Am Sonntag Haas gegen Hrbaty: Haas/Waske bringen Davis-Cup-Team in Führung
zuletzt aktualisiert: 27.09.2004 - 10:40Perth (rpo). Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft liegt auf Wiederaufstiegskurs: Tommy Haas und Alexander Waske haben in der Hölle von Bratislava die Nerven behalten und das Doppel gegen Dominik Hrbaty und Karol Kucera für sich entschieden. Das deutsche Team liegt vor den beiden entscheidenden Einzeln am Sonntag mit 2:1 in Führung.
Die deutsche Davis-Cup-Mannschaft trennt jetzt nur noch ein einziger Sieg vom Wiederaufstieg in die Weltgruppe der 16 besten Tennisnationen. Mit heißem Herzen und kühlem Kopf gewannen Tommy Haas und Alexander Waske in der Playoff-Partie gegen die Slowakei in Bratislava am Samstag das Doppel gegen Dominik Hrbaty und Karol Kucera nach einer hervorragenden Leistung in einem dramatischen Spiel mit 6:3, 6:3, 3:6, 4:6 und 6:3 und brachten die deutsche Mannschaft mit 2:1 in Führung.
Am Sonntag hat Haas im ersten Einzel gegen Hrbaty (ab 11.00 Uhr) die Chance, den entscheidenden dritten Punkt zu holen und seine grandiose Erfolgsbilanz fortzuschreiben. Der Erfolg im Doppel war sein 15. Sieg im 16. Daviscup-Match für Deutschland seit seiner Premiere 1998 gegen Südafrika in Bremen.
"Das war ein Wechselbad der Gefühle", sagte Teamchef Patrick Kühnen. "Ich bin sprachlos, ich habe in meiner Karriere noch kein emotionaleres Spiel hinter mich gebracht", sagte Alexander Waske. "Wir haben versucht, gut zu spielen, aber die anderen haben ihre Chancen eben auch genutzt", meinte Tommy Haas: "Jetzt müssen wir uns am Sonntag noch einmal reinhängen, das wird ein geiles Match."
Fast greifbarer Wille
Am Freitag war Florian Mayer (Bayreuth) bei seinem missglückten Davis-Cup-Debüt von Hrbaty mit 3:6, 1:6, 3:6 vorgeführt worden. Anschließend hatte Haas mit dem 6:7 (2:7), 6:1, 6:1, 6:1 gegen Karol Beck zum 1:1 ausgeglichen. Die beiden abschließenden Einzel am Sonntag (ab 11.00 Uhr) bestreiten Haas und Hrbaty sowie nach derzeitigem Stand der Dinge Mayer und Beck. Allerdings wollte Mayer seinen Einsatz noch nicht hundertprozentig bestätigen: "Ich habe leichte Armschmerzen, aber wir haben ja noch zwei andere Leute, die Einzel spielen können." Ab 12.30 Uhr übernimmt am Sonntag der WDR die Übertragung.
Mit einem fast physisch greifbaren Willen zum Sieg waren Haas und Waske am Samstag auf den Platz gegangen. Vor allem Alexander Waske lieferte eine Leistung ab, die dem Prädikat Weltklasse zumindest nahe kam. Er puschte sich selbst und Haas vom allerersten Ballwechsel an mit geballter Faust und lautstarken "Come on"-Rufen nach jedem Punktgewinn immer wieder nach vorne, spielte einige eigentlich unmögliche Bälle und vermittelte den Slowaken auf der anderen Seite des Netzes durch seine unmissverständliche Körpersprache das Gefühl, trotz des Heimvorteils ständig in der Defensive zu sein.
Bereits nach einer halben Stunde hatten Haas und Waske den ersten Satz gewonnen, selbst der slowakische Trommler, der nahezu unentwegt sein Instrument bearbeitete, konnte die beiden nicht aus dem Konzept bringen. Hrbaty und Kucera, der eindeutig schwächste Mann auf dem Platz, wichen zurück, ließen sich von der aggressiven Spielweise der Deutschen einschüchtern und fanden auch im offenbar gleichermaßen konsternierten Publikum zunächst nicht den erhofften Rückhalt, steigerten sich dann aber von Spiel zu Spiel. Nach einer Stunde führte Deutschland mit 2:0 Sätzen, dann kamen die Slowaken zurück. Aber nach insgesamt 2:48 Stunden verwandelten dann doch die Deutschen ihren ersten Matchball.
Mayer ratlos
Florian Mayers mit Spannung erwartetes Davis-Cup-Debüt gegen den ungemein starken und konstanten Lokalmatador Dominik Hrbaty ging gründlich daneben. Im ersten Satz konnte er gerade mal bis zum 1:1 mithalten, dann nahm das Unheil schon seinen Lauf. Der Slowake traf jeden Ball optimal, platzierte die Kugel mit atemberaubender Präzision in den Ecken und jagte Mayer wie einen Hasen über den Platz. Im zweiten Satz stand es bereits 3:0 für Hrbaty, ehe Mayer sein erstes Spiel gewann.
Mayer wirkte ratlos, hilflos, konsterniert. Er streute Stopps ein, spielte Slice, versuchte es mit Serve and Volley, doch Hrbaty ließ sich von nichts aus dem Konzept bringen. "Ich habe immer darauf gewartet, dass er mal einen Hänger hat, denn auf diesem Niveau spielt man eigentlich nicht drei Sätze durch", sagte Mayer. Die Hoffnung war vergebens, nach nur 88 Minuten verwandelte der Slowake seinen fünften Matchball zum 1:0 für die Gastgeber.
Tommy Haas verhinderte anschließend mit einer starken Vorstellung gegen Karol Beck das 0:2. Nachdem er den ersten Satz durch unnötige Fehler noch im Tiebreak abgegeben hatte, spielte er mit Wut im Bauch und ließ dem überforderten Beck keine Chance mehr. Der erste Satz dauerte 56 Minuten, die folgenden drei insgesamt nur 82 Minuten länger.
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