Schwimm-EM in Budapest: Goldfisch Steffen angelt sich vierten EM-Titel
zuletzt aktualisiert: 06.08.2006 - 18:55Budapest (rpo). Britta Steffen hat der Schwimm-EM in Budapest ihren Stempel aufgedrückt. Zum Abschluss der Veranstaltung in der ungarischen Hauptstadt gewann Deutschlands neuer Schwimm-Star über 50 m Freistil in 24,72 Sekunden Gold und stellte dabei die fünf Jahre alte nationale Bestmarke von Sandra Völker ein. Zudem gab es Silber mit der 4x100m-Lagenstaffel. Steffen steht bereit, die Lücke der großen Franziska van Almsick im Deutschen Schwimm-Verband (DSV) zu schließen.
"Bei den Weltrekorden hatte ich Gänsehaut", sagte der neue DSV-Sportdirektor Örjan Madsen, der bei seinem internationalen Debüt einen Einstand nach Maß feierte. Selbst der kühle Analytiker geriet bei den Gala-Vorstellungen der "hervorragenden Mädels" ins Schwärmen. Trotz sechsmal Gold, viermal Silber und zweimal Bronze sowie Platz zwei hinter Russland im Medaillenspiegel verschloss Madsen aber auch nicht den Blick vor schwächeren Leistungen: "Wir lassen uns nicht einlullen. Es gab auch schwarze Löcher."
Erleichtert und entzückt nahm DSV-Präsidentin Christa Thiel die Rückkehr der deutschen Mannschaft in die Weltspitze zur Kenntnis. "Das war zum Teil sensationell und der erhoffte gelungene Auftakt auf dem Weg nach Peking", sagte Thiel: "Das Team ist mental viel stärker geworden, und ich bin mir sicher, dass wir auch bei der WM im kommenden Jahr in Melbourne in der Höhle des Löwen bestehen werden."
Steffen schwimmt sich ins Rampenlicht
Vor allem Britta Steffen schwamm sich mit ihrem Weltrekord über 100 m Freistil sowie den zwei Bestmarken mit den Staffeln ins Rampenlicht. "Kopf und Körper sind jetzt eine Einheit", erklärte die 22-Jährige, die nach Athen eine schöpferische Pause eingelegt hatte. Für Peking gilt Steffen nun als große Hoffnungsträgerin auf den ersten Olympiasieg einer deutschen Schwimmerin seit Dagmar Hase 1992 in Barcelona. "Olympia ist mein klares Ziel. Da will ich ganz vorne dabei sein", sagte Steffen.
Mit ihren ersten internationalen Titeln auf der Langbahn bescherten Modell-Athletin Janine Pietsch aus Ingolstadt und Youngster Helge Meeuw jeweils über 50 m Rücken dem DSV weiteres Gold. Zudem gewannen Pietsch (Bronze), Nicole Hetzer aus Burghausen (Silber) und Erfolgsgarantin Antje Buschschulte aus Magdeburg trotz Studium-Stress (einmal Silber und Bronze) weiteres Edelmetall.
Der fünffache deutsche Meister Meeuw konnte sich zwar mit einem Titel trösten, wurde nach seinem Höhenflug von Berlin aber auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt und verlor zudem seinen Europarekord über 200 m Rücken an den Russen Arkadi Wijatschanin. "Die Jungs müssen generell härter trainieren. Die sind teilweise geschwommen, als hätte man sie nachts geweckt und ins Wasser geworfen", fand Madsen deutliche Worte.
Lob für die Langstreckler
Ein Lob zollte Thiel unterdessen auch den beiden anderen DSV-Fachsparten: "Die Langstreckler waren eine Klasse für sich, und auch die Springer haben ihre Erfolgsgeschichte fortgesetzt."
Mit viermal Gold, einmal Silber und zweimal Bronze hatten die Langstreckler im Plattensee für einen triumphalen Auftakt gesorgt. Für Britta Kamrau-Corestein, die zwei Jahre nach ihrem EM-Triple ohne Medaille blieb, sprangen andere ein. Der Würzburger "Goldjunge" Thomas Lurz gewann ebenso zwei Titel wie Angela Maurer (Wiesbaden), die nach einjähriger Baby-Pause ein grandioses Comeback feierte. Mit ihren Siegen in der künftig olympischen Königsdisziplin über 10 km setzten die Beiden zudem ein Zeichen für Peking.
Bei den Springern trotzten Andreas Wels (Halle) und Tobias Schellenberg (Berlin) ihren gesundheitlichen Problemen zumindest im Synchron-Wettbewerb und holten nach ihren zweiten Plätzen bei Olympia in Athen sowie der WM in Montreal Gold vom 3-m-Brett. Zudem verteidigten Nora Subschinski (Berlin) und Annett Gamm (Dresden) ihren Synchron-Titel vom Turm.
Im letzten Wettkampf holte Routinier Heiko Meyer nochmal Silber vom Turm. Mit 459,45 Punkten landete der 29-Jährige aus Riesa hinter dem Russen Gleb Galperin (472,90). Der Aachener Sascha Klein, der mit Meyer am Vortag Synchron-Silber gewonnen hatte, verpasste als Vierter (427,75) knapp eine Medaille.
Schwimmen, EM in Budapest, 50-m-Becken, 7. und letzter Tag:
Männer:
50 m Freistil:
1. Bartosz Kizierowski (Polen) 21,88 Sekunden
2. Olexander Wolinez (Ukraine) 21,97
3. Duje Draganja (Kroatien) 22,14
4. Frederick Bousquet (Frankreich) 22,20
5. Stefan Nystrand (Schweden) 22,22
6. David Maitre (Frankreich) 22,46
7. Andrei Kapralow (Russland) 22,46
8. Jewgeny Lagunow (Russland) 22,55
400 m Lagen:
1. Laszlo Cseh (Ungarn) 4:09,86 Minuten
2. Luca Marin (Italien) 4:14,15
3. Alessio Boggiatto (Italien) 4:16,34
4. David Carry (Großbritannien) 4:18,86
5. Nicolas Rostoucher (Frankreich) 4:19,30
6. Ionnis Drymonakos (Griechenland) 4:20,38
7. Vasilios Demetis (Griechenland) 4:20,48
8. David Verraszto (Ungarn) 4:20,76
4x100m Lagen:
1. Russland 3:34,96 Minuten
2. Ukraine 3:36,21
3. Großbritannien 3:36,61
4. Frankreich 3:36,98
5. Ungarn 3:38, 08
6. Rumänien 3:39,06
7. Deutschland (Helge Meeuw/Wiesbaden, Johannes Neumann/Riesa, Benjamin Starke/Cottbus und Marco Di Carli/Frankfurt) 3:39,33.
Disqualifiziert: Schweden
Frauen:
50 m Freistil:
1. Britta Steffen (Berlin) 24,72 Sekunden (DR)
2. Therese Alshammar (Schweden) 24,87
3. Marleen Veldhuis (Niederlande) 24,89
4. Malia Metella (Frankreich) 25,20
5. Agate Korc (Polen) 25,25
6. Cristina Chiuso (Italien) 25,35
7. Inge Dekker (Niederlande) 25,38
8. Swetlana Chachlowa (Weißrussland) 25, 50
400 m Freistil:
1. Laure Manaudou (Frankreich) 4:02,13 Minuten (WR)
2. Joanne Jackson (Großbritannien) 4:07,76
3. Caitlin McClatchey (Großbritannien) 4:08,13
4. Alessia Filippi (Italien) 4: 08,43
5. Camelia Potec (Rumänien) 4:09,17
6. Arantxa Ramos Plasencia (Spanien) 4:11,44
7. Sophie Huber (Frankreich) 4:12,60, Katinka Hosszu (Ungarn) 4:17,12
50 m Brust:
1. Jelena Bogomasowa (Russland) 31,69 Sekunden
2. Kate Haywood (Großbritannien) 31,71
3. Agnes Kovacs (Ungarn) 31, 95
4. Janne Schäfer (Wolfsburg) 32,05
5. Roberta Panara (Italien) 32,12
6. Moniek Nijhuis (Niederlande) und Rebecca Ejdervik (Schweden) beide 32,27
8. Ina Kapischina (Weißrussland) 32,44
200 m Schmetterling:
1. Otylia Jedrzejczak (Polen) 2:07,09 Minuten
2. Francesca Segat (Italien) 2:08,96
3. Caterina Giacchetti (Italien) 2:09,01
4. Beatrix Boulsevicz (Ungarn) 2:09, 24
5. Jessica Dickons (Großbritannien) 2:09,76
6. Sarah Bey (Frankreich) 2:10,03
7. Aurore Mongel (Frankreich) 2:10,25
8. Krsztina Lipcsei (Ungarn) 2:10,53
4x100m Lagen:
1. Großbritannien 4:02,24 Minuten
2. Deutschland (Antje Buschschulte/Magdeburg, Sarah Poewe/Wuppertal, Annika Mehlhorn/Baunatal, Britta Steffen/Berlin) 4:02,35
3. Frankreich 4:03,64
4. Ukraine 4:05,56
5. Niederlande 4:06,18
6. Ungarn 4:06,66
7. Schweden 4:07,28
8. Dänemark 4:10,31
Wasserspringen, Synchron-Springen, Frauen, 3-m-Brett:
1. Natalja Umiskowa/Nadeschda Bachina (Russland) 314,55 Punkte
2. Ditte Kotzian/Heike Fischer (Berlin/Leipzig) 298,68
3. Olena Fedorowa/Kristina Ischschenko (Ukraine) 292,17
4. Nora Barta/Villö Kormos (Ungarn) 279,15
5. Eleni Katzimitrou/Christina Tsiripidou (Griechenland) 275,25
6. Noemi Batki/Francesca Dallape (Italien) 274,83
7. Louise van Hoof/Jodie McGroarty (Großbritannien) 267,63
8. Leyre Eizaguirre/Dolores Saez (Spanien) 255,63
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