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Wüsten-Experiment: Gewaltmarsch zwischen Marssonden

zuletzt aktualisiert: 06.03.2008 - 15:25

Köln (RPO). Sonst testen die US-Amerikaner dort nur ihre Marssonden. Ab Sonntag forscht der Kölner Frank Hülsemann jedoch bei einem 700 km langen Solo-Gewaltmarsch durch die Atacama-Wüste in Chile im Dienste der Sportwissenschaft. In der trockendsten Region der Welt will Hülsemann neue Erkenntnisse zum Energie- und Wasserhaushalt des menschlichen Organismus bei Extrembelastungen sammeln.

Frank Hülsemann testet einen Wüsten-Gewaltmarsch. Foto: AFP, AFP

"Gereizt haben mich zuerst die sportliche Herausforderung und die historische Route, auf der ich gehen werde. Das wissenschaftliche Projekt haben wir dann oben draufgesattelt", erzählt der 36-Jährige vom Deutschen Forschungszentrum für Leistungssport der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine Strecke folgt der alten Inkastraße, die entlang der wenigen Süßwasserquellen verläuft und die der deutsche Naturforscher Rudolph Amandus Philippi 1853/54 im Auftrag der chilenischen Regierung erkundete.

Acht Kilo "Hüftgold" hat sich Hülsemann (85 kg) für das Experiment angefuttert. Sie sind seine "Lebensversicherung". In San Pedro de Atacama geht es am Wochenende los, drei Wochen später will der ehemalige Hindernisläufer des ASV Köln mit einem vorausberechneten Gewichtsverlust von fünf bis acht Kilo die Stadt Copiapo erreichen: "Ich habe für jeden Tag knapp 3000 Kilokalorien an gefriergetrockneter Nahrung dabei. Da ich täglich 7500 brauche, muss der Rest aus dem Körper kommen."

Auf dem Laufband einer Höhenkammer hat sich der Extremsportler in den vergangenen Monaten an die Belastung gewöhnt. Seine Kollegen bestimmten derweil den Energie- und Wasserverbrauch voraus, um ihn später mit den Werten vergleichen zu können, die ein am Oberarm getragenes Band sowie eine Haaranalyse im Ziel liefern werden.

In seinem 40-kg-Rucksack trägt Hülsemann, der nur für den Notfall Hilfe von außen in Anspruch nehmen will, lediglich seine Nahrung, 15 Liter Wasser, ein Zelt, einen Schlafsack, Sonnenschutz, Medikamente, ein Satelittentelefon, Landkarten sowie ein Gerät für die Rettung Schiffbrüchiger. Mit diesem kann der Diplom-Chemiker Brack- und Salzwasser zu Trinkwasser aufarbeiten, falls die wenigen in den Karten verzeichneten Wasserstellen vertrocknet sein sollten.

Was ihn erwartet, weiß Hülsemann bereits seit 2005, als er mit einer Gruppe Extremsportlern schon einmal auf den Spuren der Inka-Botenläufer in Chile, Peru und Bolivien unterwegs war: "Bei uns in Deutschland hört man das Blätterrauschen, in der Atacama das Rauschen des Blutes im Ohr, so still ist es dort."

Und noch einer Sache ist sich der Naturwissenschaftler schon vor dem Experiment gewiss: Als Diät taugt eine Durchquerung der chilenischen Wüstenlandschaft entlang des Anden-Hauptkamms trotz des vorhergesagten Gewichtsverlustes nicht. "Dafür ist es viel zu teuer." Rund 10.000 Euro kostet das Abenteuer.

Quelle: sid

 
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