Leichtathletik-WM: Höhne verpasst Bronze 200m vor dem Ziel
zuletzt aktualisiert: 26.08.2007 - 10:48Osaka (RPO). Andre Höhne hat die erste deutsche Medaille bei der Leichtathletik-WM in Osaka nur knapp verpasst. Der Geher kollabierte nach 20 Kilometern 200 Meter vor dem Ziel an vierter Stelle und musste den Traum von Edelmetall begraben.
"Das Ganze ist viel tragischer. Zusammen mit einem anderen Geher lag Andre Höhne kurz vor Schluss an vierter Stelle. Beide wurden dann vom Kampfrichter falsch eingewiesen und mussten einen Umweg von rund 100 Metern gehen. Wahrscheinlich hatte Andre dann einen psychischen Schock und ist im Stadion zusammengebrochen", verdeutlichte Jürgen Mallow als Cheftrainer des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) die Situation.
"Die seelischen Schmerzen sind viel schlimmer als die körperlichen. Ich bin überzeugt, eine Medaille wäre möglich gewesen", meinte der tieftraurige Olympia-Achte, nachdem er wieder ansprechbar war. Nach Rang vier bei der WM 2005 in Helsinki hatte er in diesem Jahr in Südafrika und St. Moritz in Hitze und Höhe trainiert, um sich optimal auf die tropischen Bedingungen in Osaka einzustellen.
Geschehen war in der Schlussphase dies: 20-km-Sieger Jefferson Perez aus Ecuador brach beim ersten Titelhattrick eines Gehers in der Leichtathletik-Geschichte (WM 2003/05/07) gerade mit Krämpfen im Ziel zusammen, da nahm Andre Höhnes Medaillen-Kampf bis zum Umfallen mit dem Kollaps 200m vor dem Ziel ein jähes Ende.
Der bereits von anderen überholte Berliner drehte sich plötzlich nach links zur Seite und stürzte auf den Rasen des Stadions. Dabei stoppte er noch wie bei Zielankünften üblich seine Uhr. Wie sich später herausstellte, glaubte er bereits die gesamte Distanz absolviert zu haben.
Kurzzeitige Bewusstlosigkeit
DLV-Arzt Uwe Wegner, der sich am Vortag schon um die ebenfalls mit Infusionen behandelten Marathonläufer Martin Beckmann (Leinfelden/Aufgabe) und Ulrich Steidl (Hanau/37.) kümmern musste, war nach dem Kollaps des 29-Jährigen im Glutofen Nagai-Stadion (34 Grad) als erster des Teams bei dem Berliner und meinte zu dessen Verfassung: "Zwischenzeitlich hatte Andre das Bewusstsein verloren. Er erhielt Infusionen. Wir haben ihn ins Krankenhaus gefahren, da er im ersten Moment nicht wusste, wo er war und welcher Tag ist."
In großer Sorge hatte Trainer Peter Selzer, dreimaliger EM-Medaillengewinner 1969-74, in den Katakomben des Nagai-Stadions nach seinem Schützling gesucht. "80 Meter vor dem Ziel ging er noch an mir vorbei. Aber mir war bange, er hatte keine gerade Linie mehr. Ich rief ihm zu, er solle die Augen offen halten. Als ihm dann die Hitze im Stadion voll entgegen schlug, war er wohl völlig am Ende", meinte der 61-Jährige.
Ex-Weltrekordler Selzer war sich sicher: "Er hatte sich wie immer gewissenhaft vorbereitet, trank auch während des Wettkampfs etwa drei Liter." Ein Fehler von Andre Höhne war es vielleicht, die Mütze wegzuwerfen. "Wir haben sie aufgehoben, ihm gekühlt wieder gegeben. Aber es war wohl alles zu viel für ihn", sagt Selzer, der den Sportsoldaten seit 17 Jahren betreut, "aber sowas noch nie erlebt" hatte.
Andre Höhne hatte noch zwei Tage zuvor gesagt: "Ich bin ein Hitze-Geher. Und bei ähnlichen Bedingungen hatte ich 2004 bei Olympia in Athen als Achter meine bis dahin beste Platzierung." Vor zwei Jahren hatten dem Berliner in Helsinki 16 Sekunden an Bronze gefehlt. Vierter wollte er nicht wieder werden - und er kämpfte im wahrsten Sinne des Wortes bis zum Umfallen.
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