Zu viel Respekt, zu wenig Risiko: French Open: Letzte Deutsche ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 30.05.2004 - 18:16Paris (rpo). Am Sonntagmittag ist mit Marlene Weingärtner die letzte Deutsche bei den French Open in Paris ausgeschieden. Die 24-jährige Heidelbergerin unterlag im Achtelfinale der 17-jährigen Russin Maria Scharapowa in 67 Minuten.
Das russische Tennis-Model Maria Scharapowa hat damit den Höhenflug von Marlene Weingärtner in Paris beendet. Nach einer ängstlichen Vorstellung unterlag die 24-jährige Heidelbergerin der sieben Jahre jüngeren Russin mit 3: 6, 1:6 und schied als letzte von ursprünglich zwölf gestarteten Deutschen aus dem größten Sandplatz-Turnier der Welt aus.
Zu viel Respekt, zu wenig Risiko - nach nur 67 Minuten war die Arbeit für Weingärtner (94. der Weltrangliste) an einem regnerischen Pfingstsonntag getan. Mit einer schnellen Vorhand verwandelte die an Nummer 18 gesetzte Scharapowa unter grauem Himmel den dritten Matchball und steht nun zum erstenmal in ihrer Karriere im Viertelfinale eines Grand Slam-Turniers. Dort trifft die 1,83 m große Blonde, die seit ihrem neunten Lebensjahr in den USA lebt und trainiert, auf die Argentinierin Paola Suarez, die sich mit 6:4, 7:5 gegen Jie Zheng aus China durchsetzte.
Die Hoffnungen der Franzosen ruhen auf Amelie Mauresmo, die mit einem leichten 6:2, 6:1-Erfolg gegen die Bulgarin Magdalena Maleeva zum zweitenmal in Folge das Viertelfinale erreichte und nun auf die Russin Elena Dementiewa trifft. Die Weltranglisten-Zehnte besiegte überraschend die an Nummer fünf gesetzte Amerikanerin Lindsay Davenport 6:1, 6:3. Die Amerikanerin konnte am Ende wegen einer Knieverletzung allerdings fast nicht mehr laufen.
Das Match des Tages lieferte der Brite Tim Henman
Das Match des Tages lieferte der Brite Tim Henman. Der an Nummer neun gesetzte Rasen-Spezialist besiegte den Franzosen Michael Llodra nach Abwehr eines Matchballs in einem Fünfsatz-Marathon über 4:11 Stunden hinweg mit 6:7 (2:7), 4:6, 6:4, 6:3, 9:7 und erreichte zum erstenmal überhaupt das Viertelfinale der French Open. Dort hat Henman gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela durchaus Chancen, ins Halbfinale zu kommen.
Nach dem Überraschungs-Coup gegen die an Nummer acht gesetzte Russin Nadja Petrowa hatte Weingärtner im ersten Paris-Achtelfinale ihrer Karriere keine Chance, dennoch verabschiedete sich die Weltranglisten-94. mit einem Lächeln. "Heute bin ich enttäuscht, trotzdem war es eine gute Woche für mich. Vor drei Wochen lag ich noch heulend zu Hause, ich hätte nicht gedacht, dass ich hier so weit komme."
Regentropfen aufs hübsche Gesicht
Beide Spielerinnen begannen nervös, bis zum 3:4 konnte Weingärtner die Partie offen halten. Dann aber traf Scharapowa mit harter Vorhand und Rückhand immer besser, machte das Break zum 5:3 und dominierte von da an klar das Geschehen. Nach 35 Minuten war der erste Satz weg, nach weiteren 32 Minuten war Scharapowa am Ziel. Ein dankbarer Blick in den grauen Himmel - dann breitete die blonde Russin theatralisch die Arme aus und ließ sich die Regentropfen aufs hübsche Gesicht fallen.
Als Trost blieb Weingärtner ein stolzes Preisgeld von 54.570 Euro und die Erkenntnis, dass es nach einem verkorksten ersten Halbjahr mit einem Ermüdungsbruch im rechten Vorfuß und zwei Bauchmuskelzerrungen wieder aufwärts geht. Seit März arbeitet die Junioren-Finalistin der French Open 1995 mit dem früheren deutschen Profi Christian Vinck zusammen. Nach den Australian Open 2002 stand sie in Paris zum zweitenmal in ihrer Karriere im Achtelfinale eines Grand Slam-Turniers. Anscheinend tut ihr der neue Mann an ihrer Seite gut.
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