Niederlage trotz guter Leistung: German Open: Kiefers Negativserie hält an
zuletzt aktualisiert: 13.05.2003 - 15:56Hamburg (rpo). Erneuter Rückschlag für Nicolas Kiefer. Trotz einer engagierten Leistung ist der Holzmindener schon in der ersten Runde des mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Turniers am Hamburger Rothenbaum ausgeschieden. Kiefer unterlag Albert Costa in zwei Sätzen.
Nicolas Kiefer rannte, kämpfte und ging trotzdem wieder einmal als Verlierer vom Platz. "Ich bin mächtig enttäuscht, denn die Chancen waren da", sagte der 25-Jährige nach seiner 4:6, 4:6-Auftaktpleite am Hamburger Rothenbaum gegen den spanischen French-Open-Sieger Albert Costa. "Ich hätte gewinnen können, aber in den entscheidenden Situationen habe ich nicht die richtigen Schläge gemacht."
Das ist ein altbekanntes Problem für den seit zwei Jahren im sportlichen Tief dümpelnden Tennisprofi aus Holzminden, der in dieser Saison erst zwei Spiele auf der ATP-Tour gewonnen hat. Bei dem mit 2,45 Millionen Dollar dotierten Masters-Turnier war es am Dienstag bei seinem sechsten Start die vierte Erstrundenpleite. Kiefer machte sich auf dem roten Sand am Rothenbaum das Leben selbst schwer und knickte unter der Last der vielen Niederlagen wieder einmal ein. Schon der Beginn seiner Auftritte dokumentieren das verschwundene Selbstvertrauen. So auch gegen Costa, der ohne jede Mühe mit 2:0 in Führung gehen konnte und Kiefers Unsicherheit damit nur noch größer machte. Zwar stemmte sich die einstige Nummer vier der Welt, der 1999 noch im WM-Halbfinale stand, gegen das bekannte Ungemach. Doch wirkungsvolle Mittel stehen ihm und seiner angeknacksten Sportlerseele dafür nicht zur Verfügung.
"Er macht die entscheidenden Punkte nicht. Es ist ein Trauerspiel - und das schon seit drei Jahren. Das ist doch keine Momentaufnahme", sagte Boris Becker über seinen einstigen Schützling im Mercedes-Junior-Team. Dabei könne jedermann sehen, dass der eigenwillige Niedersachse alles kann. Eigentlich gehöre er in die Weltspitze. Und warum klappt es trotzdem nicht? "Es war ein Riesenfehler, dass er sich von Trainer Bob Brett getrennt hat", meint Becker. Stattdessen arbeitet Kiefer mit dem umstrittenen Farid Bentaous und neuerdings auch mit dem saarländischen Verbandstrainer und Ex-Profi Dirk Dier zusammen.
Aber die richtigen Tipps konnten sie Kiefer für das Match gegen den Rothenbaum-Sieger von 1999 offensichtlich nicht geben. Viel zu passiv spielte der und wartete auf Fehler seines Kontrahenten, was "Chairman" Becker einen fatalen Fehler nannte: "Albert Costa macht im Jahr vielleicht zehn Fehler." Da müsse man viel aggressiver zu Werke gehen und mehr Initiative zeigen. Auch im Vorjahr scheiterte Kiefer gegen einen French-Open-Sieger in Runde eins: Gustavo Kuerten aus Brasilien, der sich diesmal im ersten Night-Session-Match überhaupt am Rothenbaum mit 6:2, 6:4 gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela durchsetzte und nun auf den Russen Nikolai Dawidenko trifft.
Dabei hielt die ehemalige Nummer vier der Welt gegen den French-Open-Champion aus Barcelona die Partie einigermaßen offen. Vor einem Jahr war Kiefer beim Arag World Team Cup in Düsseldorf gegen den gleichen Gegner noch mit 2:6, 2:6 unter die Räder gekommen.
Ergebnisse HamburgDer 27 Jahre alte Spanier ist in dieser Sandplatzsaison allerdings auch noch weit von seiner Bestform entfernt, seine Matchbilanz steht bei 13:9. Die Chance zu einer positiven Überraschung war für Kiefer also da, und die rund 6000 Zuschauer auf dem geschlossenen Centre Court unterstützten ihn nach Kräften. Mit rhythmischem Klatschen versuchten sie in kritischen Situationen Daviscup-Stimmung zu erzeugen.
Anschließend trat Rainer Schüttler gegen den Spanier David Ferrer an, der deutsche Meister Markus Hantschk spielte am Abend gegen den topgesetzten Lleyton Hewitt (Australien).Der 25-jährige Kiefer hatte von Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen eine Wildcard für das Hauptfeld des wichtigsten deutschen Turniers bekommen. Im Entry System der ATP ist er mittlerweile auf Rang 75 abgerutscht und hätte damit in die Qualifikation gemusst. In den letzten Wochen konnte Kiefer wegen Rückenproblemen nicht spielen und verpasste deshalb auch die Turniere in München und Rom. Seine Jahresbilanz verschlechterte sich nach diesem erneuten Rückschlag auf nur einen Sieg bei fünf Niederlagen.
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