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Myskina vs. Dementjewa: Entscheidung auf dem roten Platz: French Open: Russische Revolution in Paris

zuletzt aktualisiert: 04.06.2004 - 14:39

Paris (rpo). Russische Revolution in Paris. Geht nicht? Doch, im Endspiel der French Open. Hier stehen sich mit Anastasia Myskina und Jelena Dementjewa erstmals zwei Russinnen in einem Grand-Slam-Endspiel gegenüber, folglich wird es zum ersten Mal überhaupt eine Grand-Slam-Siegerin aus Russland geben.

Selbst der frühere russische Präsident Boris Jelzin hat für das Spektakel auf dem roten Platz von Roland Garros sein Erscheinen angekündigt. Manchmal geht das Leben schon seltsame Wege. Myskina und Dementjewa sind gemeinsam in Moskau aufgewachsen, beide haben das Tennis-Spiel im berühmten Armee-Klub Spartak erlernt, und nun spielen sie gegeneinander um den Sieg beim größten Sandplatz-Turnier der Welt.

"Wir kennen uns ein Leben lang", sagt Anastasia Myskina (22) vor dem siebten Duell gegen Jelena Dementjewa (22): "Wir haben uns das erste Mal getroffen, als wir sechs Jahre alt waren. Wir hatten dieselbe Trainerin, die Mutter von Marat Safin. Wir haben zusammen Tennis gespielt und auch sonst alles miteinander gemacht. Wir sind wirklich gute Freundinnen - und werden es hoffentlich bleiben."

Beide stehen zum ersten Mal in einem Grand-Slam-Endspiel. Als leichte Favoritin gilt die Weltranglistensechste Myskina, die in einem einseitigen Halbfinale in nur 61 Minuten die Amerikanerin Jennifer Capriati mit 6:2, 6:2 aus dem Weg räumte. "Ich war zu müde, um nervös zu sein", sagte die dunkelhaarige Moskauerin nach ihrem deutlichen Sieg: "Es war mein großes Ziel, in diesem Jahr ein Grand-Slam-Finale zu erreichen."

Nur einmal gezittert

Nur einmal musste Myskina auf ihrem Weg ins Endspiel zittern. Gegen ihre Landsfrau Swetlana Kusnezowa wehrte sie im Achtelfinale bei 5:6 im dritten Satz sogar einen Matchball ab, ehe sie gerade noch 1:6, 6:4, 8:6 gewann. Dafür machte die zierliche Russin (1,74 m bei 59 kg) im Viertelfinale gegen die Amerikanerin Venus Williams (6:3, 6:4) kurzen Prozess.

Die Weltranglistenzehnte Dementjewa kämpfte im Halbfinale gegen die Argentinierin Paola Suarez mehr mit ihrer Nervosität als mit ihrer Gegnerin. Nach 84 Minuten hatte die blonde Moskauerin 6:0, 7:5 gewonnen und wirkte grenzenlos erleichtert: "Es ist unglaublich für mich, im Finale zu stehen, noch dazu in einem russischen. Am besten, wir schnappen uns die Trophäe, fliegen heim nach Moskau und tragen das Spiel dort aus."

Roter Platz im Stade Roland Garros

Weil das natürlich nicht geht, haben die beiden Russinnen den roten Platz einfach ins Stade Roland Garros verlegt. Passenderweise steht es auch im direkten Vergleich der beiden 22-Jährigen 3:3, die zwei bisherigen Duelle auf Sand hat Myskina gewonnen. Die beiden kennen sich zwar eine halbe Ewigkeit, ansonsten aber sind sie eher unterschiedlich. Die eine trägt das dunkle Haar eher kurz und wirkt manchmal etwas melancholisch, die andere trägt über dem langen blonden Zopf stets eine weiße Kappe und gibt die frische Sportlerin.

Auch in der Trainerfrage geht jede ihren eigenen Weg. Dementjewa wird von der Russin Olga Morosowa betreut, die 1974 selbst im Finale der French Open und in Wimbledon stand, beide Spiele aber gegen die Amerikanerin Chris Evert verlor. Myskina arbeitet seit Jahren mit dem deutschen Coach Jens Gerlach zusammen.

Egal, wie das Endspiel am Samstag ausgeht, der Coupe Suzanne Lenglen wandert in jedem Fall nach Moskau. Gut waren die Russinnen im Tennis schon immer, derzeit stehen sechs Spielerinnen unter den ersten 20 der Weltrangliste, zehn unter den ersten 50. Aber erst in Paris haben sie den Durchbruch an die Spitze geschafft.

Anastasia Myskina (l.) und Elena Dementieva posieren gemeinsam vor ihrem Endspiel der French Open am Samstag.  Foto: RPO
Anastasia Myskina (l.) und Elena Dementieva posieren gemeinsam vor ihrem Endspiel der French Open am Samstag.  Foto: RPO

 
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