Damen-Tennis: Grönefeld soll Deutschlands neues Aushängeschild werden
zuletzt aktualisiert: 21.01.2005 - 12:35Melbourne (rpo). Die deutschen Tennis-Damen befinden sich in der Krise: Marlene Weingärtner, Anca Barna und Julia Schruff dokumentierten bei den Australian Open in Melbourne mit ihren Erstrundenniederlagen einmal mehr die biedere Gegenwart der deutschen Tennisdamen. Immerhin weckte die 19 Jahre alte Anna-Lena Grönefeld trotz ihrer Drittrunden-Niederlage am Freitag eine leise Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
"Ich habe Anna-Lena noch nie so gut spielen sehen wie hier. Sie geht total positiv in ein Match und ist so richtig heiß, das schätze ich", sagte die neue Fed-Cup-Teamchefin Barbara Rittner über das größte Tennistalent im einstigen Steffi-Graf-Land und erklärte den Unterschied zwischen der Nordhornerin und ihren Kolleginnen: "Sie ist nur einen Moment lang zufrieden, aber dann will sie gleich mehr. Das zeichnet sie im Gegensatz zu vielen anderen aus." Grönefeld will langfristig unter die Top 20 der Welt.
Sie soll Rittners neue Führungsspielerin werden, aber auch auf Weingärtner, Barna und Schruff setzt die Teamchefin weiterhin. "Im Fed Cup sollen die Besten spielen, egal, ob jung oder alt", sagt Rittner. Allerdings spielten Weingärtner und Barna in Melbourne wieder mal durchwachsen. "Die Auslosung war auch nicht gerade top, es war eigentlich normal, dass Anca ausgeschieden ist. Marlene ist ein ganz anderer Fall. Sie ist eine Einzelgängerin. Ihr Trainer Christian Vinck und sie lassen sich überhaupt nicht reinreden", erklärt Rittner: "Sie hat immer wieder Probleme mit dem Rücken. Das schreit nach Kräftigung der Oberkörpermuskulatur."
"Da laufe ich gegen eine Wand"
Barna und Weingärtner tragen nach Einschätzung Rittners zudem noch ein ganz anderes Problem mit sich herum: "Dass sie nicht für Olympia nominiert wurden, sitzt nach wie vor tief. Ich sage ihnen immer wieder, dass das nicht die Schuld des Deutschen Tennis Bundes war, aber da laufe ich gegen eine Wand."
Immerhin sind bereits nach drei Wochen offizieller Amtszeit alle Schwierigkeiten mit Grönefeld aus dem Weg geräumt. "Sie war in meinen Augen zunächst das große Problemkind", erzählt Rittner. Angebliche Äußerungen der Leverkusenerin über das Verhältnis zwischen Grönefeld und ihrem Coach Rafael Font de Mora hatten zu Irritationen geführt: "Ich habe anderthalb Stunden mit Rafael gesprochen. Es gab viele Gerüchte und Missverständnisse, aber das ist alles ausgeräumt. Anna will auf jeden Fall Fed Cup spielen."
Damit Grönefeld nicht der einzige Hoffnungsschimmer im deutschen Damentennis bleibt, hat sich Rittner in Melbourne auch der seit Dienstag 17 Jahre alten Angelique Kerber und der gleichaltrigen Andrea Petkovic angenommen, die in der kommenden Woche beim Juniorinnenturnier in Melbourne aufschlagen. "Das sind zwei hoffnungsvolle Talente", sagt Rittner.
Hoffnungsfroh stimmte die frühere Nummer 24 der Welt zumindest auch der Einsatz der anderen deutschen Spielerinnen in Australien: "Ich habe hier morgens von acht bis elf eine Trainingseinheit für die Deutschen angeboten. Bis auf Marlene und Anna, die eigene Trainer dabei hatten, sind alle gekommen. Das ging ganz ohne Zicken ab."
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