Kiefer, Burgsmüller und Weingärtner ausgeschieden: French Open: Schüttler einziger Deutscher in Runde drei
zuletzt aktualisiert: 30.05.2003 - 08:22Paris (rpo). Bei den French Open ruhen jetzt alle Hoffnungen auf dem nimmermüden Rainer Schüttler: Der Bad Homburger kämpfte sich im fünften Anlauf erstmals in die dritte Runde der French Open, während Nicolas Kiefer (Holzminden), Lars Burgsmüller (Essen) sowie Marlene Weingärtner (Heidelberg) ausschieden.
Der Bad Homburger Schüttler wühlte sich auf dem roten Sand von Paris im fünften Anlauf erstmals in die dritte Runde der French Open. Dort ist der Australian-Open-Finalist der einzige Deutsche, denn in Nicolas Kiefer (Holzminden) und am Donnerstag auch Lars Burgsmüller (Essen) sowie Marlene Weingärtner (Heidelberg) schieden seine letzten Mitstreiter in der zweiten Runde des mit 14,2 Millionen Dollar dotierten Grand-Slam-Turniers aus.
Doch nicht nur die elf gescheiterten Deutschen gaben eine schlechte Visitenkarte ab. Fünf der früheren Paris-Sieger mussten schon ihre Koffer packen: Nach Mary Pierce (Frankreich) und Monica Seles (USA) verabschiedete sich aus dem Damenfeld Iva Majoli (Kroatien). Bei den Herren erwischte es nach Michael Chang (USA) auch Jewgeni Kafelnikow. Der Russe sprach nach seinem frühen Aus wieder einmal von Rücktritt: "Ich habe keine Lust, in der ersten oder zweiten Runde zu verlieren. Das bin ich nicht."
Agassi mit Kampfgeist
Australian-Open-Sieger Andre Agassi zeigte nach 0:2-Satzrückstand gegen Mario Ancic aus Kroatien, wer er ist und gewann mit 5:7, 1:6, 6:4, 6:2, 7:5. Auch Vorjahressieger Albert Costa (Spanien) benötigte fünf Sätze, ehe er sich 6:3, 5:7, 6:4, 3:6, 6:4 gegen den Tschechen Radek Stepanek durchgesetzt hatte. Titelverteidigerin Serena Williams (USA) gab sich bei ihrem 30. Sieg in einem Grand-Slam-Turnier hintereinander keine Blöße und auf dem Weg in die dritte Runde wie Justine Henin-Hardenne, Kim Clijsters (beide Belgien), Lindsay Davenport und Jennifer Capriati (beide USA) nicht einen Satz ab.
Schlägt Schüttler, wie zuletzt auf Sand in Rom, an diesem Freitag auch den Südafrikaner Wayne Ferreira, kann er wie schon in Melbourne weit kommen. Auch im Achtelfinale wäre der Gegner nicht übermächtig. Doch der 27-Jährige weigerte sich strikt, die günstige Konstellation näher zu betrachten. "Ich habe zwar allen Grund, selbstbewusst zu sein, aber ich will gar nicht wissen, was noch auf mich zukommt", sagte Schüttler nach dem 4:6, 6:2, 6:4, 6:0 gegen den Franzosen Jean- Rene Lisnard. Gegen Ferreira, der im Halbfinale der Australian Open an Andre Agassi gescheitert war, hat er vor drei Jahren schon mal verloren - in der ersten Runde von Roland Garros.
Thomas Haas beobachtet die French Open von Florida aus. Er traut genauso wie Burgsmüller seinem Freund Schüttler alles zu. "Es ist schon bemerkenswert, wie souverän der Shaker mittlerweile die Partien gewinnt, die er vom Ranking her gewinnen sollte", sagte der Rekonvaleszent. "Er spielt wirklich ein tolles Jahr, und damit meine ich nicht nur die Finalteilnahme bei den Aussie Open. Er hat eine ganz gute Chance, weit zu kommen."
Am traditionellen Kindertag hatte Schüttler am Mittwoch nicht nur gegen Lisnard zu kämpfen. Zahlreiche Jugendliche verwandelten den Court "Suzanne Lenglen" in einen Hexenkessel. Lars Burgsmüller erging es am Donnerstag an gleicher Stelle gegen Arnaud Clement nicht viel besser. Der Franzose mit dem blond gefärbten Grunge-Bart, dem Piratentuch um die Stirn und der Furcht einflößenden Sonnenbrille wurde von den Pariser Fans förmlich in die dritte Runde getrieben. Burgsmüller gelang nur ein Break im zweiten Satz. Er verlor mit 3:6, 3:6, 3:6. "Ich habe zu viele Punkte verschenkt", ärgerte er sich.
Für den stark verbesserten Nicolas Kiefer war Hamburg-Sieger Guillermo Coria ebenfalls eine Nummer zu groß. Der Argentinier zwang den Holzmindener mit 6:3, 5:7, 6:3, 6:1 in die Knie. "Ich habe aggressiv gespielt, aber zu viel riskiert", sagte Kiefer, war jedoch trotzdem guter Dinge: "Ich mache mir jetzt keinen Stress. Wenn ich so spiele, gewinne ich auch wieder meine Matches."
Marlene Weingärtner war gegen Kim Clijsters weit entfernt von einer ähnlichen Überraschung wie bei den Australian Open. Im Januar hatte sie Titelverteidigerin Jennifer Capriati in der ersten Runde ausgeschaltet. Im ersten Vergleich mit der Weltranglistenzweiten unterlag Weingärtner indes in 52 Minuten mit 2:6, 2:6. "Ich habe nur Fehler gemacht", schimpfte Weingärtner. "Mein Schläger war zu weich bespannt. Sonst hätte ich eine Riesenchance gehabt."
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