Australian Open: Haas und Kiefer unter den letzten 16
zuletzt aktualisiert: 21.01.2006 - 09:54Melbourne (rpo). Erstmals stehen in der Geschichte der Australian Open zwei Deutsche im Achtelfinale: Tommy Haas und Nicolas Kiefer beeindruckten mit starken Auftritten und bewältigten ihre Aufgaben unter extremen Bedingungen jeweils in vier Sätzen.
Sie sind in der Hitze von Melbourne cool geblieben, haben ihre Chancen genutzt und einen der größten Erfolge für das deutsche Tennis erreicht. Tommy Haas und Nicolas Kiefer gemeinsam im Achtelfinale bei den Australian Open: Das ist den beiden besten deutschen Profis in ihrer zehnjährigen Laufbahn bei einem Grand-Slam-Turnier erst einmal 2002 bei den US Open in New York gelungen. In Melbourne standen zwei deutsche Herren noch nie gleichzeitig in der Runde der letzten 16 - nicht einmal Boris Becker und Michael Stich haben das geschafft.
Haas bezwang den Australier Peter Luczak nach einer sehr konzentrierten Leistung mit 4:6, 6:3, 6:4, 6:4. Noch höher war Kiefers 6:3, 6:2, 5:7, 6:2-Sieg über den ehemaligen Weltranglistenersten Juan Carlos Ferrero einzuschätzen.
In Euphorie über das gemeinsame Erfolgserlebnis wollten sie aber nicht verfallen. Eher im Gegenteil, der Erfolg seines Daviscupkollegen wollte Kiefer nicht kommentieren: "Ich muss mich um meine eigenes Business kümmern."
Hallenatmosphäre
Wegen der erneut extremen Hitze von teilweise über 40 Grad wurden beide Partien unter geschlossenem Dach in Hallenatmosphäre ausgetragen. Die Bälle wurden dadurch langsamer, aber die direkte Sonneneinstrahlung fehlte. "Es ist schon brutal heiß gewesen, es war sicher nötig, das Dach zu schließen, um die Spieler zu schützen", sagte Haas.
Unmittelbar vor seinem Match musste Michaella Krajicek (Niederlande) ihr Spiel gegen Amelie Mauresmo (Frankreich) nach dem mit 2:6 verlorenen ersten Satz aufgeben. "Ich hatte das Gefühl, ich müsste mich übergeben, hatte starke Bauch- und Magenschmerzen", sagte die 17-jährige Halbschwester des ehemaligen Wimbledonsiegers Richard Krajicek. Sie musste nach ihrer Aufgabe ein Eisbad nehmen, um ihre Körpertemperatur wieder zu senken. Erst nach diesem Spiel wurden die Dächer in den beiden Hauptstadien geschlossen. Auf den Außenplätzen wurde der Spielbeginn um mehrere Stunden verschoben.
Mut zum Erfolg
Martina Hingis war da bereits fertig, die Schweizerin war bei ihrem 6:4, 6:1-Erfolg über die Tschechin Iveta Benesova schneller als die Sonne und setzte ihr Comeback erfolgreich fort. Im Achtelfinale trifft sie nun auf die Australierin Samatha Stosur und ist auch in diesem Match klar favorisiert. Danach allerdings könnte sie im Viertelfinale auf die belgische US-Open-Siegerin Kim Clijsters treffen. Das wäre für die ehemalige Weltranglistenerste der erste echte Härtetest.
Kiefer spielt nun gegen den Argentinier Juan Ignacio Chela. In der Verfassung vom Samstag ist er da auch nicht chancenlos. Mutig suchte er gegen Ferrero seine Chance am Netz, spielte agressiv, schlug sehr gut auf und war unglaublich flink auf den Beinen. Von seiner Knöchelverletzung war jedenfalls nichts mehr zu bemerken. "Ich habe es geschafft, mich auf das Spiel zu konzentrieren und nicht an die Verletzung zu denken", sagte er, "ich bin sehr zufrieden, dass ich es in die zweite Woche geschafft habe."
Unlösbare Aufgabe?
Tommy Haas hat es in seinem Achtelfinalmatch ungleich schwerer getroffen. Sein nächster Gegner ist ausgerechnet der fast unschlagbar scheinende Weltranglistenerste Roger Federer aus der Schweiz, der sich in der Night Session souverän 6:3, 6:4, 6:3 gegen Max Mirnyi (Weißrussland) durchsetzte. Das Match kann zu einem Highlight werden, denn Haas präsentierte sich bislang wesentlich besser, als es seine derzeitige Weltranglistenposition 41 ausdrückt, und wegen der er nicht gesetzt ist.
"Natürlich hätte ich lieber gegen einen anderen gespielt, aber als Ungesetzter kann man nur von Match zu Match schauen", sagte der 27-Jährige, "ich muss halt schauen, ob ich eine Chance bekomme und muss die dann nutzen." Seinen Erfolg gegen den Weltranglistenersten beim Einladungsturnier in Kooyong in der Woche vor den "Open" will er nicht überbewerten: "Da ging es ja um nichts." Im direkten Vergleich offizieller Matches nämlich liegt Haas mit 2:4 zurück. Zuletzt gewann er vor fast genau vier Jahren - im Achtelfinale der Australian Open.
STATISTIK
HERREN
Tommy Haas (GER) - Peter Luczak (AUS) 4-6 6-3 6-4 6-4
Nicolas Kiefer (GER) - Juan Carlos Ferrero (SPA) 6-3 6-2 5-7 6-2
Roger Federer (SUI) - Max Mirnyi (RUS) 6:3, 6:4; 6:3
Nathan Healey (AUS) - Nikolay Davydenko (RUS) 2-6; 7-5; 4-6; 5:7
Sebastien Grosjean (FRA) - Guillermo Coria (ARG) 6-2 6-2 3-6 6-4
Dominik Hrbaty (SVK) - Igor Andreev (RUS)1-6 6-4 6-3 2-6 6-4
Juan Ignacio Chela (ARG) - Kristof Vliegen (BEL) 6-1 6-4 6-4
Paul-Henri Mathieu (FRA) - Luis Horna (PER) 7-6 7-6 6-1
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DAMEN
Samantha Stosur (AUS) - Sybille Bammer (AUT) 7-5 4-6; 6:3
Martina Hingis (SUI) - Iveta Benesova (CZE) 6-4 6-1
Amelie Mauresmo (FRA) - Michaella Krajicek (NED)6-2, Aufgabe
Francesca Schiavone (ITA) - Maria Sanchez Lorenzo (ESP) 6-0 6-0
Patty Schnyder - Aiko Nakamura (JPN) 6-2 6-3
Kim Clijsters (BEL) - Roberta Vinci (ITA) 6-1 6-2
Anastasia Myskina (RUS) - Sofia Arvidsson (SWE) 6-3 6-1
Nicole Vaidisova (CZE) - Flavia Pennetta (ITA)6-4 6-2
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