Capriati siegt 6:3, 2:6, 6:3 über Serena: French Open: Williams-Schwestern ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 01.06.2004 - 21:27Paris (rpo). Serena und Venus Williams sind im Viertelfinale der French Open ausgeschieden. Statt des amerikanischen Geschwisterpaares zogen Jennifer Capriati und Anastasia Myskina ins Halbfinale ein. Bei den Herren setzte Tim Henman seinen überraschenden Höhenflug fort.
Jennifer Capriati und Anastasia Myskina haben die "unbesiegbaren" Williams-Sisters an einem grauen Regentag in Paris gleich im Doppelpack nach Hause geschickt und dem Frauen-Tennis einen denkwürdigen French-Open-Tag beschert.
Zunächst gewann die an Nummer sieben gesetzte Capriati das US-Prestigeduell gegen Serena Williams (Nr. 2) nach hartem Kampf mit 6:3, 2:6, 6:3 und zog zum ersten Mal seit zwei Jahren wieder ins Halbfinale von Roland Garros ein. Kurze Zeit später besiegte die an Nummer sechs gesetzte Russin Myskina die ältere Williams-Schwester Venus überraschend leicht mit 6:3, 6:4 und qualifizierte sich zum ersten Mal für die "großen Vier" eines Grand Slams.
Statt des allgemein erwarteten Sister-Acts kommt es nun am Donnerstag zum Zweikampf zwischen Capriati und Myskina um den Einzug ins Finale. Im zweiten Halbfinale treffen ebenso überraschend Jelena Dementjewa (Russland) und Paola Suarez (Argentinien) aufeinander.
Französin Amelie Mauresmo verabschiedet sich
Zum Entsetzen von 16.000 Zuschauern auf dem Court Central bezwang die an Nummer neun gesetzte Russin mit 6:4, 6:3 die an Nummer drei eingestufte Französin Amelie Mauresmo, die nach ihren Turniersiegen in Berlin und Hamburg als Favoritin gegolten hatte. Zuvor hatte sich die 27-jährige Argentinierin unerwartet leicht mit 6:1, 6:3 gegen die 17-jährige Russin Maria Scharapowa durchgesetzt, die zuvor Marlene Weingärtner (Heidelberg) als letzte Deutsche aus dem Turnier geworfen hatte.
Unbeeindruckt vom grauen Himmel und zwei Regenpausen beendete Capriati das Comeback von Serena Williams, die in Paris nach ihrer Knieoperation vor zehn Monaten ihren ersten Grand-Slam-Auftritt seit dem Wimbledonsieg 2003 bestritt. Die Weltranglisten-Sechste erlebte auf dem Court Central zwar ein Wechselbad der Gefühle, am Ende aber hatte sie ihre Nerven und die Gegnerin im Griff. Nach 1:40 Stunden flog die letzte Vorhand von Serena Williams ins Netz, die Zuschauer auf dem Court Central applaudierten der Paris-Siegerin von 2001 nach dem großen Sieg gegen die Paris-Siegerin von 2002.
Strahlend vor Glück reckte Capriati beide Hände in den grauen Himmel und winkte ihrem neuen Trainer, dem Schweizer Heinz Günthardt, auf der Tribüne zu. Lächelnd kam Serena nach vorne ans Netz und gratulierte der Gegnerin mit einem Bussi auf die Wange: "Ich hatte einen schlechten Tag. Ich bin definitiv nicht glücklich, aber das Leben geht weiter", sagte die Verliererin: "Bis Wimbledon werde ich hart arbeiten." Schon im Vorjahr war die 22-jährige Serena in Paris in einem denkwürdigen Halbfinale gegen die spätere Siegerin Justine Henin-Hardenne (Belgien) gescheitert.
Nur einmal musste Capriati noch zittern
Nur einmal musste Capriati noch zittern. Schon ihr erster Matchball war drin, doch der Schiedsrichter ließ den Ball wegen des Aus-Rufes einer Linienrichterin noch einmal wiederholen. Die Aufregung war umsonst, auch der zweite Versuch saß. "Ich bin erleichtert", sagte die 28-Jährige später: "Es war von uns beiden nicht das beste Tennis, aber ich war das bisschen besser als sie." Bereits vor zwei Wochen in Rom hatte Capriati gegen Serena Williams im Finale gewonnen, davor aber hatte sie achtmal in Folge gegen sie verloren.
Paola Suarez hatte gegen die übernervöse Maria Scharapowa in nur 59 Minuten unerwartet leichtes Spiel. Die Russin brachte nur einmal ihren Aufschlag durch, im ersten Grand-Slam-Viertelfinale ihrer Karriere traf sie kaum einen Ball. Die Weltranglisten-14. aus Argentinien hatte auf dem Weg ins Halbfinale keinen Satz abgegeben. Schon 2002 stand sie unter den letzten Acht in Paris, weiter aber war sie noch nie gekommen. "Das Schönste ist, dass es ausgerechnet hier passiert", kommentierte die Doppel-Spezialistin ihren größten Erfolg: "Ich genieße den Moment, weiter will ich gar nicht denken."
Henman gegen Coria im Halbfinale
Der Brite Tim Henman hat seinen überraschenden Höhenflug im regnerischen Paris fortgesetzt und steht zum ersten Mal im Halbfinale der French Open. Der an Nummer neun gesetzte "Rasenmann" bezwang unter grauem Regenhimmel den Argentinier Juan Ignacio Chela (Nr. 22) unerwartet leicht mit 6:2, 6:4, 6:4 und erreichte als erster Brite seit Mike Sangster 1963 die Vorrschlussrunde in Roland Garros.
Dort trifft Henman, der schon viermal im Halbfinale von Wimbledon stand, am Freitag auf den Sandspezialisten Guillermo Coria. Der an Nummer drei gesetzte Argentinier schlug den Spanier Carlos Moya (Nr. 5) nach hartem Kampf in 2:25 Stunden mit 7:5, 7:6 (7:3), 6:3 und zog zum zweiten Mal in Folge ins Halbfinale ein. Coria blieb in Paris in bisher fünf Spielen ohne Satzverlust. Der 22-Jährige kassierte in diesem Jahr auf Sand nur eine Niederlage: gegen den Schweizer Roger Federer im Finale von Hamburg.
STATISTIK:
Dameneinzel, Viertelfinale:
Jennifer Capriati (USA/Nr. 7) - Serena Williams (USA/Nr. 2) 6:3, 2:6, 6:3,
Jelena Dementiewa (Russland/Nr. 9) - Amelie Mauresmo (Frankreich/Nr. 3) 6:4, 6:3,
Paola Suarez (Argentinien/Nr. 14) - Maria Scharapowa (Russland/Nr. 18) 6:1, 6:3,
Anastasia Myskina (Russland/Nr. 6) - Venus Williams (USA/Nr. 4) 6:3, 6:4
Damit im Halbfinale:
Anastasia Myskina - Jennifer Capriati, Paola Suarez - Jelena Dementiewa
Herreneinzel, Viertelfinale:
Guillermo Coria (Argentinien/Nr. 3) - Carlos Moya (Spanien/Nr. 5) 7:5, 7:6 (7:3), 6:3,
Tim Henman (Großbritannien/Nr. 9) - Juan Ignacio Chela (Argentinien/Nr. 22) 6: 2, 6:4, 6:4
Gustavo Kuerten - David Nalbandian
Carlos Moya - Guillermo Coria
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