Tennis/ATP-Tour: Greul sorgt für Überraschung - Haas ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 28.03.2006 - 09:28Miami (rpo). Simon Greul hat beim ATP-Turnier von Miami für eine Überraschung gesorgt. Der Stuttgarter besiegte in der Runde der letzten 32 den englischen Weltklasse-Spieler Tim Henman nach hartem Kampf in drei Sätzen mit 0:6, 6:1, 7:5. Tommy Haas ist hingegen ausgeschieden.
Greul trifft im Achtelfinale nun auf den an Nummer vier gesetzten US-Amerikaner Andy Roddick, der den Spanier Fernando Verdasco mit 6:3 und 6:4 bezwang. Haas hatte nichts zu bestellen. Gegen den Schweizer Roger Federer unterlag er in zwei Sätzen mit 1:6 und 3:6 deutlich.
Haas hat seit Jahresbeginn auf der ATP Tour eine Matchbilanz von 20:4 zu Buche stehen. Zwei Turniersiege stehen schon auf seinem Konto, noch größere Erfolge verhindert stets der Branchenprimus aus der Schweiz. Auf der Tour konnte allein Federer den Deutschen bislang regulär bezwingen, in Indian Wells musste Haas gegen James Blake wegen einer Lebensmittelvergiftung aufgeben.
In Miami spielte Federer gegen Haas erneut in einer Form auf, in der er praktisch unschlagbar ist. "Ich habe exzellent gespielt, ich bin sehr zufrieden", sagte der grundsätzlich sehr selbstkritische Eidgenosse.
So standen am Dienstag nur noch Nicolas Kiefer und eben Simon Greul im Achtelfinale. Deutschlands Nummer eins musste gegen den Argentinier Agustin Calleri ran, während Greul auf dem Centre Court seine nächste große Herausforderung annahm und dem Weltranglisten-Vierten Andy Roddick gegenübertrat. "Auf diese neue Erfahrung freue ich mich", sagte der Stuttgarter nach seinem Coup gegen Henman: "Das ist hier alles unglaublich für mich."
Dabei zeigte Greul eine für einen Debütanten erstaunliche Cleverness. Nach dem nervös und glatt verlorenen ersten Satz stellte er gegen Henman sein Spiel um. Eigentlich ein Grundlinienspezialist, attackierte er fortan ständig am Netz und brachte den erfahrenen Engländer völlig aus dem Konzept. "Das war eine der bittersten Niederlagen meiner Karriere", sagte Henman: "Er hat sich von Null auf Hundert gesteigert, am Ende war er richtig gut."
Der 24 Jahre alte Rechtshänder Simon Greul hatte drei Jahre lang mit einer Blinddarmerkrankung und einem Bänderriss im rechten Knöchel zu tun, seine Karriere kam deshalb kaum voran. Zwischen Rang 200 und 150 tummelte er sich, spielte vorzugsweise auf Challenger-Turnieren. Vor Miami bestritt er in diesem Jahr erst zwei Matches auf der "richtigen" Tour, die er in Chennai und Delray Beach jeweils verlor.
In Miami läuft es deutlich besser, vor Henman hat Greul bereits Paradorn Srichaphan und Dominik Hrbaty ausgeschaltet. "Ich wollte mich eigentlich nur für das Hauptfeld qualifizieren", sagte der 1,7-Abiturient, der sich seit einiger Zeit von dem Sportpsychologen Martin Schneider betreuen lässt: "Dass es so gut laufen würde, hätte ich nie gedacht."
Seinem Ziel, den Top 100, ist er in Miami sehr viel näher gerückt, Platz 105 dürfte der Fan der Dallas Mavericks durch das Achtelfinale erreicht haben. Das Hauptfeld bei Grand-Slam-Turnieren wäre damit sicher. "Bei meiner Verletzung vor zwei Jahren habe ich ans Aufhören gedacht, jetzt bin ich froh, dass ich weitergemacht habe", sagt der Lehrersohn: "Ich hoffe, ich bin keine Eintagsfliege. "
Ergebnisse:
ATP-Turnier, Miami, 3. Runde (Einzel-Herren):
James Blake (USA) - Jarkko Nieminen (FIN) 6:3 4:6 6:1
Dmitry Tursunov (RUS) - Igor Andreev (RUS) 6.3 1.6 6.4
Simon Greul (GER) - Tim Henman (GBR) 0:6 6:1 7:5
Andy Roddick (USA) - Fernando Verdasco (ESP) 6:3 6:4
Olivier Rochus (BEL) - Guillermo Coria (ARG) 6:4 6:3
Juan Ignacio Chela (ARG) - Kristof Vliegen (BEL) 6:3 7:6
David Ferrer (ESP) - Sebastien Grosjean (FRA) 4:6 7:5 6:4
Roger Federer (SUI) - Tommy Haas (GER) 6:1 6:3
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