch. Das ist ein Hammer", sagte Daniela Schreiber, die das Quartett des Deutschen Schwimm-Verbandes (DSV) zum Sieg geführt hatte. In 3:37,72 Minuten blieben Daniela Samulski (Essen), Silke Lippok (Pforzheim), Lisa Vitting (Essen) und Schreiber (Halle/Saale) vor Großbritannien (3:38,57) und Schweden (3:38,81).
"Wir hatten eigentlich gedacht, dass wir es ohne Britta nicht schaffen. Ich habe alles rausgeballert", sagte Schreiber weiter. Lob gab es von Steffen: "Die Mädels haben ihre Sache super gemacht."
(Stand nach 14 von 61 Wettbewerben)
Gold Silber Bronze
1. Russland 6 0 2
2. Italien 2 4 2
3. Deutschland 2 2 1
4. Frankreich 1 2 1
5. Griechenland 1 1 2
6. Ukraine 1 0 4
7. Niederlande 1 0 0
8. Großbritannien 1 1 0
9. Spanien 0 4 0
10. Ungarn 0 1 2
11. Schweden 0 0 2
(Hinweis: Über 5 km der Herren sind zwei Bronzemedaillen vergeben worden)
Der geschlagene Biedermann bekam unterdessen einen Kuss von Freundin Steffen. Den Trost konnte Deutschlands Sportler des Jahres 2009 gut gebrauchen. In 3:46,30 Minuten musste sich Biedermann um 13 Hundertstelsekunden dem 18 Jahre alten französischen Shootingstar Yannick Agnel geschlagen geben.
Biedermann: "Die 400 m sind mir zu lang geworden"
Biedermann zeigte nach dem Rennen Größe, gratulierte Agnel direkt nach dem Anschlag und gab sich als fairer Verlierer. "Yannick hat verdient gewonnen, er hat die ganze Zeit geführt", sagte der 24-Jährige aus Halle/Saale und übte auch Selbstkritik: "Ich bin zu langsam angegangen und habe zu spät angezogen. Das wird mir eine Lehre sein."
Unter den Augen von Doppel-Olympiasiegerin Steffen, die mit Biedermanns Familie auf der Tribüne die Daumen drückte, gab der 24-Jährige aus Halle/Saale alles, kam aber einfach nicht an Agnel vorbei. Clemens Rapp aus Bad Saulgau, der lange Zeit auf Platz drei gelegen hatte, wurde Siebter (3:49,27).
"Die 400 m sind in diesem Jahr nicht so mein Ding. Vielleicht sind sie mir zu lang geworden", sagte Biedermann. Damit spielte er auch auf die fehlenden Wunderanzüge an, die zu Beginn des Jahres verboten worden waren. Agnel jubelte: "Genial. Es war ein richtiges Duell."
Britta Steffen meinte: "Paul war sehr konzentriert, da habe ich ihn in Ruhe gelassen. Ich war sehr aufgeregt und habe die Daumen ganz fest gedrückt." Vor vier Jahren hatte Steffen an gleicher Stätte viermal Gold gewonnen, die EM diesmal wegen gesundheitlicher Probleme abgesagt.
Nur Rang fünf für Männer-Staffel
Mit der 4x100m-Freistilstaffel kam Biedermann mit den Brüdern Steffen und Markus Deibler (beide Hamburg) und Stefan Herbst (Leipzig) trotz deutschem Rekord in 3:15,97 Minuten nicht über Rang fünf hinaus. Gold gewann Russland (3:12,46).
Biedermann will sich nun auf die 200 m Freistil konzentrieren und dort am Mittwoch seinen Titel erfolgreich verteidigen. Über seine Weltrekordstrecke geht Biedermnn als Favorit an den Start. Agnel startet dort nicht.
Medaillenambitionen unterstrich Kurzbahn-Weltrekordler Steffen Deibler über seine Paradestrecke 50 m Schmetterling als Dritter der Halbfinals (23,56). Mit Mühe schaffte der Essener Hendrik Feldwehr als Achter über 100 m Brust (1:01,23) den Einzug in den Endlauf am Dienstag. Marco Koch (Darmstadt) war als 24. vorzeitig auf der Strecke geblieben. Jenny Mensing (Wiesbaden) zog über 200 m Rücken als Fünfte (2:12,23) in den Endlauf ein.
Schwimmen, EM in Budapest, Finale:
Männer:
400 m Freistil:
Gold: Yannick Agnel (Frankreich) 3:46,17 Minuten
Silber: Paul Biedermann (Halle/Saale) 3:46,30
Bronze: Gergo Kis (Ungarn) 3:48,14
4. Nikita Lobintsew (Russland) 3:48,46, 5. Sebastien Rouault (Frankreich) 3:48,84, 6. Robbie Renwick (Großbritannien) 3:49,13, 7. Clemens Rapp (Bad Saulgau) 3:49,27, 8. Cesare Sciocchetti (Italien) 3:51,54
4x100 m Freistil Staffel:
Gold: Russland (Jewgeni Lagunow, Andrei Grechin, Nikita Lobintsew, Daniil Isozow) 3.12,46
Silber: Frankreich (Fabien Gilot, Yannick Agnel, William Meynard, Alain Bernard) 3:13,29
Bronze: Schweden (Stefan, Nystrand, Lars Froelander, Robin Andreasson, Jonas Persson) 3:15,07
4. Italien 3:15,18, 5. Deutschland (Steffen Deibler, Markus Deibler, Stefan Herbst, Paul Biedermann) 3:15,97, 6. Ungarn 3:18, 01, 7. Belgien 3:18,12, 8. Großbritannien 3:18,31
Frauen:
400 m Lagen:
Gold: Hannah Miley (Großbritannien) 4:33,09
Silber: Katinka Hosszu (Ungarn) 4:36,43
Bronze: Zsuzsanna Jakabos (Ungarn) 4:37,92
4. Anja Klinar (Slowenien) 4:38,13, 5. Jana Martinowa (Russland) 4:42,50, 6. Sara Nordenstam (Norwegen) 4:43,00, 7. Grainne Murphy (Irland) 4:43,45, 8. Barbora Zavadova (Tschechien) 4: 45,24
4x100 m Freistil Staffel:
Gold: Deutschland (Daniela Samulski, Silke Lippok, Lisa Vitting, Daniela Schreiber) 3:37,72
Silber: Großbritannien (Amy Smith, Francesca Halsall, Jessica Sylvester, Joanne Jackson) 3:38,57
Bronze: Schweden (Josefin Lillhage, Therese Alshammer, Sarah Sjoestroem, Gabriella Fagundez) 3:38,98
4. Ungarn 3:38,98, 5. Russland 3:39,06, 6. Niederlande 3:39, 47, 7. Frankreich 3:40,17, 8. Weißrussland 3:48,90
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