ATP-Masters-Turnier in Hamburg: Haas und Schüttler ausgeschieden
zuletzt aktualisiert: 10.05.2005 - 21:59Hamburg (rpo). Das deutsche Herren-Tennis hat beim ATP-Masters-Turnier in Hamburg einen historischen Tiefpunkt erreicht: Neben Tommy Haas verabschiedete sich auch der Korbacher Rainer Schüttler bereits nach seinem Auftaktmatch vom Hamburger Rothenbaum. Ebenfalls gescheitert ist der US-amerikanische Superstar Andre Agassi.
Nach den Niederlagen von Tommy Haas und Rainer Schüttler steht in Nicolas Kiefer nur ein deutscher Spieler in der zweiten Runde, sieben schieden bereits in ihren Auftaktmatches aus. Das gab es in der 113-jährigen Geschichte des Traditionsturniers in der Hansestadt noch nie. Kiefer geht am Mittwoch gegen den Franzosen Sebastien Grosjean zudem als Außenseiter in die Partie.
Haas große Ankündigungen erwiesen sich am Dienstag als leeres Geschwätz, der Wahl-Amerikaner unterlag vor 11.000 Zuschauern dem Slowaken Dominik Hrbaty 4:6, 5:7. Schüttler setzte mit der 5:7, 7:6 (7:5), 4:6-Pleite gegen den italienischen Qualifikanten Andreas Seppi seinen freien Fall in der Weltrangliste fort und kassierte bereits die achte Auftaktniederlage in diesem Jahr.
Agassi im "Kühlschrank" Hamburg ausgeschieden
Und auch Agassi musste seine Sachen packen. Der 35-Jährige unterlag bei empfindlicher Kälte dem zwölf Jahre jüngeren Feliciano Lopez aus Spanien mit 2:6, 6:7 (5:7), wurde aber dennoch frenetisch von den nun 13.300 Zuschauern begeistert gefeiert. Jeder ahnte, dass es wohl das letzte Mal war, dass der achtmalige Grand-Slam-Champion in der Hansestadt aufgeschlagen hat. "Es ist für meinen Körper schwer, bei diesen Temperaturen zu spielen, ich kann die Punkte nicht wie gewohnt kontrollieren", sagte Agassi, dessen Ehefrau Steffi Graf das Match aus dem warmen Büro von Direktor Knapper verfolgte: "Es war schon etwas frustrierend."
Haas scheiterte bei seiner achten Teilnahme in der Hansestadt zum zweitenmal nach 2000 in der ersten Runde. "Wir freuen uns alle nicht, dass es hier so schlecht läuft", sagte Haas, "mir geht das negative Gerede aber langsam auf den Sack." Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen war mit dem schwachen Abschneiden seiner Schützlinge natürlich auch nicht zufrieden, entschuldigte das Auftreten aber zum Teil mit den Bodenverhältnissen: "Sandplatz ist nun mal der schwächste Belag unserer Spieler."
Der 27-Jährige Haas haderte nach der Niederlage auch mit Schläger und Ausrüster: "Da sind Sachen, die nicht so gelaufen sind, wie ich mir das vorstelle", sagte er: "Der Schläger ist das Wichtigste im Tennis, und wenn das Vertrauen fehlt und man damit rumbastelt, ist das eine noch schwerere Sache." Seit Jahresbeginn konnte er keine großen Matches mehr gewinnen, bei keinem Top-Turnier kam er über die zweite Runde hinaus: "Ich bin natürlich mit meinem Abschneiden nicht zufrieden."
"Solche Matches hängen an zwei, drei Punkten"
Hrbaty spielte auf dem schweren und langsamen Boden geduldiger und war präziser in den Grundschlägen. "Er spielt eben sehr konstant und solche Matches hängen an zwei, drei Punkten", meinte Haas. Zu Beginn des zweiten Durchgangs kämpfte sich Haas besser ins Match. Zum 3:1 gelang ihm erstmals ein Break, doch gab er gleich anschließend seinen Aufschlag wieder ab. "Mir tut es für die Zuschauer Leid, die mich fantastisch unterstützt haben. Ich werde es im nächsten Jahr wieder versuchen", sagte Deutschlands Nummer eins.
Agassi ließ sich zu einem Rückkehr-Versprechen dagegen nicht bewegen: "Ich habe keine Ahnung, ob ich im nächsten Jahr überhaupt noch irgendwo spiele. Ich werde das mit der Familie diskutieren." Erst zum fünften Mal in seiner langen Laufbahn hatte er den Weg an die Alster gefunden, um sich auf die French Open in Paris in zwei Wochen vorzubereiten, zum ersten Mal scheiterte er in Runde eins. "Es war sicherlich eine gute Vorbereitung für mich, ich nehme die Erfahrung mit, wie schwierig es für mich bei diesen Bedingungen ist", sagte der Amerikaner, um den es seit seiner Ankunft in Hamburg am Sonntag eine Riesen-Hype gegeben hatte.
TENNIS IN ZAHLEN:
ATP-Masters-Turnier in Hamburg (2,08 Millionen Euro), 1. Runde:
1. Runde: Dominik Hrbaty (Slowakei) - Tommy Haas (Sarasota/USA) 6:4, 7:5, Andreas Seppi (Italien) - Rainer Schüttler (Korbach) 7:5, 6:7 (5:7), 6:4, Marat Safin (Russland/Nr. 3) - Alberto Martin (Spanien) 6:1, 6:0, Gaston Gaudio (Argentinien/Nr. 4) - David Sanchez (Spanien) 6:2, 6:2, Felician Lopez (Spanien) - Andre Agassi (USA/Nr. 8) 6:2, 7:6 (7:5), Robin Söderling (Schweden) - David Nalbandian (Argentinien/Nr. 9) 7:6 (10:8), 7:5, Guillermo Coria (Argentinien/Nr. 10) - Vincent Spadea (USA) 6:0, 6:2, Guillermo Canas (Argentinien/Nr. 12) - Fabrice Santoro (Frankreich) 6:2, 6:1, Nikolaj Dawydenko (Russland/Nr. 15) - Michael Llodra (Frankreich) 6:1, 6:1, Fernando Gonzalez (Chile) - Paul-Henri Matthieu (Frankreich) 6:4, 6:4, Juan Monaco (Argentinien) - Igor Andrejew (Russland) 6:2, 6:7, 6:1, Tomas Berdych (Tschechien) - David Ferrer (Spanien) 6:2, 2:6, 6:3, Mariano Puerta (Argentinien) - Olivier Rochus (Belgien) 4:6, 6:1, 6:3, Albert Costa (Spanien) - Max Mirnij (Weißrussland) 7:6 (7:3), 7:5, Jiri Novak (Tschechien) - Paradorn Srichaphan (Thailand) 6:2, 6:3, Filippo Volandri (Italien) - Nicolas Almagro (Spanien) 6:3, 6:2
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