French Open: Haas und Kiefer im Gleichschritt
zuletzt aktualisiert: 27.05.2005 - 12:24Paris (rpo). Tommy Haas lehnte sich nach seinem Aufgabesieg ganz entspannt zurück und dachte schon an die nächste Herausforderung, Nicolas Kiefer arbeitete sich derweil in der Hitze von Paris mit großem Kampfgeist in die dritte Runde.
Die wichtigste Nachricht überbrachte Nicolas Kiefer zuerst. "Meiner Oma geht es gut. Sie hat es überlebt", erzählte der Mannschafts-Weltmeister nach dem Fünfsatzkrimi gegen den Franzosen Arnaud Clement schmunzelnd. Fast vier Stunden hatte er den 12.000 Zuschauern auf dem Centre Court und der französischen Großmutter zu Hause vor dem Fernseher "gleich zehn Kiefers gezeigt". "Das war mal der verrückte, mal der brave, mal der zurückhaltende und mal der aggressive Kiefer", meinte der Niedersachse noch ganz aufgedreht.
Dabei hatte der 27-Jährige bei seinem 4:6, 6:2, 6:2, 4:6, 6:4-Erfolg nicht nur gegen sich selbst und seinen Gegner gekämpft, sondern später auch gegen die als exzentrisch bekannten Tennisfans von Paris. Denn nachdem er aus Wut und Verzweiflung erst ein paar Blütenblätter aus der Dekoration geschlagen, seinen Schläger ins Netz gepfeffert hatte und immer wieder Linienrichter-Entscheidungen korrigieren ließ, pfiffen die Franzosen den Deutschen mit der französischen Mutter gnadenlos aus.
"Das war eine Wahnsinnsatmosphäre da draußen. Da wird man noch heißer. Und es war so emotional, ein bisschen hat es mich an das Doppel-Endspiel von Athen erinnert", erzählte "Kiwi", der es am Samstag mit dem Russen Igor Andrejew zu tun bekommt.
Während er bei Olympia an der Seite von Rainer Schüttler das dramatische Finale um Gold verloren geben musste, hatte er diesmal das Happy End auf seiner Seite: "Mir ist so ein Riesenstein vom Herzen gefallen, als ich den letzten Volley versenkt habe."
Es folgte das Telefongespräch mit der Oma, die "am liebsten immer den Fernseher umarmen würde, wenn sie mich sieht". Ein bisschen die Leviten gelesen hat die alte Dame ihrem Enkel mit den vielen Gesichtern dann aber schon. "Sie kennt mich so ja sonst nicht. Bei ihr bin ich immer ganz lieb", meinte Kiefer, der endlich wieder das alte Feuer spürt: "Aber sie hat sich gefreut, dass sie mich endlich mal länger gesehen hat."
Nur Kurzarbeit musste am Donnerstag im Gegensatz zu Kiefer Tommy Haas verrichten. Die deutsche Nummer eins führte nach einem konzentrierten Auftritt schon 6:4, 6:3 gegen den US-Amerikaner Vincent Spadea, als der wegen einer Bauchmuskelzerrung aufgab. Entsprechend gelassen blickte Haas seinem nächsten Match gegen den an Nummer 12 gesetzten Russen Nikolaj Dawidenko entgegen.
"Ich bin zwar der Außenseiter, aber vielleicht kann ich ihn überraschen. Ich mag es, bei dieser Hitze zu spielen, und ich fühle mich sehr gut hier", meinte der gebürtige Hamburger. Zwei entspannte Sätze und dann ab in die nächste Runde - das hätte wahrscheinlich auch Großmutter Kiefer ganz gut gefallen. Die Dame ist 90.
French Open in Paris (13,5 Mio. Euro):
Herreneinzel, 2. Runde:
Tommy Haas (USA-Sarasota/Nr. 21) -
Vince Spadea (USA) 6:4, 6:3-Aufgabe Spadea
Nicolas Kiefer (Hannover/Nr. 28) -
Arnaud Clement (Frankreich) 4:6, 6:2, 6:2, 4:6, 6:4
Jose Acasuso (Spanien) -
Andy Roddick (USA/Nr. 2) 3:6, 4:6, 6: 4, 6:4, 6:3, 8:6
Marat Safin (Russland/Nr. 3) -
Lukas Dlouhy (Tschechien) 6:7 (6:8), 6:3, 7:5, 6:1,
Guillermo Coria (Argentinien/Nr. 8) -
Novak Djokovic (Serbien-Montenegro) 4:6, 6:2, 3:2-Aufgabe Djokovic
Guillermo Canas (Argentinien/Nr. 9) -
Albert Montanes (Spanien) 6:1, 6:3, 6:4
Nikolaj Dawydenko (Russland/Nr. 12) -
Olivier Rochus (Belgien) 3:6, 7:5, 6:2, 6:3
Tommy Robredo (Spanien/Nr. 15) -
Dick Norman (Belgien) 6:4, 6:2, 6:4
David Sanchez (Spanien) -
Thomas Johansson (Schweden/Nr. 19) 6:3, 3:6, 4: 6, 7:6 (7:4), 6:4
Filippo Volandri (Italien/Nr. 27) -
Flavio Saretta (Brasilien) 6:4, 6:1, 6:2
Jürgen Melzer (Österreich) -
Michail Juschnj (Russland/Nr. 29) 6:3, 6:4, 7:6 (7:5)
Juan Carlos Ferrero (Spanien/Nr. 32) -
Jan Hernych (Tschechien) 6:4, 6:4, 6:2
Mariano Puerta (Argentinien) -
Kristof Vliegen (Belgien) 6:3, 7:5 6:2
Igor Andrejew (Russland) -
Jarkko Nieminen (Finnland) 6:2, 6:4, 6:7 (3:7), 6:2
Paul Henri Mathieu (Frankreich) -
Chris Guccione (Australien) 6:3, 6:4, 6:4
Stanislas Wawrikna (Schweiz) -
James Blake (USA) 6:7 (9:11), 5:7, 6:1, 6:3, 6:4
Dameneinzel, 2. Runde:
Anna-Lena Grönefeld (Nordhorn) -
Anna Smashnova (Israel) 6:1, 6:0
Maria Scharapowa (Russland/Nr. 2) -
Aravane Rezai (Frankreich) 6:3, 6:2
Amelie Mauresmo (Frankreich/Nr. 3) -
Alize Cornet (Frankreich) 6:0, 6:2
Swetlana Kusnezowa (Russland/Nr. 6) -
Sofia Arvidsson (Schweden) 6:3, 6:4
Nadja Petrowa (Russland/Nr. 7) -
Severine Beltrame (Frankreich) 6:1, 6:3
Justine Henin-Hardenne (Belgien/Nr. 10) -
Virginia Ruano Pascual (Spanien) 6:1, 6:4
Jelena Bowina (Russland/Nr. 12) -
Tathiana Garbin (Italien) 6:1, 1:6, 6:4
Nathalie Dechy (Frankreich/Nr. 13) -
Samantha Stosur (Australien) 6:3, 6:3
Tatiana Golovin (Frankreich/Nr. 17) -
Antonella Serra Zanetti (Italien) 6:0, 6:1
Francesca Schiavone (Italien/Nr. 22) -
Nicole Vaidisova (Tschechien) 6:2, 7:6 (7:5)
Anabel Medina Garrigues (Spanien) -
Magdalena Malejewa (Bulgarien/Nr. 24) 6:3, 6:4
Ana Ivanovic (Serbien-Montenegro/Nr. 29) -
Iveta Benesova (Tschechien) 6:3, 6:1
Marissa Irvin (USA) -
Gisela Dulko (Argentinien/Nr. 6:4, 7:5
Anna Tschakwetadse (Russland) -
Klara Koukalova (Tschechien) 6:4, 6:3
Shahar Peer (Israel) -
Kveta Peschke (Tschechien) 6:1, 1:6, 6:4
Nuria Llagostera Vives (Spanien) -
Kristina Brandi (Puerto Rico) 7:6 (7:2), 6:0
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