Erste im Achtelfinale seit Huber 2000 / Jetzt wartet Scharapowa: French Open: Weingärtner übertrifft sich selbst
zuletzt aktualisiert: 28.05.2004 - 15:03Paris (rpo). Sie hatte selbst nicht damit gerechnet und konnte es auch Minuten nach dem verwandelten Matchball noch nicht fassen: Marlene Weingärtner bescherte dem deutschen Tennis bei den French Open in Paris ein unerwartetes Erfolgserlebnis und sich selbst den größten Triumph ihrer bisherigen Karriere.
Die letzte deutsche Vertreterin bei den French Open besiegte in der dritten Runde völlig überraschend die an Nummer acht gesetzte Russin Nadja Petrowa mit 6:3, 6:2 und zog damit als erste deutsche Spielerin seit Anke Huber 2000 ins Achtelfinale von Roland Garros ein.
Als nächste Gegnerin wartet nun die blonde Russin Maria Scharapowa, 17 Jahre alt, an Nummer 18 gesetzt und begehrtes Objekt der Fotografen. "Sie ist sehr ehrgeizig, spielt flach und hart wie Petrowa", meinte Weingärtner zuversichtlich: "Ich muss sie sehr ernst nehmen. Aber wenn ich so wie heute mein Spiel mixe, kann ich sie schlagen." Die Weltranglisten-20. bezwang ihre an Nummer zehn gesetzte Landsfrau Wera Zwonarewa 6:3, 7:6 (7:3) und erreichte nach Wimbledon 2003 zum zweiten Mal ein Grand Slam-Achtelfinale.
Strahlend vor Glück eilte Weingärtner nach dem größten Erfolg ihrer Karriere ans Netz, dann nahm sie ihre weiße Baseball-Kappe ab, setzte sich auf einen Stuhl und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf. "Ich kann es noch gar nicht glauben, das ist schon ein tolles Gefühl", sagte die Weltranglisten-94. mit verlegenem Lächeln: "Ich hatte mir schon eine Chance ausgerechnet, aber so - das hätte ich nie gedacht." Als nächste Gegnerin wartet die blonde Russin Maria Scharapowa, 17 Jahre alt, an Nummer 18 gesetzt und begehrtes Objekt der Fotografen.
Keiner hatte den Erfolg erwartet, außer Marlene Weingärtner selbst. Nach nur 71 Minuten verwandelte die zierliche Deutsche vor 5000 Zuschauern auf dem Court Suzanne Lenglen den zweiten Matchball. Die 1,78 m große Nadja Petrowa, im Vorjahr erst im Halbfinale an der Belgierin Kim Clijsters gescheitert, gratulierte artig am Netz, im Grunde genommen hatte sie keine Chance.
Mutig und variabel gespielt
Marlene Weingärtner nutzte als letzte von ursprünglich zwölf gestarteten Deutschen erstaunlich entschlossen ihre Chance. Schon im ersten Spiel nahm sie Petrowa den Aufschlag ab, spielte mutig und variabel und führte in beiden Sätzen schnell mit 5:1. Vor allem mit unerwarteten Stops nervte sie ihre 1,78 m große Gegnerin immer wieder. Nach den Australian Open 2002 steht die 24-Jährige, die in Wesley Chapel/Florida lebt und trainiert, zum zweiten Mal in ihrer Karriere im Achtelfinale eines Grand-Slam-Turniers.
Dabei waren die Voraussetzungen für einen Siegeszug in Paris alles andere als günstig. Bei den Australian Open scheiterte Marlene Weingärtner schon in Runde eins an Kim Clijsters, anschließend musste sie mehr als zwei Monate pausieren. Erst stoppten sie zwei Bauchmuskelzerrungen, dann erlitt sie noch einen Ermüdungsbruch im Fuß. Erst im April kehrte sie auf die Tour zurück, ohne Erfolg: In Miami, Amelia Island, Charleston und Rom war schon nach der ersten Runde Schluss, erst in Wien feierte sie ein Erfolgserlebnis und erreichte das Viertelfinale.
Erneut bis an die Grenze
Schon ihre ersten beiden Siege in Paris gegen die an Nummer 27 gesetzte Griechin Eleni Daniilidou (6:3, 6:3) und die Italienerin Maria Elena Camerin (4:6, 6:4, 6:4) kamen überraschend. Vor allem gegen Camerin (74. der Weltrangliste) ging sie an die Grenze. "Nach dem zweiten Satz musste ich mich auf der Toilette übergeben", schilderte Weingärtner ihre Magenprobleme: "Aber von da an ging es sogar besser. Ich bin stolz auf mich, dass ich immer weiter gefightet habe."
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